Wieder mal Jokers
30. March 2009 - Kategorie: Neuzugänge | 5 Kommentare
Ich liebeliebeliebe die versandkostenfreien Wochenenden bei Jokers! Eine Stunde lang das Sortiment durchstöbern, tolle Bücher finden und dann ganz glücklich die Bestellung absenden und sich auf ein Päckchen freuen ![]()
Und diese Bücher werde ich hoffentlich diese Woche noch mein eigen nennen können:
• Nathalia Brodskaia: Symbolismus
• Jean Lahor: Jugendstil
• Vincent van Gogh: Briefe
• Virginia Woolf: Mrs. Dalloway
• Stephen King: Lisey’s Story
Und weil’s gerade so schön war hab ich danach gleich auch noch auf Amazon zwei DVDs und die Reclamausgabe von Georg Heyms Werken bestellt
Ermittler in Gefahr
22. March 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 4 Kommentare
Was mich bei Krimis jedes Mal aufs Neue nervt, auch wenn ich mich mittlerweile wirklich schon daran gewöhnt haben sollte: Wenn der Ermittler selbst im Laufe der Handlung (meistens gegen Ende, damit der Showdown noch dramatischer wird) ins Visier des Mörders gerät. Gerade eben wieder gelesen in Åke Edwardsons “Zimmer Nr. 10″, und sogar mein liebster Kriminalautor Henning Mankell macht das.
Von irgendwelchen typischen amerikanischen Thrillern, in denen die FBI-Beamtin dem brutalen Serienmörder, den sie 300 Seiten lang gejagt hat, in die Hände fällt und sich entweder mutig selbst rettet oder von einem attraktiven Mann gerettet wird, will ich ja gar nicht reden. Da verstehe ich es irgendwie noch, aber warum müssen so gute Autoren wie Mankell oder Edwardsson auch auf diese plumpe Spannungssteigerungsmethode zurückgreifen? Am schlimmsten finde ich es aber bei Patricia Cornwell, deren Kay Scarpetta-Reihe ich wirklich mag (zumindest bis auf die letzten zwei Bücher), aber wie oft die gute Kay schon von irgendwelchen Psychopathen belästigt wurde, mag ich gar nicht nachzählen. Ich finde das vor allem äußerst unrealistisch, ohne jetzt aber wirklich Ahnung davon zu haben, ob so etwas in der realen Polizei-Welt nicht auch öfter mal passiert.
Von Åke Edwardson bin ich aber trotzdem begeistert und ich möchte die restlichen Romane um Kommissar Winter jetzt der Reihe nach lesen
Zum Verlieben angenehm
15. March 2009 - Kategorie: Zitat | Kommentieren
Es war schön wie ein Schwindelgefühl: sie fühlte sich in seinen Augen fein, zart und rein, sie fühlte sich edel wie eine Königin. Es war ihr mit einem Mal, als wäre sie ganz mit Honig und wohlriechenden Pflanzen ausgestopft. Sie war sich selbst zum Verlieben angenehm. (Mein Gott, sie hatte das bisher noch nie erlebt, sich selbst so süß und angenehm zu sein!)
- Milan Kundera: Abschiedswalzer
Robert Schneider: Die Offenbarung
15. March 2009 - Kategorie: Rezension | Kommentieren

Der Organist Jakob Kemper, ein eigenbrötlerischer Mensch und selbsternannter Musikforscher, entdeckt ein bislang unbekanntes Werk des von ihm hochverehrten Komponisten Johann Sebastian Bach. Mit dieser Entdeckung ändert sich das bisher von vielen Tiefschlägen gezeichnete Leben Kempers schlagartig: Er liest das Oratorium und begreift, dass dieses Werk geheimnisvolle Kräfte hat – es gewährt Einblicke in vergessen geglaubtes Vergangenes und in die Zukunft. Die Ankunft einer Gruppe von Experten der Bachgesellschaft, die die Restaurierung der Orgel seiner Heimatstadt überwachen sollen, stellt Jakob Kemper schließlich vor die Entscheidung, ob er die Wissenschaftler, von denen er nie als ihresgleichen anerkannt wurde, in seinen unglaublichen Fund einweihen oder sein Geheimnis für sich behalten soll.
Robert Schneiders Rheintal-Trilogie (”Schlafes Bruder”, “Die Luftgängerin” und “Die Unberührten”) liebe ich über alles. Umso enttäuschter war ich, als ich vor einiger Zeit sein zwei Jahre nach Vollendung der Trilogie erschienenes Buch “Schatten” gelesen habe – eine wie ich finde unglaublich banale Geschichte, von der ich immer noch nicht ganz glauben kann, dass sie wirklich vom selben Autor ist. Entsprechend vorsichtig war ich dann natürlich in meiner Vorfreude auf “Die Offenbarung”, aber ich wurde nicht enttäuscht: “Die Offenbarung” ist ein vielschichtiges, humorvolles und auch spannendes Buch, das im Gegensatz zu “Schatten” wieder sehr nach Robert Schneider klingt und das ich in einem Rutsch durchgelesen habe.
Die Figur des Jakob Kemper ist liebenswert und mit feiner Ironie gezeichnet. Seine komplizierte Familiensituation, seine unerfüllte Liebe zu einer Reisebüroangestellten und seine akribische Besessenheit machen ihn sympathisch und menschlich. Auch die anderen Figuren sind sehr glaubwürdig und man schließt sie schnell ins Herz. Es gibt ein paar Parallelen zu “Schlafes Bruder”: Der Charakter von Jakob ist dem von Elias ähnlich, Orgelmusik, eine Kirche und seltsame Erscheinungen in derselben, ebenso das Thema der unerfüllten Liebe. Trotzdem hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, dass Schneider einfach nur versucht an seinen größten Erfolg anzuknüpfen.
Sehr interessant waren die Einblicke in Bachs Leben und Werk bzw. vor allem in die Welt der Musikforschung (hier ist es vielleicht interessant zu wissen, dass R. Schneider Musik- und Theaterwissenschaft studiert hat). Die Liebe des Autors zur Musik ist unverkennbar zu spüren. Neben der Musik ist ein weiteres großes Hauptthema des Buches die Suche nach Anerkennung: Jakob wird von seinem Vater abgelehnt und in seinen Leidenschaften nicht ernst genommen, so wie er von der Experten nicht anerkannt wird und weder als Komponist noch als Forscher Erfolge aufweisen kann. Die Aussöhnung mit sich selbst und der Ablehnung, die er erfahren hat, ist der Kernpunkt in der Entwicklung von Jakob.
Zusammenfassend kann ich sagen: Nicht ganz so “groß” wie die Rheintal-Trilogie, aber auf jeden Fall lesenswert.
Bücherregal-Blogparade
14. March 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 3 Kommentare
Marcel ruft zur Bücherregal-Blogparade auf: Wie verstauen wir Vielleser unsere Bücher? Nach welchem System sind sie geordnet?
Nachdem ich heute Vormittag ein neues Regal gekauft, dieses auch schon fachmännisch zusammengeschraubt und bestückt habe, kann ich meine Schätze jetzt auch präsentieren:
Geordnet habe ich meine Bücher grob nach Genres und innerhalb der Genres zum Teil nach Autoren. Eigentlich war es zwar gedacht, alles schön nach Autoren zu ordnen (innerhalb der Genres), aber irgendwie kommt da immer ein Durcheinander hinein
Im ersten Regal stehen meine ungelesenen Bücher (die obersten drei Fächer, ganz schön viele mittlerweile, wie ich vorhin beim Einräumen festgestellt habe), darunter Science Fiction und Gemischtes; auf der Rückseite Horror und Krimis. Im zweiten Regal sind alle Fantasy-Bücher, weitere Krimis und Gemischtes. Im dritten Regal finden sich in den obersten zwei Reihen meine Gedichtbände, Tagebücher, Briefe und die Klassikerreihe von Weltbild. Darunter ist alles, was ich als “Belletristik” bezeichne und ganz unten diverse Bild- und Kunstbände. Im Schlafzimmer habe ich dann noch meine Kinder- und Jugendbücher untergebracht, außerdem liegen sowohl auf dem Couchtisch als auch auf dem Nachtkästchen ein paar herum. Alles in allem sind es genau 449 Bücher, die ich mein eigen nennen kann
Und wenn das mit den Büchereinkäufen so weitergeht wie im ersten Viertel dieses Jahres, werde ich spätestens in ein paar Monaten wieder ein neues Regal brauchen…
Endlich menschlich
12. March 2009 - Kategorie: Zitat | Kommentieren
Und die Dinge würde nicht schmerzen, sondern sich von der Strömung getragen annähern, man könnte sie zuerst leicht, dann fester berühren und sich schließlich von ihnen berühren lassen. Sich auch verletzen lassen. Daran sterben. Das ist nicht wichtig. Aber alles wäre endlich menschlich.
- Alessandro Baricco: Oceano Mare
Jane Hirshfield
10. March 2009 - Kategorie: Lyrik, Neuzugänge | 5 Kommentare
To follow it all the way into leaf-form, bark-furl, root-touch,
and then keep walking, unimaginably further.
aus “Metempsychosis“
Vor einiger Zeit bin ich zufällig im Internet auf ein paar Gedichte der amerikanischen Dichterin Jane Hirshfield gestoßen und war sofort verliebt in ihren klaren, einprägsamen Schreibstil. Vor zwei Wochen habe ich mir dann endlich ihre fünf noch erhältlichen Gedichtbände (ihr erster wird leider nicht mehr aufgelegt) bestellt, und heute sind sie angekommen:
Ich bin richtig aufgeregt – wenn die restlichen Gedichte nur annähernd so gut sind wie die wenigen, die ich kenne, dann wird das einfach nur großartig werden.
Hier noch ein paar Gedichte, die online zu finden sind:
A Room
The Weighing
The Envoy
This Was Once a Love Poem
Poem With Two Endings
Hide N Seek
3. March 2009 - Kategorie: Kunst | Kommentieren

“Hide N Seek” | ©Gilad Benari
Ein bisschen Frühlingsstimmung und Farbe für dieses deprimierende Nebelwetter hier
Isaac Asimov: Die Foundation-Trilogie
1. March 2009 - Kategorie: Rezension | Kommentieren

Die Psychohistorie ist die Quintessenz der Soziologie; sie ist die Wissenschaft vom menschlichen Verhalten, reduziert auf mathematische Gleichungen. … Das einzelne menschliche Wesen ist unberechenbar, aber auf die Reaktionen von Menschenmassen, so Seldon, lassen sich die Methoden der Statistik anwenden. Je größer die Masse, eine desto größere Genauigkeit kann erzielt werden.
Hari Seldon, der letzte große Wissenschaftler des Ersten Imperiums, sagt mit Hilfe der Psychohistorie den Zerfall des galaktischen Imperiums und eine dreißigtausend Jahre andauernde Zeit der Barbarei voraus. Er ersinnt aufgrund seiner Berechnungen einen Plan, der diese Zeit der Barbarei auf nur tausend Jahre verkürzen soll. Zu diesem Zweck gründet er zwei “Foundations”: Wissenschaftler-Kolonien, die seinen Plan zu Ende führen und später die Grundlage für das neue Imperium bilden sollen.
Es gibt viele Dinge, die an dieser Trilogie faszinierend sind: Da ist einmal die Tatsache, dass die Geschichte in einer Zeit spielt, die so fern in der Zukunft liegt, dass die Erde und die Tatsache, dass das menschliche Leben auf ihr entstanden ist, nur noch eine Legende ist. Unvorstellbar irgendwie, dass alles was wir jetzt haben – dieser Planet – irgendwann einmal so völlig unbedeutend sein wird. Und die Bedeutungslosigkeit zeigt sich auch darin, dass sich die Geschichte über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten erstreckt. Einzelne Charaktere tauchen auf, sind in ihrer Zeit wichtige Handlungsträger, aber im nächsten Kapitel schon sind wieder viele Jahre vergangen und diese einst so bedeutenden Menschen sind längst wieder Vergangenheit.
Diese Art des Erzählens führt auch dazu, dass man sich so gut wie gar nicht mit irgendwelchen Figuren identifizieren kann. Die gesamte eigentliche Handlung des Buches besteht zu einem großen Teil aus Dialogen, wichtige Ereignisse wie Kriege etc. werden quasi im Zeitraffer erzählt. Es geht in der Geschichte nicht um einzelne Menschen, sondern um eine Grundidee – die Idee der Voraussagbarkeit menschlichen Verhaltens, die Idee eines Plans und die Komplikationen, die trotz dieses sorgfältig ausgearbeiteten Plans auftreten. Und das ist der nächste faszinierende Punkt: Der Seldon-Plan.
Zwei Foundations. Die erste Foundation wird in der Peripherie der Galaxis gegründet, und nichts an dieser Gründung wird dem Zufall überlassen:
Wir haben den Planeten und den Zeitpunkt für Ihre Aussiedlung so ausgewählt, dass Sie in fünfzig Jahren an einen Punkt manövriert worden sind, von dem aus Sie keine Handlungsfreiheit mehr haben werden. Von jetzt an ist Ihnen der Weg für die nächsten Jahrhunderte vorgezeichnet.
Aber, fragt man sich beim Lesen, ist es denn wirklich möglich, das Verhalten einer so großen Masse vorauszuberechnen? Kann man wirklich alle Möglichkeiten, alle Faktoren berücksichtigen? Was ist mit dem Individuum – ist es wirklich nicht möglich, dass ein einzelner Mensch den Lauf der Geschichte verändern kann?
Laut Hari Seldon ist es nicht möglich, aber es zeigt sich, dass er sich getäuscht hat. Ein Wesen, “das Maultier” genannt, durchkreuzt den Seldon-Plan. Das Maultier ist ein Mutant mit besonderen Fähigkeiten, eine statistische Unwahrscheinlichkeit, die Seldon nicht voraussehen konnte. Während der erste Teil der Trilogie (”Foundation”) sich mit der ersten Foundation und den Krisen, die sie durchlebt, befasst, dreht sich im zweiten Teil (”Foundation und Imperium”) alles um das Maultier und sein Streben nach der Herrschaft über die Galaxis.
Im dritten Teil (”Zweite Foundation”) geht es schließlich um die Suche nach der zweiten Foundation, über die nichts bekannt ist, außer dass sie laut Seldon “am anderen Ende der Galaxis” gegründet wurde. Und hier jagt dann eine unerwartete Wendung die andere – man glaubt immer wieder, den Plan durchschaut zu haben und sieht sich dann doch wieder mit unerwarteten Ereignissen konfrontiert, bis sich am Ende dann alles so zuspitzt, dass man gar nicht mehr weiß, was man eigentlich glauben soll.
Wer einen typischen SF-Roman mit Weltraumschlachten & fremden Rassen & innovativer Technologie sucht, wird hier definitiv enttäuscht werden. Wer aber Interesse an einem interessanten Gedankenexperiment und an einem faszinierenden Ausblick in eine der vielen möglichen Entwicklungen der Zukunft der Menschheit hat, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen!
Leserückblick Februar
1. March 2009 - Kategorie: Leserrückblick | Kommentieren

Haruki Murakami: Blinde Weide, schlafende Frau
Eine Sammlung von Erzählungen, auf die ich schon sehr neugierig war, die mich aber nicht sehr begeistert hat. Es ist zwar alles sehr Murakami-typisch, angefangen von der Grundstimmung der Geschichten bis hin zu den recht skurrilen und ein wenig ins Phantastische gehenden Geschehnissen, aber irgendwie konnte mich keine Erzählung so richtig fesseln oder beeindrucken. Sie sind zwar interessant, bleiben aber nicht wirklich hängen. Dazu sind sie zum Teil für mich einfach zu bruchstückhaft, wie aus einem größeren Zusammenhang gerissen, aber auch nicht wirklich tiefgehend. Vielleicht müsste man sich näher mit ihnen beschäftigen – ich denke, dass schon sehr viel Symbolik in manchen Erzählungen steckt, aber die hat sich mir nicht wirklich offenbart

Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht
Zum zweiten Mal gelesen. Jonas wacht eines Morgens auf und begreift sehr bald, dass alle Menschen plötzlich verschwunden sind. Kein Fernsehempfang, kein Internet, leere Straßen und Wohnungen. Ein Gedankenexperiment, das ich sehr mag und das in diesem Buch konsequent und realistisch dargestellt wird. Eigentlich geht es hier um Einsamkeit und um die Abhängigkeit von bzw. das Grundbedürfnis nach sozialer Interaktion. Was passiert mit dem Menschen, wenn er keine Reflexionsfläche mehr hat, kein Gegenüber außer sich selbst? Jonas reagiert auf die neue Situation unter anderem mit Paranoia. Er traut sich nicht unbewaffnet außer Haus, verteilt Kameras in der Stadt, um die Straßen zu filmen. In den Nächten sieht er sich mit einem Teil seiner selbst konfrontiert, den er “der Schläfer” nennt – eine Art zweites Ich, das unabhängig von ihm zu sein scheint und ihm im späteren Teil der Handlung auch in seinen Plänen behindert.
Das Buch ist schwierig zu lesen, weil es sehr detailgenau die Handlungen von Jonas schildert, viele dieser Handlungen sich wiederholen und eigentlich nicht viel bzw. immer dasselbe passiert. Mich hat das nicht gestört, ganz im Gegenteil, gerade deshalb konnte ich mich so richtig in der Geschichte und ihrer (sehr beklemmenden) Atmosphäre fallen lassen.
Zitate aus dem Buch

Isaac Asimov: Die Foundation-Trilogie
Rezension








