Ein Untier, wild und seltsam

31. August 2008 - Kategorie: Kunst, Zitat | Kommentieren

Cerberus

“Cerberus” | ©Alice Duke

 

Ein Untier, wild und seltsam, Zerberus,
Bellt, wie ein böser Hund, aus dreien Kehlen
Jedweden an, der dort hinunter muß.

Schwarz, feucht der Bart, die Augen rote Höhlen
Mit weitem Bauch, die Hände scharf beklaut,
Vierteilt, zerkratzt und schindet er die Seelen.

(aus “Die Göttliche Komödie” von Dante Alighieri)



Bücher als Handtaschen

30. August 2008 - Kategorie: Linktipp | 4 Kommentare

Wenn ich nur reich wär’ – ich würde mir sofort so eine Handtasche von Cogitatio machen lassen! Sieht richtig gut aus, und es gibt ja viele Bücher mit tollen Covers, die sich bestimmt gut als Tasche machen würden. Ca. 100 € kostet so ein Stück je nach Material etc. (ich schätze aber, dass das eher das Minimum ist). Was ich lustig finde: Thomas Manns “Der Tod in Venedig” findet sich gleich drei mal bei den bereits verkauften Modellen. Aber eigentlich ist es ganz gut, dass ich mir das nicht leisten kann: Ich könnte mich nie im Leben für ein Buch entscheiden, mir fallen so ganz spontan schon mehr als zehn ein, die ich als Handtasche haben wollte ;)



Frust

30. August 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Neuzugänge | 8 Kommentare

Das Leben ist wirklich nicht fair: Ich wollte dieses Wochenende “Vergebung” von Stieg Larsson lesen – ich hatte mich schon die ganze Woche darauf gefreut & war aufgeregt & konnte es schon gar nicht mehr erwarten. So. Vor zwei Stunden bin ich also losgefahren, um das Buch zu kaufen. Fazit: 40 verfahrene Kilometer, zwei Städte, fünf Buchhandlungen, aber kein Buch. Die Taschenbuchausgabe von “Verdammnis” hatten sie überall, aber “Vergebung”?

Nein, das haben wir nicht hier, aber wir können es Ihnen gerne bestellen, nächste Woche haben Sie es dann!

Nächste Woche! Wenn ich es heute lesen will!! Die Verkäuferin in der letzten Buchhandlung hat mich schon ganz mitleidig angesehen – ich will gar nicht wissen, mit was für einem enttäuschten Gesichtsausdruck ich durch die Gegend gelaufen bin ;)
Dafür habe ich (man kann ja nicht fünf Buchhandlungen ablaufen und ohne ein Buch nachhause kommen) von den Wühltischen drei Bücher mitgenommen:

• Das Autorenalbum von Diogenes
• “Die Teerose” von Jennifer Donnelly
• “Zeit im Dunkeln” von Henning Mankell

So, und jetzt rufe ich bei der Buchhandlung an und bestelle mir “Vergebung”, damit ich es nächste Woche endlich lesen kann ;)



Ganz Asien

24. August 2008 - Kategorie: Zitat | Kommentieren

Sie stellt sich ganz Asien durch die Gesten dieses einen Mannes vor.

- Michael Ondaatje, Der englische Patient



Stieg Larsson – Verdammnis

24. August 2008 - Kategorie: Rezension | 10 Kommentare

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass nach “Verblendung” noch etwas Besseres kommen kann, aber Stieg Larsson hat es geschafft und sich mit “Verdammnis”, dem zweiten Teil der Millenium-Trilogie, selbst übertroffen.

Zum Inhalt: Der Journalist Dag Svensson möchte in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Millenium ein Buch herausbringen, in dem es um Mädchenhandel geht. Dann werden er und seine Freundin erschossen, und der Verdacht fällt auf Lisbeth Salander (fälschlicherweise steht im Klappentext, dass sie Mikaels Partnerin ist, dabei hat sie den Kontakt zu ihm abgebrochen). Als auch noch Lisbeths Betreuer, der Anwalt Nils Bjurman, ermordet wird, beginnt die Jagd auf das Mädchen, das von den Medien als gewalttätige Psychopathin dargestellt wird. Mikael aber glaubt an ihre Unschuld und versucht auf eigene Faust die Morde aufzuklären. Seine Recherchen führen ihn tief in Lisbeth Salanders Vergangenheit und in das Geheimnis um einen Mann namens “Zala”, der der Schlüssel zur Aufklärung der Ereignisse zu sein scheint.

Wie auch schon in “Verblendung” lässt sich Larsson am Anfang wieder viel Zeit: Wir begleiten Lisbeth auf der letzten Etappe ihrer Weltreise, die sie nach den Ereignissen in “Verblendung” unternommen hat, erfahren, wie sie nach ihrer Rückkehr nach Schweden ihr Leben in den Griff zu bekommen versucht, lesen von Mikael und seiner Zusammenarbeit mit Dag Svensson. Thriller-Stimmung kommt lange keine auf, aber ich fand die ruhigeren ersten zwei Drittel des Buches viel besser als das action-geladene letzte Drittel. Das liegt vor allem an der Figur Lisbeth Salander, die mit jeder Seite faszinierender wird und mich mit ihrer Persönlichkeit völlig in ihren Bann gezogen hat. Ob sie am Strand spazieren geht oder sich bei IKEA ihre Wohnung einrichtet (hier erreicht die Schleichwerbung übrigens ungeahnte Höhen: es hätte nur noch gefehlt, dass Larsson auch noch die Artikelnummern der einzelnen Möbelstücke dazuschreibt) oder die Beziehung zu einer alten Freundin wiederaufnimmt – Lisbeth ist so einzigartig, dass ich selbst die Schilderungen der uninteressantesten häuslichen Details geliebt habe. Dass das für Leser, die einen Thriller und die damit verbundene Spannung erwarten, eher nervig ist, kann ich gut nachvollziehen – von mir aus hätte das Buch aber noch in alle Ewigkeit so weitergehen können.

Dann passieren die Morde; Lisbeth muss sich verstecken und wird von den Medien gnadenlos verurteilt. Mikael versucht verzweifelt, den Kontakt mit ihr wieder aufzunehmen, da er sie für unschuldig hält und ihr helfen möchte. Aber Lisbeth macht sich alleine an die Aufklärung der Hintergründe – ich kann gar nicht sagen, wie oft ich sie beim Lesen am liebsten aus dem Buch gezerrt und ihr Vernunft eingeprügelt hätte, einfach aus Angst um dieses Mädchen, dass wie eine Rachegöttin durch die Gegend zieht und auf ihre Art mit den Verantwortlichen abrechnet. Und dann der Showdown, der zwar sehr spannend aber leider auch sehr unrealistisch war. Auf die Details möchte ich nicht eingehen, aber hier hätte sich Larsson ein wenig zurückhalten können. Kann schon sein, dass das, was am Ende geschieht, medizinisch möglich ist – ich fand es einfach nur unglaubwürdig (von der Kill Bill-Einlage gar nicht zu sprechen).

Trotz des überzogenen Finales ist “Verdammnis” ein großartiges Buch. In den Lesepausen (auch “Arbeit” und “Schlaf” genannt ;) ) musste ich die ganze Zeit daran denken, habe mich gefragt, wie es weitergeht und auch viel über das eigentliche Thema der Trilogie nachgedacht: Gewalt gegen Frauen. Es ist eben nicht nur ein Thriller, sondern auch eine Charakter- und Gesellschaftsstudie. Larsson schreibt über so vieles: Das Sozialsystem, Selbstjustiz, Beziehungskonstellationen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, journalistische Arbeit etc., und diese Kombination aus Themenvielfalt, interessanten Charakteren und spannender Handlung macht diese Bücher so unwiderstehlich.

Und jetzt sitze ich hier und weiß nicht, ob ich wirklich auf Taschenbuchausgabe des dritten Teils warten soll. So hatte ich das eigentlich beschlossen, aber ich habe keine Ahnung, für wann die geplant ist und bezweifle, dass ich mich sehr lange gedulden kann, zumal “Verdammnis” ein sehr offenes Ende hat. Bis Weihnachten könnte ich es vielleicht aushalten… hm. Schwere Entscheidung ;)



John Steinbeck – Früchte des Zorns

21. August 2008 - Kategorie: Rezension | 1 Kommentar

Früchte des ZornsDie USA in den 30er Jahren: Die Familie Joad muss aufgrund der fortschreitenden Maschinisierung in der Landwirtschaft ihre Farm in Oklahoma verlassen und macht sich auf nach Kalifornien, wo sie Arbeit zu finden glaubt. Und sie sind nicht die einzigen: Zehntausende Menschen gehen in den Westen, getrieben von der Hoffnung auf Besitz und einem menschenwürdigen Leben für ihre Familien. Aber sehr bald begreifen sie, dass sie im gelobten Land Kalifornien nicht willkommen sind – von den Einheimischen verächtlich “Okies” genannt und in Lagern untergebracht, werden sie von den dortigen Großgrundbesitzern ausgebeutet und müssen für Hungerlöhne arbeiten, um ihre Familien am Leben erhalten zu können.

Ich habe “Früchte des Zorns” jetzt zum zweiten Mal gelesen und bin, wie schon nach dem ersten Mal, überwältigt: Von Steinbecks Sprache, von der Art, wie er die sozialen Misstände dieser Zeit schildert – nämlich auf eine Weise, die sie den Leser selbst erleben lässt: Man reist mit den Joads nach Kalifornien, teilt ihre Hoffnungen, ihre Träume, leidet dann mit ihnen, als sie erkennen, dass sie dort nur Armut erwartet, erträgt es kaum, wenn die Familie mehr und mehr auseinanderfällt. Es gelingt ihm, einem die Lebenswelt und Denkart dieser Menschen unglaublich nahe zu bringen; auch die Verbundenheit der Farmer mit ihrem Land, das sie bewirtschaften, von dem sie leben und aus dem sie dann vertrieben werden, ist mir sehr nahe gegangen.

Wie auch Cormac McCarthys “Grenzgänger” besitzt das Buch eine enorme emotionale Kraft, ohne dass die Emotionen im Text direkt ausgesprochen werden. Auch hier entsteht eine große Nähe zwischen den Protagonisten und dem Leser, eine Verbindung, von der man auch nach Beendigung des Buches noch lange nicht loskommt, denn die Figuren sind authentisch und man lernt sie schnell kennen und lieben. Als stärkste Figur in der Familie sticht die Mutter heraus, die unter allen Umständen versucht, die Familie zusammenzuhalten. Umso schlimmer leidet man mit ihr, wenn diese zerfällt, umso mehr bewundert man ihre Kraft.

Das Leid dieser Menschen, die Ablehnung, die sie erfahren, ihre Machtlosigkeit angesichts der Ausbeutung, die fortschreitende Armut, die Folgen der Industrialisierung – diese Themen sind heute noch genauso aktuell wie damals, was das Buch zeitlos macht. “Früchte des Zorns” ist Sozialkritik, wie sie besser nicht geschrieben sein könnte, so wie das Festhalten an Menschlichkeit trotz menschenunwürdiger Umstände nie besser zum Ausdruck gebracht werden wird können als in der letzten, überwältigenden Szene, die die Geschichte trotz des Wissens, dass es keine Hoffnung gibt, hoffnungsvoll enden lässt.

Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Es ist keine leichte Lektüre, sowohl sprachlich als auch thematisch, aber es erschüttert & berührt & wenn man es gelesen hat, hat man etwas über das Menschsein gelernt, ohne belehrt worden zu sein, und das ist für mich eine der größten Stärken, die ein Buch aufweisen kann.

~

Es gibt Verbrechen hier, die nicht zu schildern sind. Es gibt hier Leid, das Tränen selbst nicht sprechen lassen können. Es gibt hier Misserfolg, der all unsere Bemühungen zunichte macht. Die fruchtbare Erde, die geraden Baumreihen, die starken Stämme und die reife Frucht. Und Kinder müssen sterben, weil die Orange ihren Profit nicht verlieren darf. Und die Leichenbeschauer müssen in den Totenschein schreiben: “Starb an Unterernährung”, weil Nahrungsmittel verfaulen müssen.

Die Leute kommen mit Netzen, um die Kartoffeln aus dem Fluss zu fischen, aber die Wächter verbieten es ihnen. Sie kommen in ratternden Wagen, um sich Orangen zu holen, aber die Orangen sind mit Petroleum bespritzt. Und sie stehen still und sehen zu, wie die Kartoffeln vorbeischwimmen, hören die Schweine schreien, die in einem Graben geschlachtet und mit Ätzkalk bedeckt werden, sehen die Orangenberge zu einem Fäulnisbrei zusammensinken, und in den Augen der Hungernden steht ein wachsender Zorn. In den Herzen der Menschen wachsen die Früchte des Zorns und werden schwer, schwer und reif zur Ernte.



In eigener Sache

18. August 2008 - Kategorie: Allgemein | 3 Kommentare

Nachdem endlich alle Zitate eingetragen sind und das Design angepasst ist, wird es an der Zeit, Littera scripta manet, meine Zitatesammlung, offiziell bekannt zu machen :)

Wie ich dort schon schreibe, hat mich unter anderem Markus’ Leipziger Bücherlei dazu inspiriert, endlich mal Ordnung in meine Sammlung zu bringen, die bis dato nur aus einer ewig langen Word-Datei bestand und natürlich völlig unüberschaubar war.

Ich hatte anfangs eigentlich geplant, die Seite nur offline für mich selbst verfügbar zu machen, einfach als unkomplizierte Möglichkeit um meine Zitate zu verwalten, aber dann dachte ich, warum nicht gleich online stellen, zumal ich ja nicht alle Zitate die ich notiere im Blog bringe. Also, viel Spaß beim Stöbern ;)



Sprechbude

17. August 2008 - Kategorie: Linktipp | Kommentieren

Nach dem Bondageprojekt und Volkslesen.tv habe ich nun eine weitere Seite entdeckt, auf der vorgelesen wird: Die Sprechbude. Gelesen wird hauptsächlich Lyrik, aber auch Märchen, Prosa, Ausschnitte aus Shakespeare-Stücken etc., und zwar von professionellen Sprechern bzw. Schauspielern. Besonders praktisch: Das Email-Abo, das über neue Beiträge informiert und einen Download-Link zur mp3-Datei enthält.

Ganz besondere Fundstücke sind für mich die Lesung von Rilkes “Die Blinde“, ein langes Gedicht, das zu meinen liebsten von ihm zählt, sowie Georg Heyms “Letzte Wache“, das ich mir gerade zum 11. Mal anhöre und immer noch eine Gänsehaut bekomme – ein perfektes Zusammenspiel von Text, Musik und Stimme. Ach ja, und das “Kindergebetchen” von Joachim Ringelnatz, das mich wie kein anderes Gedicht zum Lachen bringt ;)

Reinhören und genießen!



Was ich noch gestern war

15. August 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Lyrik, Zitat | Kommentieren

Heute Morgen bin ich mit diesen Zeilen im Kopf aufgewacht:

Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiß was ich noch gestern war.

Das ist ein Ausschnitt aus Rilkes Gedicht “Die Liebende” und mal eine angenehme Abwechslung – sehr oft passiert es mir nämlich, dass ich mit einem bestimmten Lied im Kopf aufwache, das ich dann den ganzen Tag lang nicht aus meinen Gedanken verscheuchen kann. Meistens sind das dann auch noch Lieder, die ich nicht ausstehen kann, wie zum Beispiel kürzlich DJ Ötzis “Anton aus Tirol” – das ist dann ziemlich nervig. Hier das ganze Gedicht:

 

Die Liebende
R. M. Rilke

 

Ja ich sehne mich nach dir. Ich gleite
mich verlierend selbst mir aus der Hand,
ohne Hoffnung, dass ich das bestreite,
was zu mir kommt wie aus deiner Seite
ernst und unbeirrt und unverwandt.

 

… jene Zeiten: O wie war ich Eines,
nichts was rief und nichts was mich verriet;
meine Stille war wie eines Steines,
über den der Bach sein Murmeln zieht.

 

Aber jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewussten dunkeln Jahr.
Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiß was ich noch gestern war.

 



Days With My Father

12. August 2008 - Kategorie: Kunst | Kommentieren

Day With My Father

Nach dem Tod seiner Mutter dokumentiert der Fotograf Philip Toledano das Leben seines 98 Jahre alten Vaters. Ein bewegendes Portrait, sehr schön präsentiert. Weitere Arbeiten von Toledano findet man hier.



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