10 Bücher, die man gelesen haben muss

notiert von: Eva

Marcel fragt seine Leser nach den 10 Büchern, die man ihrer Meinung nach gelesen haben muss bzw. die sie wärmstens empfehlen würden, und der Lesekreis wirft mir diese Frage außerdem als Stöckchen zu. Und obwohl das so eine typische Frage für Leseratten zu sein scheint, habe ich sie mir selbst noch nie gestellt und es war sehr interessant, über alle gelesenen Bücher nachzudenken und zehn davon auszwählen. Hier also meine Lieblings- bzw. Empfehlungs-Liste (Reihenfolge willkürlich):

John Steinbeck: Früchte des Zorns
Sozialkritik anhand der Geschichte einer Familie, wie sie besser nicht geschrieben sein könnte. Ein Buch, das auf Missstände aufmerksam macht und auch heute noch aktuell ist. Sprachlich wunderschön, erschütternd, berührend. Wenn ich ein Buch bestimmen müsste, das wirklich jeder lesen MUSS, wäre es dieses.

J. K. Rowling: Die Harry Potter-Serie
Ich habe lange überlegt, ob ich HP in diese Liste aufnehmen soll. Jeder hat davon gehört, viele sind von dem Hype genervt und manche interessiert Fantasy einfach prinzipiell nicht. Warum ich trotzdem empfehlen würde, sich zumindest daran zu versuchen: Wenn man nichts damit anfangen kann, ist es kaum verlorene Zeit (das erste Buch ist ja relativ kurz). Wenn es einen aber packt, dann hat man ein unvergleichliches Abenteuer vor sich :)

Rainer Maria Rilke: Gedichte
Lyrik ist ein Stiefkind in der Literatur, was ich sehr schade finde. Von allen Dichtern die ich gelesen habe, egal ob englisch- oder deutschsprachig, ist Rilke derjenige der mich am meisten beeindruckt. Seine Gedichte zu lesen ist jedes Mal ein unvergleichliches Erlebnis. Ich kann hier nur noch einmal Marina Zwetajewa zitieren, die es perfekt ausgedrückt hat: Sie geben den Worten ihren ersten Sinn, und den Dingen – ihre ersten Worte (Werte). Z.B. wenn Sie großartig sagen, sagen Sie von großer Art, so wie es gemeint war bei der der Entstehung.

Stefan Zweig: Rausch der Verwandlung
Mein liebstes Lieblingsbuch. Schon x-mal gelesen, jedes Mal aufs Neue darin verliebt. Die Geschichte bietet sehr viele Identifikationspunkte für mich, außerdem ist sie tiefgründig und sprachlich wunderschön erzählt. Ich kenne leider kaum jemanden, der das Buch gelesen hat bzw. dem es auch gefallen hat, was für mich natürlich völlig unverständlich ist ;)

Wally Lamb: Die Musik der Wale
Dieser Roman erzählt die Lebensgeschichte einer Frau. Nicht mehr und nicht weniger, aber es ist die beeindruckendste, ich nenne das jetzt mal “fiktive Biographie”, die ich kenne. Dolores Price ist eine tolle Figur, mit der man sich wunderbar identifizieren kann und deren Schicksal mir sehr nahe geht. Außerdem ist es ein richtiges Wohlfühl-Buch, perfekt für gemütliche Lesenachmittage.

E. M. Forster: Maurice
Die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Männern in einer Zeit, in der Homosexualität noch strafbar war. Vor allem sprachlich ist dieses Buch ein kleines Meisterwerk: Forster braucht nur wenige Worte um wirklich viel zu sagen. Das Buch hat einen ganz eigenen Stil, den ich nur schwer beschreiben kann: Auf gewisse Weise nüchtern & distanziert, aber trotzdem ist man dem Geschehen emotional sehr nahe.

Henning Mankell: Hunde von Riga
Die Wallander-Serie ist ein wunderbarer Einstieg in die skandinavische Kriminalliteratur, und “Hunde von Riga” ist mein liebster Wallander, weil es sehr schön zeigt, wie es ist, in einem Staat zu leben, in dem Korruption und Überwachung an der Tagesordnung sind. Ein sehr atmosphärischer, beklemmender Kriminalroman mit einem interessanten politischen Hintergrund.

Marlen Haushofer: Die Wand
Ich liebe ja Dystopien über alles, und “Die Wand” ist die beste. Ich kenne das Buch schon sehr lange, habe es schon oft gelesen und bin jedes Mal aufs Neue fasziniert von dieser Geschichte. Es interessiert mich einfach, zu lesen, wie Menschen mit völlig neuen, unerwarteten Lebensbedingungen zurechtkommen, und in “Die Wand” wird das sehr eindrücklich geschildert.

John Irving: Owen Meany
Mein liebster Irving, obwohl es wirklich nicht einfach ist, sich auf einen festzulegen. “Owen Meany” vereint alles, was Irving ausmacht, am besten: Skurrilität, Humor, die perfekte Mischung aus Glück & Tragik. Und Owen ist so eine liebenswerte Gestalt – absolut einzigartig.

Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Eines der intelligentesten Bücher das ich kenne. Psychologische Charakterstudie, Thematisierung von Machtmissbrauch, ethischen Fragen und der Last des Erwachsenwerdens, Gesellschaftsstudie, philosophische Gedanken – und all das auf nur 140 Seiten, sprachlich meisterhaft erzählt.

Edit: Na toll, jetzt wo ich die Liste endlich fertig habe, fallen mir noch mindestens fünf Bücher ein, die auch unbedingt reingehören. Das nächste Mal bitte mehr als 10 Bücher erlauben ;)

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Kommentare

13 Kommentare zu “10 Bücher, die man gelesen haben muss”

  1. dolcevita am 19. September 2008 00:07

    hi Eva,
    die Gedichte von Rilke habe ich noch nie gelesen, sag, ist es möglich, dass man einen ganzen Gedichtband liest, oder wie fängt man so etwas an. Ansonsten könnte ich fast jedes Buch aus deiner Liste in meine übernehmen. ;-) Lamb und Forster kenne ich leider nicht.
    LG

  2. Eva am 19. September 2008 07:00

    Es gibt ziemlich viele Ausgaben mit Rilke-Gedichten, die die ich verlinkt habe ist eine Gesamtausgabe. Diese oder diese Ausgabe sind zum Beispiel ein guter Einstieg. Alternativ kannst du dir aber auch auf Rilke.de mal ein paar Gedichte durchlesen damit du weißt, ob sie dir überhaupt liegen ;)
    Lg, Eva

  3. Don Farrago am 19. September 2008 15:15

    Hallo Eva,
    bei Steinbeck hast du ja so was von Recht (auch wenn ich in meiner Favoritenliste der “Straße der Ölsardinen” den Vorzug gegeben habe)!
    Liebe Grüße aus dem Ruhrpott,
    Don Farrago

  4. Maren am 20. September 2008 14:49

    Davon kenne ich eigentich nur Harry Potter.
    Die Wand habe ich mal angefangen aber das war mir einfach zu deprimierend, ich konnte das nicht weiterlesen. Sicher ein “gutes” Buch, aber ich komme immer so schlecht in Bücher rein, in denen eigentich nichts passiert ;D
    Vllt geb ich dem Buch irgendwann noch mal ne Chance (aber eher unwahrscheinlich)

    Gedichte lese ich gar nicht gern, da fehlt mir irgendwie der Unterhaltungswert (obwohl ich einige sehr schöne Gedichte kenne)

  5. Eva am 23. September 2008 11:51

    @Don Farrago: “Die Straße der Ölsardinen” kenne ich noch nicht, bin aber schon sehr gespannt darauf. Nach “Früchte des Zorns” ist “Jenseits von Eden” mein nächstliebstes Buch von Steinbeck, sonst habe ich noch “Die Perle” (nicht so meins) und “Von Mäusen und Menschen” (auch sehr gut, aber etwas zu kurz) gelesen.

    @Maren: Dann ist “Die Wand” ja eh nichts für dich, da passiert wirklich nicht so viel *lach*

  6. Maren am 23. September 2008 13:59

    Ja, wobei die Wand schon noch grenzwertig ist. Denn da ist wenigstens das Szenario “aufregend” oder sehr aufwühlend. Ich weiß nicht mehr genau, warum ich das Buch weggelegt habe, es war so deprimierend :( Irgendwann vllt mal wieder.

    Was ich wirklich nicht mag, sind Bücher wo nur geredet wird ;) Der hochgelobte Frantzen und seine “Korrekturen” zB. Was war ich happy als ich als arme Studentin das Buch als neues ME ergattern konnte! Und was war ich enttäuscht, weil ich mich brutalst gelangweilt habe bei zig Seiten voller öder Unterhaltungen einer Familie beim Abendbrottisch…
    Insofern “pasiert” bei der Wand halt schon noch mehr.

  7. Eva am 23. September 2008 16:33

    “Die Korrekturen” fand ich toll, und an so viel Gerede kann ich mich gar nicht mehr erinnern *lach*. Na ja, Geschmäcker eben ;)

  8. Maren am 23. September 2008 17:44

    Na mit “Gerede” meine ich auch eher, dass das ganze Buch größtenteils aus Reflexionen und Beschreibungen der inneren Erlebenswelt der Personen usw besteht. Viel Theorie also. Mir gibt das nichts, weil mir das schlicht zu langwelig ist Ich brauche eine Handlung, der ich beim Lesen folgen kann.

  9. Nina am 28. September 2008 15:07

    Gehört habe ich zumindest von allen Autoren oder Werken schon mal, gelesen habe ich allerdings nur Harry Potter. Aber dafür alle Teile gleich mehrmals. ;)
    Mankell wollte ich irgendwann aber auch mal austesten.

  10. Eva am 30. September 2008 15:12

    Die hab ich auch alle mehrmals gelesen :D

    Mankell ist auf jeden Fall austestenswert, ebenso Hakan Nesser. Ich steh total auf die skandinavischen Kriminalautoren ;)

  11. Aktion Störtebeker am 3. October 2008 13:26

    http://aktion-stoertebeker.blogspot.com/2008/10/li...

    Marcel fragt im Read It! – Blog nach einer “Liste der 10 Bücher, die man gelesen haben muss”. Eine schwierige Sache, da sich eine solche Aufzählung im Laufe der Zeit schnell ändert. Und was heißt in diesem Zusammenhang schon “muss”. Aber da die…

  12. Simone am 5. December 2009 19:13

    Finde hier gar keinen Eintrag zu Owen Meany…

    Fand dieses Buch sehr unterhaltsam, aber nicht besonders fesseln… aber gut!

  13. Mr. Heizöl am 18. May 2010 02:53

    Habe neulich das John Steinbeck: Früchte des Zorns gelesen und mir hat es sehr gut gefallen. Wüsste jemand vielleicht noch so eines in der Richtung?

    Danke schon einmal im VOraus für eure Tipps!

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