Jodi Picoult – 19 Minuten
27. July 2009 - Kategorie: Rezension | 2 Kommentare

19 Minuten braucht der 17-jährige Peter Houghton, um in einem Amoklauf 9 Mitschüler und einen Lehrer an seiner Schule zu töten. Aus der Sicht verschiedener Figuren, deren Leben unmittelbar mit dem Geschehen verknüpft ist, erzählt die Autorin von der Aufarbeitung dieser Tat und was ihr vorausgegangen ist.
Als großer Fan von Picoults “Beim Leben meiner Schwester” hatte ich mich schon sehr auf “19 Minuten” gefreut, weil mich die Thematik des Amoklaufs an Schulen schon bei “Wir müssen über Kevin reden” von Lionel Shriver sehr fasziniert hat und ich neugierig war, wie Jodi Picoult das Thema umsetzt. Leider fand ich die Umsetzung aber nicht so gelungen. Zum einen sind (was aber typisch ist für die Autorin) viele der Charaktere sehr klischeehaft. Die gerechte und hart arbeitende Richterin, die vernachlässigte Tochter derselben, der Freund der Tochter ein typischer Highschool-Star, der Prototyp eines auf der richtigen Seite des Gesetzes stehenden Polizisten (in den sich die Richterin dann auch noch verliebt)… irgendwie fehlte es fast allen Charakteren an Tiefe und Vielseitigkeit. Nur der Amokläufer selbst und seine Geschichte waren interessant gestaltet. Man ist zwischen Mitgefühl und Verständnis und gleichzeitigem Unverständnis seiner Tat gegenüber hin- und hergerissen.
Was mir gefehlt war einfach allgemein ein bisschen mehr Tiefe. Nachdem ich “Wir müssen über Kevin reden” gelesen hatte (ich kann einfach nicht anders als die beiden Bücher zu vergleichen), war ich sehr aufgewühlt und verstört, was nicht nur an dem überraschenden Ende lag, sondern einfach an der Eindringlichkeit der Geschichte. Das Buch hat mich damals sehr mitgenommen, und genau das hatte ich mir von “19 Minuten” auch erwartet: Dass es nicht eines der Bücher ist, die man liest und dann sofort wieder vergisst.
Um auch etwas Positives zu sagen (weil so schlecht fand ich das Buch dann auch wieder nicht): Es ist recht spannend, und vor allem die vielen Perspektiven, aus denen das Geschehen erzählt wird, machen das Lesen sehr abwechslungsreich. Vor allem gegen Ende hin wird es dann so richtig spannend, wenn man als Leser schon merkt dass hier noch etwas Unerwartetes kommt, obwohl ich sagen muss dass ich die “Überraschung” dann an sich nicht so gelungen und wenig nachvollziehbar fand.
Interessant fand ich auch die Verteidigungsstragie des Anwalts, Peter Houghton ebenso als Opfer darzustellen (jahrelanges Mobbing von den Mitschülern) und die Schuldfrage so in ein neues Licht zu rücken. Das hat mir schon ein paar Gedankenanstöße gegeben. Zusammenfassend kann ich sagen: Durchaus spannende und interessante Lektüre für zwischendurch, aber wenn man das Buch vor allem der Amoklauf-Thematik wegen lesen möchte, ist man mit “Wir müssen über Kevin reden” meiner Meinung nach besser bedient.
Und nachdem ich jetzt schon drei Bücher von Jodi Picoult gelesen habe muss ich noch sagen, dass es wirklich schade ist dass die Autorin ihre durchwegs interessanten Themen und Geschichten mit so stereotypen Charakteren besetzt. Wenn sie nur ein bisschen mehr Figurentiefe hätten, wären die Bücher nicht nur halbwegs gut bis gut, sondern vielleicht sogar mal “richtig gut”.
Nachdruck alter Werke
25. July 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Amazon lässt in Zusammenarbeit mit der University of Michigan 400.000 alte, zum Teil nicht mehr im Handel erhältliche Werke digitalisieren. Die Bücher sollen dann nach dem Print-On-Demand-Prinzip erwerbbar sein. Näheres im taz-Artikel hier.
Schon faszinierend, die Vorstellung dass vielleicht irgendwann einmal, wenn diese Digitalisierungssache noch viel weiter fortgeschritten ist, jedes jemals erschienene Buch für jedermann erhältlich ist…
Neues für die Galerie
25. July 2009 - Kategorie: Galerie | 6 Kommentare
Gestern habe ich neues Spielzeug bekommen und bin schwer begeistert von meinen beiden neuen großen Lieben: Das Canon EF 85mm und das Tamron 17-55mm. Und hier die ersten gelungenen Testfotos:
Ich bin so begeistert von den neuen Objektiven dass ich befürchte dass ich jetzt noch weniger Zeit zum Lesen finden werde
Leicht, das Leben aufzuzeichnen
17. July 2009 - Kategorie: Zitat | Kommentieren
Der Leser hat leicht sagen: ‘Sie liebt eben den jungen Emerson.’ Säße der Leser an Lucys Stelle, würde ihm das keineswegs so selbstverständlich erscheinen. Es ist leicht, das Leben aufzuzeichnen, aber erschreckend zu leben, und wir heißen mit Freuden >die Nerven< oder jedwede andere Entschuldigung willkommen, die unser persönliches Verlangen verschleiert.
- E. M. Forster: Zimmer mit Aussicht
Edward Morgan Forster
16. July 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 3 Kommentare
“Maurice” von E. M. Forster ist eines der Bücher, das ich zu den besten zähle die ich in den letzten paar Jahren gelesen habe. Dementsprechend neugierig war ich auf seine anderen Werke, vor allem auf “Zimmer mit Aussicht” und “Wiedersehen in Howards End“, die auch durch ihre Verfilmungen bekannt sind (auch “Maurice” wurde sehr schön mit Hugh Grant in einer der Hauptrollen verfilmt). Letztes Wochenende habe ich dann “Wiedersehen in Howards End” gelesen und war ziemlich enttäuscht: Zwar war der Stil derselbe wie in “Maurice”, aber die Geschichte hat mich kaum angesprochen. Das lag vor allem an den beiden Protagonistinnen, die so oberflächlich und uninteressant waren, dass ich stellenweise wirklich nur noch genervt von dem Buch war.
Forster schreibt vor allem psychologisch sehr interessant. Bei “Maurice”, einer Geschichte um zwei homosexuelle Studenten in einer Zeit in der Homosexualität noch strafbar war, hat mich vor allem die wirklich intensive und prägnante Schilderung der Charaktere und die gute Ausarbeitung des psychologischen Hintergrundes der Problematik fasziniert. Und auch sprachlich hat es mich sehr angesprochen: Forster gelingt es immer wieder, bestimmte Gefühlszustände oder Ansichten so überzeugend in wenigen Worten oder kurzen Szenen auf den Punkt zu bringen, dass man nur neidisch werden kann.
Nachdem ich von Howards End so enttäuscht war habe ich mir gleich “Zimmer mit Aussicht” bestellt (die Hoffnung stirbt zuletzt
) und siehe da: Gestern habe ich begonnen es zu lesen und wollte gar nicht mehr aufhören. Da war es endlich wieder, das ersehnte “Maurice”-Feeling! Schon interessant, wie wichtig eine Identifikation mit den Figuren ist: Mit Lucy kann ich mich genauso wie mit Maurice sehr gut identifizieren und kann mit ihnen mitfühlen. Mit den beiden Schwestern aus Howards End hingegen konnte ich gar nichts anfangen und hatte deshalb nicht viel von der Geschichte. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann sind die Bücher die ich am liebsten habe auch die in denen deren Protagonisten mich an mich selbst erinnern (oder manchmal auch einfach so sind wie ich gerne wäre). Mich würde interessieren, ob meine Leser das an sich auch so beobachten können, also erzählt mal!
Google & ich – Teil 3
16. July 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 3 Kommentare
Ein paar lustige und seltsame Suchanfragen sind wieder zusammengekommen
Buch wie man sich ändert
Ob ein Buch da helfen kann?
zitate für den schlimmsten vater der welt
Da hatte wohl jemand dann keinen schönen Vatertag…
wikinger heiraten
Dürfte schwer sein heutzutage noch einen echten Wikinger zu finden!
die frau mit dem muttermal eigene meinung
Deine eigene Meinung wirst du aber nicht im Internet finden!
bibliomanie maren
Maren, da hat dich jemand gesucht!
nicht menschen!!!
Lieber Aliens?
gebackenes schaf
Nö, bei mir gibt’s nur gebackenes Kamel!
Fotograf wurde in höhle von untier
… was? Gefressen? Das wüsste ich jetzt schon gerne!
anton aus tirol akkorde
Bei aller Toleranz, aber das wird auf meinem Blog hier bestimmt niemals jemand finden!
wie brust berühren?
Immer schön vorsichtig, dann klappt das schon!
das Mondschaf war hier
Och, mich besucht es nie…




