Bücherregale
26. September 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 4 Kommentare
Schöne & interessante Bücherregale gibt es bei Bookshelf zu bewundern. Hier meine Lieblinge der letzten Wochen:
Vor allem das erste finde ich toll, das ist genau mein Stil, aber bei einem Preis von 650 € leider nicht ganz meine Preisklasse
Digitale Welt
23. September 2008 - Kategorie: Zitat | Kommentieren
Aber mit einem Schlag begriff sie, warum der Verstand es gar nicht abwarten konnte, digital zu werden. Warum er diesen Ort so dringend brauchte, an dem es für jeden Aberwitz einen Knopf namens “Rückgängig” gab.
Der größte Wert der plumpen, geistlosen, unaufhaltsamen Digitalisierung lag darin, dass zum ersten Mal bewusst wurde, wie grenzenlos und unerfassbar die analoge Welt für alle Zeiten bleiben würde.
- Richard Powers, Schattenflucht
Vilhelm Hammershøi
18. September 2008 - Kategorie: Kunst | Kommentieren

“Interieur mit Rückenansicht einer Frau”
Über den dänischen Maler Vilhelm Hammershøi (1864-1916) berichtete gestern die Zeit Online. Ich hatte vorher noch nie von diesem Maler gehört, war aber sofort beeindruckt von seinen Gemälden, die mich ein wenig an die Werke von Edward Hopper erinnern. Weitere Bilder von Hammershøi findet man auf dieser Website.
10 Bücher, die man gelesen haben muss
18. September 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 12 Kommentare
Marcel fragt seine Leser nach den 10 Büchern, die man ihrer Meinung nach gelesen haben muss bzw. die sie wärmstens empfehlen würden, und der Lesekreis wirft mir diese Frage außerdem als Stöckchen zu. Und obwohl das so eine typische Frage für Leseratten zu sein scheint, habe ich sie mir selbst noch nie gestellt und es war sehr interessant, über alle gelesenen Bücher nachzudenken und zehn davon auszwählen. Hier also meine Lieblings- bzw. Empfehlungs-Liste (Reihenfolge willkürlich):
John Steinbeck: Früchte des Zorns
Sozialkritik anhand der Geschichte einer Familie, wie sie besser nicht geschrieben sein könnte. Ein Buch, das auf Missstände aufmerksam macht und auch heute noch aktuell ist. Sprachlich wunderschön, erschütternd, berührend. Wenn ich ein Buch bestimmen müsste, das wirklich jeder lesen MUSS, wäre es dieses.
J. K. Rowling: Die Harry Potter-Serie
Ich habe lange überlegt, ob ich HP in diese Liste aufnehmen soll. Jeder hat davon gehört, viele sind von dem Hype genervt und manche interessiert Fantasy einfach prinzipiell nicht. Warum ich trotzdem empfehlen würde, sich zumindest daran zu versuchen: Wenn man nichts damit anfangen kann, ist es kaum verlorene Zeit (das erste Buch ist ja relativ kurz). Wenn es einen aber packt, dann hat man ein unvergleichliches Abenteuer vor sich
Rainer Maria Rilke: Gedichte
Lyrik ist ein Stiefkind in der Literatur, was ich sehr schade finde. Von allen Dichtern die ich gelesen habe, egal ob englisch- oder deutschsprachig, ist Rilke derjenige der mich am meisten beeindruckt. Seine Gedichte zu lesen ist jedes Mal ein unvergleichliches Erlebnis. Ich kann hier nur noch einmal Marina Zwetajewa zitieren, die es perfekt ausgedrückt hat: Sie geben den Worten ihren ersten Sinn, und den Dingen – ihre ersten Worte (Werte). Z.B. wenn Sie großartig sagen, sagen Sie von großer Art, so wie es gemeint war bei der der Entstehung.
Stefan Zweig: Rausch der Verwandlung
Mein liebstes Lieblingsbuch. Schon x-mal gelesen, jedes Mal aufs Neue darin verliebt. Die Geschichte bietet sehr viele Identifikationspunkte für mich, außerdem ist sie tiefgründig und sprachlich wunderschön erzählt. Ich kenne leider kaum jemanden, der das Buch gelesen hat bzw. dem es auch gefallen hat, was für mich natürlich völlig unverständlich ist
Wally Lamb: Die Musik der Wale
Dieser Roman erzählt die Lebensgeschichte einer Frau. Nicht mehr und nicht weniger, aber es ist die beeindruckendste, ich nenne das jetzt mal “fiktive Biographie”, die ich kenne. Dolores Price ist eine tolle Figur, mit der man sich wunderbar identifizieren kann und deren Schicksal mir sehr nahe geht. Außerdem ist es ein richtiges Wohlfühl-Buch, perfekt für gemütliche Lesenachmittage.
E. M. Forster: Maurice
Die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Männern in einer Zeit, in der Homosexualität noch strafbar war. Vor allem sprachlich ist dieses Buch ein kleines Meisterwerk: Forster braucht nur wenige Worte um wirklich viel zu sagen. Das Buch hat einen ganz eigenen Stil, den ich nur schwer beschreiben kann: Auf gewisse Weise nüchtern & distanziert, aber trotzdem ist man dem Geschehen emotional sehr nahe.
Henning Mankell: Hunde von Riga
Die Wallander-Serie ist ein wunderbarer Einstieg in die skandinavische Kriminalliteratur, und “Hunde von Riga” ist mein liebster Wallander, weil es sehr schön zeigt, wie es ist, in einem Staat zu leben, in dem Korruption und Überwachung an der Tagesordnung sind. Ein sehr atmosphärischer, beklemmender Kriminalroman mit einem interessanten politischen Hintergrund.
Marlen Haushofer: Die Wand
Ich liebe ja Dystopien über alles, und “Die Wand” ist die beste. Ich kenne das Buch schon sehr lange, habe es schon oft gelesen und bin jedes Mal aufs Neue fasziniert von dieser Geschichte. Es interessiert mich einfach, zu lesen, wie Menschen mit völlig neuen, unerwarteten Lebensbedingungen zurechtkommen, und in “Die Wand” wird das sehr eindrücklich geschildert.
John Irving: Owen Meany
Mein liebster Irving, obwohl es wirklich nicht einfach ist, sich auf einen festzulegen. “Owen Meany” vereint alles, was Irving ausmacht, am besten: Skurrilität, Humor, die perfekte Mischung aus Glück & Tragik. Und Owen ist so eine liebenswerte Gestalt – absolut einzigartig.
Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Eines der intelligentesten Bücher das ich kenne. Psychologische Charakterstudie, Thematisierung von Machtmissbrauch, ethischen Fragen und der Last des Erwachsenwerdens, Gesellschaftsstudie, philosophische Gedanken – und all das auf nur 140 Seiten, sprachlich meisterhaft erzählt.
Edit: Na toll, jetzt wo ich die Liste endlich fertig habe, fallen mir noch mindestens fünf Bücher ein, die auch unbedingt reingehören. Das nächste Mal bitte mehr als 10 Bücher erlauben
100 Jahre Friedrich Torberg
16. September 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Heute vor 100 Jahren wurde der österreichische Schriftsteller Friedrich Torberg geboren. Bekannt ist er vor allem durch “Der Schüler Gerber” und “Die Tante Jolesch“, er hat aber unter anderem auch Gedichte geschrieben, als Journalist gearbeitet und die Werke von Ephraim Kishon übersetzt.
“Der Schüler Gerber” zählt ganz klar zu meinen Top 20 der besten Bücher überhaupt und ich bin immer wieder beeindruckt wenn ich daran denke, dass er es im Alter von nur 22 Jahren geschrieben bzw. veröffentlicht hat. Sonst habe ich von ihm leider noch nichts gelesen; ein Artikel auf Welt Online (siehe unten) hat mich aber schon mal sehr neugierig auf seine Novelle “Mein ist die Rache”, die anlässlich dieses Jahrestages neu aufgelegt wurde, gemacht.
Artikel:
Soll man heute noch Torberg lesen? (Welt Online)
Le tummelplatz, c’est moi! (faz.net)
So vielseitig wie begabt (Wienerzeitung)
Schreib. Nein, schreib nicht (Falter)
Stieg Larsson – Vergebung
14. September 2008 - Kategorie: Rezension | 5 Kommentare

Ach, was für ein Buch. Was für ein perfekter Abschluss für die Millenium-Trilogie. Ich bin wirklich froh, dass ich mit dem Lesen gewartet habe bis ich genügend Zeit hatte – ich hätte um keinen Preis zwischendrin aufhören können, denn handlungsmäßig gesehen ist “Vergebung” definitiv das spannendste der drei Bücher. Diese Mischung aus Regierungs-, Journalisten- und am Ende auch ein wenig Gerichts-Thriller ist unwiderstehlich und erstaunlich gut gelungen. Faszinierend, wie Larsson die vielen Handlungsfäden zusammenführt, wie die unterschiedlichen Interessensgruppen schließlich zusammenarbeiten, um die Verschwörung rund um Lisbeth Salander aufzudecken.
Die Charaktere, von denen man den größten Teil schon in “Verblendung” und “Verdammnis” kennengelernt hat, werden immer komplexer & interessanter – allen voran natürlich Lisbeth, von der ich wirklich nur sagen kann, dass sie unglaublich ist. Ich liebe dieses Mädchen *lach*. Und auch die anderen Figuren, Mikael natürlich, aber auch seine Schwester oder Sonja Modig sind mir richtig ans Herz gewachsen. Das liegt zu einem gewissen Teil übrigens auch daran, dass Larsson immer wieder sehr alltägliche Handlungen beschreibt: Was sie essen, was sie anziehen etc. Es würde mich nicht wundern, wenn andere das nervig finden, aber ich finde es toll. Ich mag solche Details, weil sie das Geschehen realistisch machen.
Was die Handlung betrifft, möchte ich nichts verraten, deshalb nur so viel: Sie ist komplex, ohne aber zu verwirren. Und wirklich verdammt spannend, bis zur letzten Seite. Mit der Entwicklung der Beziehung zwischen Mikael & Lisbeth – für mich die interessanteste Komponente der Trilogie – war ich auch mehr als zufrieden – es passt einfach & bleibt realistisch.
Natürlich hat das Buch kleine Schwächen: Zu viele glückliche Zufälle, und die Nebengeschichte um Erika Bergers Problem wirkte irgendwie konstruiert und hat die Handlung nur unnötig aufgeblasen, aber das sind wirklich nur Kleinigkeiten. Es bleibt wenig offen – man kann die Trilogie eigentlich als abgeschlossen ansehen, merkt aber schon auch, dass da noch Folgebände hätten kommen sollen. Dass Larsson so früh und unerwartet gestorben ist und es keine weiteren Bände um Lisbeth und Mikael geben wird, tut wirklich weh.
Noch eine Anmerkung zu den Titeln: Es nervt zwar, dass diese nicht original übersetzt wurden, aber abgesehen davon finde ich die deutschen Titel gar nicht so schlecht gewählt, weil sie eigentlich perfekt auf den Punkt bringen, was mit Lisbeth bzw. in der Beziehung zwischen ihr und Mikael passiert. Und sie haben eine einheitliche Linie, im Gegensatz zu den englischen Titeln: “The Girl with the Dragon Tattoo”, “The Girl Who Played with Fire”, “Castles in the Sky” (wobei der letzte Titel noch nicht bestätigt ist). Warum den zweiten Band wörtlich übersetzen, den ersten ganz anders und den dritten so halb richtig? Die Orginialtitel lauten (laut diversen Internetquellen, ich selbst kann leider kein Schwedisch): “Männer, die Frauen hassen”, “Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte” und “Das Luftschloss, das gesprengt wurde”. Aber wie auch immer, ich beneide jeden, der diese Trilogie noch vor sich hat. Und freue mich schon sehr darauf, sie in ein paar Jahren wiederzulesen.
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Doch im Allgemeinen schweigen sich die Geschichtsbücher über weibliche Kriegerinnen aus, die als gewöhnliche Soldaten den Umgang mit der Waffe erlernten, in ein Regiment eintraten und unter denselben Bedingungen wie die Männer an Schlachten gegen feindliche Heere teilnahmen. Dennoch hat es sie immer gegeben. Kaum ein Krieg hat sich ohne weibliche Beteiligung abgespielt.
Buch zu verschenken
13. September 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 9 Kommentare
Hat irgendjemand Interesse an Karen Monings “Im Reich des Vampirs“? Ich habe das Buch über vorablesen.de bekommen & schon gelesen, behalten möchte ich es aber nicht unbedingt. Vielleicht gibt es ja jemanden, der es auch gerne bekommen hätte oder den sowas interessiert – bitte einfach melden
So, und heute werde ich ENDLICH “Vergebung” lesen. Seit fast zwei Wochen komme ich einfach nicht dazu bzw. möchte ich es in einem Rutsch durchlesen und dafür hatte ich bisher nicht die Zeit. Aber heute passt es perfekt: Samstag, trübes Regenwetter, ein langer, ungestörter Nachmittag vor mir. Bin schon ganz kribbelig & aufgeregt *lach*
Ein solches Strahlen
10. September 2008 - Kategorie: Zitat | Kommentieren
Und die Intensität des Fühlens leitet uns in die Irre, ich weiß, dass dem so ist, Rilke verliebte sich in zwei Frauen, die Freundinnen waren. Er heiratete die eine und fuhr fort, die andere zu lieben. Von unserer Moira, die so leidenschaftlich leidvoll mit Brad verheiratet ist, wird erzählt, dass sie, kurz bevor sie mit ihm auf und davon ging, einem alten Freund sagte, sie würde ihn heiraten, wenn er sie noch wolle. Da ist ein solches Strahlen in uns, wenn wir lieben – unser Kreiselkompass wackelt, torkelt umher, droht uns geradewegs aus dem Weltall plumpsen zu lassen. Es erscheint mir nicht ungewöhnlich, dass man mitten im grellsten Schein absolut ekstatischer Gewissheit seiner Liebe zu einer Frau, in seiner funkensprühenden Lebhaftigkeit, ebenso leicht die Hand nach der Frau ausstrecken kann, die neben ihr steht.
- E. L. Doctorow: Das Leben der Dichter
Flauberts Briefe
9. September 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Seit vorgestern lese ich eine Sammlung von Briefen von Gustave Flaubert. Ich mag seinen Tonfall, seine Art, frei zu schreiben und die Dinge unverblümt zu nennen. Und ich war völlig entgeistert, als ich den ersten Brief gelesen, mich über die kindliche Ortographie gewundert und dann aufs Datum geschaut habe um nachzurechnen, wie alt er war, als er diesen Brief geschrieben hat. Neun Jahre alt, und schreibt an seinen Freund:
Freund ich werde Dir meine politischen und konstitutionellen liberalen Reden schicken [...]
Mit 12 Jahren schreibt er an denselben:
Ich komme mit meinem Roman über Isabeau von Bayern voran, von dem ich seit der Rückkehr von meiner Reise nach Pont-l’Eveque das Doppelte geschrieben habe.
Und mit 13:
Jetzt bin ich mit dem Theater des alten Shakespeare beschäftigt, ich lese gerade Othello, und dann werde ich auf meine Reise L’Histoire d’Ecosse in drei Bänden von Walter Scott mitnehmen, danach werde ich Voltaire lesen. Ich arbeite wie der Teufel und stehe um halb vier morgens auf.
Und dann lese ich beim Projekt Gutenberg: Er galt in der Familie als dumm und zurückgeblieben. Ah ja.
Jokers versandkostenfrei
6. September 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Neuzugänge | 6 Kommentare
Jokers hat versandkostenfreies Wochenende, Eva hat kein Geld/keinen Platz/sowieso schon zu viele Bücher gekauft. Eine unglückliche Kombination. Eva hat allerdings noch weniger Disziplin als Geld & Platz und deshalb gerade eben folgende Bücher bestellt:
• George Sand: Briefe
• Joseph Roth: Die Erzählungen
• Francesco Petrarca: Dichtungen, Briefe, Schriften
• Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell




