So Dinger ohne Beleuchtung

27. April 2008 - Kategorie: Kurioses | 2 Kommentare

<Mike[R]> ich hab noch jede Menge Bücher :)
<Mike[R]> nachti schonmal :)
<TeddyBear> bücher?
<Mike[R]> jo so Dinger ohne Beleuchtung
<Mike[R]> da braucht man ne Lampe und wenn man da drauf leuchtet kann man da Buchstaben und ganze Sätze erkennen
<TeddyBear> sagt mir grad nichts.

Ausschnitt aus einem Chat, gefunden auf GBO



Zweifellos

23. April 2008 - Kategorie: Zitat | Kommentieren

Ich werde versuchen, allmählich alles Zweifellose an mir zusammenzustellen, später das Glaubwürdige, dann das Mögliche usw. Zweifellos ist in mir die Gier nach Büchern.

- Franz Kafka, Die Tagebücher



The Annotated Lolita

21. April 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren

Nabokov Am 28. April wird in Paris im Rahmen der Auktion “Importants livres anciens, livres d’artistes et manuscrits“ des Auktionshauses Christie’s eine Erstausgabe von Vladimir Nabokovs “The Annotated Lolita” aus dem Jahr 1970 versteigert. Auf dem Cover finden sich eine Widmung von Nabokov an seinen Sohn Dmitri (”For Dmitri from Dad“), eine Datums- und Ortsangabe sowie die Zeichnung eines Schmetterlings; der Schätzwert liegt bei 15.000 bis 20.000 Euro.  Die Losdetails und eine Abbildung des Buches sind hier einzusehen.

Diese kommentierte Ausgabe ist meines Wissens nach noch nicht auf Deutsch erschienen – auf jeden Fall ist die englische Ausgabe schon mal auf meine Bücherwunschliste gewandert, und wer weiß: Bis sie dort in die höchste Dringlichkeitsstufe vorgestoßen ist, hat sich ja vielleicht schon jemand der deutschsprachigen Leserschaft erbarmt ;) .



Open End

20. April 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren

Faber Gestern Nachmittag habe ich “Das karmesinrote Blütenblatt” von Michel Faber abgeschlossen und habe mir, wie immer nach Beendigung einer Lektüre, die Rezensionen auf Amazon durchgelesen. Wie erwartet beschwert sich ein nicht geringer Anteil der Rezensenten mehr oder weniger lautstark über das offene Ende, mit dem Faber seine Geschichte abschließt. Es stimmt natürlich: Wir erfahren nicht, was aus Sugar und Sophie wird, wie ihr weiterer Weg aussieht. Äußerst liebevoll entlässt uns der Erzähler aus seiner Obhut und überlässt die Protagonistin der Ungewissheit des Ausgangs ihrer Entscheidung.

Ich unterscheide für mich immer zwischen dem “äußeren” und dem “inneren” Abschluss einer Geschichte. Wenn der “innere” Abschluss nicht gegeben ist, bin ich auch unzufrieden. Jedes Buch das von einer charakterlichen Entwicklung erzählt, sollte diese auch zu Ende bringen – und das tut Faber: Sugar, die sich aus den Tiefen des Prostituiertendaseins in die Höhe der besseren Gesellschaft “gearbeitet” hat, erkennt schließlich, dass das angestrebte Familienideal, das Leben unter den oberen Zehntausend der Londoner Gesellschaft für sie nicht möglich und vor allem nicht mehr erwünscht ist. Sie ist “eine unauffällige, respektable Erscheinung, die ihr Leben selbständig gestalten will” geworden, wie es ein Rezensent so schön sagt, und hat beschlossen, das Kind ihres Liebhabers und Gönners mit sich zu nehmen, was eine sehr mutige und rührende Entscheidung ist. Und das ist mir genug: Sugar weiß am Ende, wer sie ist und was sie will. Alles weitere, die äußeren Umstände, die Fragen nach dem wo und wie und wann sind für mich nicht mehr relevant.

 

Zweig Es ist dasselbe mit Stefan Zweigs “Rausch der Verwandlung“, das unbestritten mein liebstes & wertvollstes Buch ist. Ich wurde einmal gefragt, ob es mich nicht frustriert, das Buch so oft zu lesen und jedes Mal mit diesem “unbefriedigenden und lieblosen Schluss” (Zitat Fragesteller) zurückgelassen zu werden. Aber gerade das Ende ist es, das mich immer wieder aufs Neue begeistert: Christine und Ferdinand haben sich entschieden. Ob sie es schaffen werden, den Behörden zu entgehen, ob sie sich in einem fremden Land ein besseres Leben aufbauen werden können, ob sie überhaupt zusammen bleiben – natürlich stelle ich mir diese Fragen auch (und vor allem frage ich mich: Was hat sich Zweig selbst für seine beiden Charaktere ausgemalt? Wie ist die Geschichte in seiner Vorstellung weitergegangen?). Aber wichtig ist nur, dass Christine “ja” sagt: “Ja” zu Ferdinand, “ja” zu der Entscheidung, die sie gemeinsam getroffen haben und vor allem: “Ja” zu sich selbst. Sie steht zu ihrer Unfähigkeit dieses Leben weiterzuführen und wagt den Schritt heraus, und auch wenn man natürlich über die moralische Richtigkeit dieses Schrittes diskutieren könnte, so hat sie zumindest nicht aufgegeben.

Im Herzen eines Menschen ruht der Anfang und das Ende aller Dinge.

Dieses Zitat von Tolstoi kann man, denke ich, auch gut auf den Leser übertragen: Der Leser trägt in sich das Ende solcher Geschichten; seine eigenen Erwartungen, Wünsche & Fantasien weben das Bild weiter und erschaffen einen Abschluss, der durch seine Individualität bestimmt zufriedenstellender ist als alles, was der Autor hätte vorlegen können.



Leipziger Bücherlei

19. April 2008 - Kategorie: Linktipp | 2 Kommentare

Gestern Abend entdeckt und sofort in tiefe Liebe zu ihr verfallen: Diese Website eines Leipziger Bibliomanen, die eine wahre Perle unter den vielen Internetseiten, die es zum Thema Literatur gibt, darstellt. Informativ und vorbildlich übersichtlich aufgebaut bietet das Leipziger Bücherlei alles, was das Herz eines wahren Bücherfreundes begehrt.

Hier ein paar Highlights dieses umfangreichen Projektes:

Ex Libris Weblog

Erste und letzte Sätze aus Büchern.

Blickpunkt: Kuriosa

Eine Sammlung amüsanter und interessanter Geschichten aus der Welt der Bücher & des Lesens.

Fundstücke aus Büchern & Bibliomanische Zitate

Von der Mehrzahl der Werke bleiben nur die Zitate übrig. Ist es dann nicht besser, von Anfang an nur die Zitate aufzuschreiben?

sagte Stanislaw Jerzy Lec. Natürlich wäre das nicht besser, aber ich sammle Zitate über Bücher und aus Büchern seit ich lese und bin daher mehr als begeistert von dieser riesigen Zitate-Sammlung.

Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Stunden bzw. Tage, in denen ich das Bücherlei erforschen und mich von ihm inspirieren lassen werde!



Pygmalion

18. April 2008 - Kategorie: Kunst, Zitat | Kommentieren

Pygmalion

- ”Pygmalion und Galatea”, Jean-Léon Gérôme (um 1892) | Quelle: www.artrenewal.org

Durch die Fehle gekränkt, die dem weiblichen Sinne so häufig
Gab die Natur, verlebte Pygmalion ohne Genossin
Einsame Tag’, und entbehrt’ ehlos des geselligen Lagers.
Jetzt mit bewunderter Kunst voll Leichtigkeit schnitzet er helles
Elfenbein und gibt ihm Gestalt, wie nimmer noch aufwuchs
Irgendein Weib, und betrachtet sein Werk mit inniger Liebe.

So beginnt die Geschichte von Pygmalion in Ovids “Metamorphosen”. Pygmalion, der König von Zypern, hat sich von den Frauen abgewandt. Er schnitzt eine Statue aus Elfenbein, eine Frauenfigur, in die er sich verliebt. Er bringt ihr Geschenke, schmückt sie und behandelt sie wie einen echten Menschen:

Mit Gewand’ auch schmückt er die Glieder,
Gibt an die Finger Gestein, gibt hangende Schnüre dem Halse,
Und läßt Perlen am Ohr, um die Brust ihr schweben die Kettlein,
Alles geziemt; doch scheint sie auch nackt nicht weniger lieblich.
Diese legt er auf Decken, gefärbt in sidonischem Purpur,
Nennt sie trauteste Gattin und streckt dem gelehneten Nacken
Weich umwallenden Flaum, als ob sie fühlte, zum Lager.

Immer verzweifelter wird er in seiner Liebe zu seiner Schöpfung und bittet schließlich Venus, sie möge ihm eine Gefährtin schenken, die seiner Statue ähnlich ist. Venus aber erkennt seinen geheimen Wunsch und als Pygmalion zurückkehrt und die geliebte Statue küsst, wird sie in seinen Armen lebendig:

Endlich vereint er
Zum nicht täuschenden Munde den Mund: die gegebenen Küsse
Fühlt die Errötende, hebt zu dem Lichte die leuchtenden Augen
Schüchtern empor und schaut mit dem Himmel zugleich den Geliebten.

Der ganze Text ist hier zu finden.



Dein Bild

15. April 2008 - Kategorie: Lyrik, Zitat | Kommentieren

Nun ist es Nacht geworden, und Dein Bild
erhebt sich groß und klar aus meinem Blut.

- “Nun ist es Nacht geworden”, Annemarie Bostroem

Einst war es Fest und Andacht und Gefahr,
dann ging es langsam wie ein Abend nieder
und ist jetzt Angesicht und Hand und Haar:
O wie unsäglich selig kehrt es wieder.

- “Widmung“, R. M. Rilke



Bild der Unzufriedenheit

13. April 2008 - Kategorie: Zitat | Kommentieren

Das Bild der Unzufriedenheit, das eine Straße darstellt, da jeder von dem Platz, auf dem er sich befindet, die Füße hebt, um wegzukommen.

- Franz Kafka in seinem Tagebuch am 21. August 1912



Volkslesen.tv

11. April 2008 - Kategorie: Linktipp | 2 Kommentare

VolksLesen.tv ist eine Website für Menschen, die Bücher lieben. Sie lesen vor der Kamera kurze Ausschnitte aus Büchern, die ihnen wertvoll sind. So erhält der Zuschauer einen Eindruck des Textes, des Klangs der Worte. Gleichzeitig sieht er Denjenigen, der den Text empfiehlt. Im Mittelpunkt steht nicht die perfekte Lesung, sondern der Mensch, der liest.

So beschreibt der Betreiber dieser Seite sein im Jänner dieses Jahres gestartetes Projekt, auf das ich vor kurzem aufmerksam geworden bin und das mich sehr begeistert. Die Liste der bereits vorgelesenen Autoren ist vielfältig (angefangen von Klassikern über Lyrik bis hin zu moderner Literatur) und es ist interessant zu sehen, wie Menschen Texte, die einem lieb sind, lesen, welche Stellen sie aus den Büchern auswählen – und natürlich machen die Videos auch neugierig auf Bücher bzw. Autoren, die man noch nicht kennt.

Ganz besonders hervorheben möchte ich die Lesung des Gedichtes “Der Wahnsinn” von R. M. Rilke, hier zu finden. Was dieser junge Mann hier vorträgt, ist schlicht und einfach genial. Er liest es nicht nur, er lebt es auch, und er tut das so mitreißend und authentisch, dass ich jedes Mal wenn ich mir das Video ansehe staunend vor dem Bildschirm sitze. Gänsehaut-Garantie!

Bleibt nur zu hoffen dass dieses Projekt lange bestehen bleibt und sich viele weitere Beteiligte finden.



Bis auf den eigenen Grund

10. April 2008 - Kategorie: Zitat | Kommentieren

Alles schmerzt sich einmal durch bis auf den eigenen Grund.

Dieser Satz von Jan Skácel kommt mir immer wieder in den Sinn, und ich finde ihn sehr tröstlich. Für mich sagt er: Alles wird offenbart werden, die Knoten werden sich lösen. Irgendwann einmal wird man bei sich selbst angekommen sein.

Und ich dachte fast zehn Jahre lang, dass das schon das vollständige Zitat ist. Aber seit ich heute bei Google danach gesucht habe, weil ich wissen wollte woher es eigentlich stammt, weiß ich, dass da noch drei Zeilen fehlten und das Ganze eigentlich ein Gedicht ist:

alles schmerzt sich einmal durch bis auf den eigenen grund
und die angst vergeht
schön die scheune die nach längst vergangenen ernten
leer am wegrand steht



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