Kaufen oder nicht kaufen?
25. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 1 Kommentar
Ich überlege schon seit zwei Tagen ob ich mir ein Buch um 68 € kaufen soll. Und zwar diesen Bildband des Gesamtwerks von Rene Magritte. So als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Weil ja eh bald das Weihnachtsgeld kommt. Magritte ist einfach mein großer Liebling. Und dann könnte ich noch viel mehr Bilder abfotografieren und meine Wohnung damit tapezieren. Und wer weiß wie lange das Buch noch erhältlich ist, Bildbände sind (kommt mir zumindest so vor) immer schnell mal weg. Hm…
Aber ich kenne mich ja: Wenn ich schon so zu überlegen anfange, kann ich nicht mehr lange widerstehen
Der feige Autor
25. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
“Feige” ist vielleicht ein bisschen hart ausgedrückt: was ich eigentlich meine, ist Inkonsequenz. Eine Geschichte nicht zu dem Ende hin zu erzählen, auf das sie automatisch zusteuert. Oder einzelne Handlungsstränge nicht dorthin zu führen, wo sie hingehören. Das ist natürlich alles sehr subjektiv, weil jeder andere Erwartungen an den Ausgang einer Geschichte hat, aber es gibt Bücher bei denen ich mir sicher bin, dass fast jeder Leser denken würde: Da hat es sich der Autor jetzt aber leicht gemacht / da hat ihn jetzt der Mut verlassen.
Aktuell ist das so beim neuen Roman von Hakan Nesser, “Das zweite Leben des Herrn Roos“. Ich mag Nesser sehr gerne und habe ihn bis jetzt in keinem seiner Bücher als “feige” erlebt, aber hier hat er mich ein bisschen enttäuscht. (ACHTUNG: War das Buch noch lesen möchte sollte nicht weiterlesen, Spoiler!)
(more…)
Ach…
25. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
…es gibt so schöne Aufbewahrungsmöglichkeiten für Bücher!
Allerdings auch zu einem stolzen Preis (618 $) ![]()
Falls es sich trotz dieses Preises jemand kaufen möchte: Hier bekommt man das gute Stück.
Ray Bradbury – Fahrenheit 451
1. November 2009 - Kategorie: Rezension | 4 Kommentare

Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in der Bücher als gefährlich angesehen sind und ihr Besitz verboten ist. Hauptfigur ist der Feuerwehrmann Guy Montag, und die Feuerwehr dieser fiktiven Zukunft löscht keine Feuer, sondern legt sie, nämlich um Häuser zu verbrennen in denen Bücher gefunden werden. Denn Bücher fördern selbstständiges Denken, und das ist in dieser Gesellschaft verpönt. Durch die Begegnung mit dem Mädchen Clarisse, das sich noch etwas von der alten Begeisterung für die Welt bewahrt hat und sich nicht scheut, Dinge zu hinterfragen, verändert er sich und beginnt, die herrschenden Zustände der Gesellschaft in der er lebt zu hinterfragen.
Ein Buch ist für mich persönlich dann ein gutes Buch, wenn ich weiß, dass ich es bestimmt noch mindestens einmal lesen werde. “Fahrenheit 451″ von Ray Bradbury ist so ein Buch, weil es inhaltlich und sprachlich zu beeindrucken weiß, und besonders freue ich mich auf zwei Szenen, die wirklich ganz stark waren und an die ich seitdem immer wieder denken muss.
Die erste Szene passiert im ersten Drittel des Buches. Montag hat einen Bücherverbrennungs-Einsatz hinter sich, bei dem er zum ersten Mal eigentlich nicht das tun wollte, was seine Pflicht ist. Bei diesem Einsatz hat eine Frau Selbstmord begangen, indem sie sich zusammen mit ihren Bücher verbrennen ließ. Er bleibt am folgenden Tag der Arbeit fern. Daraufhin besucht ihn der Feuerwehrhauptmann, der seine Zweifel bemerkt hat, und redet ihm ins Gewissen. Als der Hauptmann wieder gegangen ist, zeigt Montag seiner Frau ein Versteck, in dem er 20 Bücher verborgen hat. Er möchte selbst herausfinden, ob das, was der Hauptmann gesagt hat, wahr ist, ob Bücher wirklich sinn- und nutzlos sind und beginnt, aus ihnen vorzulesen:
„Wir wollen einmal sehen, was das hier ist“, sagte Montag. Er brachte die Worte nur stockend hervor und mit peinlicher Befangenheit. Dann las er ein Dutzend Seiten da und dort und stieß schließlich auf folgende Stelle:
„Schätzungsweise haben elftausend Menschen zu verschiedenen Zeiten lieber den Tod erlitten, als dass sie sich bereit erklärt hätten, Eier am spitzen Ende aufzuschlagen.“
Mildred saß auf der andern Seite des Flurs. „Was heißt das? Es heißt überhaupt nichts! Der Hauptmann hatte recht.“
„Lass nur“, beschwichtigte Montag. „Wir wollen einfach von vorn anfangen.“
In der zweiten Szene ist die Handlung der Geschichte schon weiter fortgeschritten. Montag nimmt Kontakt mit einem ehemaligen Professor der Literatur auf und entscheidet sich damit bewusst für den Widerstand gegen das Verbrennen von Büchern. Nach dem Besuch bei dem Professor trifft er bei sich zuhause auf seine Frau Mildred und ihre Freundinnen. Diese haben sich versammelt, um gemeinsam eine Fernsehshow anzusehen (das Fernsehen hat in dieser Zukunft einen hohen Stellenwert und dient hauptsächlich, wie auch heute schon zum größten Teil, der allgemeinen Verblödung). Montag schaltet die Fernsehwände ab und versucht, mit den Frauen ein normales Gespräch zu führen. Als dies nicht gelingt, holt er eines der Bücher, einen Gedichtband. Die Freundinnen sind natürlich schockiert darüber, dass er einen dieser verbotenen Gegenstände in seinem Besitz hat. Sie wollen das Haus verlassen, aber Montag befiehlt ihnen zu bleiben. Um endlich wieder die Fernsehshow weiterschauen zu können, bittet ihn eine der Frauen, doch eines der Gedichte vorzulesen, was er auch tut:
„Des Glaubens Meer
Umschloss einmal, als noch die Fluten schwollen,
Der Erde Ufer wie ein lichter Gürtel.
Doch heute hör
Ich nur sein melancholisch fernes Grollen,
Das bang verhält
Des Nachtwinds Hauch; nackt liegt und leer
Das Steingeröll am Rand der Welt.“Die Stühle ächzten unter den drei Frauen. Montag las das Gedicht zu Ende:
„Ah, Liebste, lass uns treu
Einander sein! Hat doch in dieser Welt, die nun
Gleich einem Traumland vor uns scheint zu ruhn,
So mannigfaltig schön, so neu,
In Wahrheit weder Lust noch Liebe Halt
Noch Licht, noch Frieden oder Schirm vor Arg und Wehn,
Und wir hier wie auf dunklem Felde stehn,
Wo nächtens wirres Kampfgetöse schallt
Und sinnlos Streitmacht gegen Streitmacht prallt.“Frau Phelps weinte vor sich hin.
Die andern mitten in der Einöde sahen zu, wie ihr Weinen lauter wurde und ihr Gesicht aus der Form geriet. Sie saßen da, ohne sie anzurühren, befremdet von dieser Schaustellung, diesem fassungslosen Schluchzen. Montag selber war betroffen und innerlich aufgewühlt.
Etwas in der Frau hat den Zusammenhang zwischen den Worten und ihrem Leben, von dessen Tragödien sie zuvor unberührt erzählt hat, hergestellt. Diese Szene hat mich deshalb so berührt, weil sie zeigt, dass nicht alles in den Menschen dieser Zukunft “tot” ist. Besonders an der Figur Mildreds zeigt Bradbury nämlich sehr gut die Abgestumpftheit, in der die Menschen leben und ihre Unfähigkeit, die Welt in ihren realen Einzelheiten außerhalb des Fernsehens und der sonstigen Berieselungen wahrzunehmen. Und das Tragische ist ihr Nicht-Begreifen dieser Abgestumpftheit, die schon zu weit fortgeschritten ist. Aber bei Frau Phelps, deren Mann in den Krieg einberufen wurde und deren Leben nur an der Oberfläche so zufriedenstellend ist wie es scheint, kommt ein schwaches Erkennen der Parallelen zwischen dem Gedicht und ihrer persönlichen Situation beim Hören dieser Zeilen zustande.
“Fahrenheit 451″ ist ein Buch für Bücherliebhaber, für Liebhaber von Dystopien und für jeden, der Tiefgang in einer spannenden, sprachlich gut erzählten Geschichte sucht. Heute noch aktueller als 1953, als das Buch erstmals erschienen ist, warnt es vor der Abhängigkeit von den Medien und dem Ende selbstständigen Denkens. Fahrenheit 451 ist übrigens die Temperatur, bei der Papier anfängt sich selbst zu entzünden.
Google & ich – Teil 4
16. October 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Wieder mal haben sich ein paar lustige Suchanfragen zusammengesammelt…
buch ein beagle erzählt seine geschichte
Schafkrimis sind out, jetzt kommen die Beagles an die Reihe!
Ich möchte Bücher verschenken
Nur her damit!
Schweigen eines Schafes Lyrik
Christian Morgenstern hätte da bestimmt etwas Interessantes draus gemacht, nachdem er den Nachtgesang der Fische schon so schön veranschaulicht hat…
er drehte mich um
Und dann?
rückenansicht
Genau!
feinstrumpfhose für jungen
Söhne die sich für mutters brüste interessieren
Kann man nur hoffen dass diese beiden Anfragen nicht von der gleichen Person stammen…
schuhmode aus italien
Nein, Henning Mankells “Die italienischen Schuhe” ist kein Sachbuch über Schuhmode!
fetish feet and kamin
Ähm… was!?
Und zum Schluss noch zwei Titelverdreher:
die verleumdung stig larson (Verblendung, Verdammnis, Vergebung… wer soll sich da auch schon auskennen?)
17 Minuten Jodi Picoult (knapp daneben!)
Widmungen
16. October 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 2 Kommentare
Ich mag Widmungen in Büchern, wenn sie außergewöhnlich sind. Wenn es nur heißt “Für ________ (beliebigen Namen einsetzen)” ist das natürlich wenig interessant, weil der Leser in den wenigsten Fällen weiß, wer diese geheimnisvolle Person ist (einen kurzen Artikel zum diesem Thema gibt es bei der Zeit Online).
Beim Durchsehen meiner Bücher kürzlich haben mich die Widmungen von Tad Williams an seinen Vater in seiner Otherland-Saga wieder mal zum Lachen gebracht:
Dieses Buch ist meinem Vater
Joseph Hill Evans
gewidmet, von Herzen.Eigentlich liest Vater keine Romane,
deshalb sollt ihm jemand Bescheid sagen,
sonst wird er es nie erfahren.
(Band 1)
Dieses Buch ist meinem Vater
Joseph Hill Evans
gewidmet, von Herzen.Aber wie schon gesagt,
Vater liest keine Romane. Er hat noch
gar nicht gemerkt, dass dieser Wälzer
ihm gewidmet ist. Das ist jetzt
der zweite Band – mal sehen, wie viele noch
kommen müssen, bis er es mitkriegt.
(Band 2)
Ihr wisst ja, wem dieses Buch gewidmet ist,
auch wenn er es immer noch nicht weiß.Mal sehen, mit ein bisschen Glück
können wir die Sache vielleicht
bis zum letzten Band geheimhalten.
(Band 3)
Die Antwort ist nein:
Mein Vater hat bis jetzt keines der Bücher
aufgeblättert und es folglich
immer noch nicht spitzgekriegt. Mir wird
wohl nichts übrigbleiben, als es
ihm irgendwann einfach zu sagen. Vielleicht
sollte ich es ihm schonend beibringen.“Alle Anwesenden, denen noch nie
jemand ein Buch gewidmet hat, drei Schritte
vor! Ups, Papa, Moment mal…”
(Band 4)
Und eine Widmung, die mich jedes Mal sehr berührt, ist in Forsters “Maurice” zu finden:
Begonnen 1913
Beendet 1914
Gewidmet einem glücklicheren Jahr
Tagebuch meiner Nachgefühle
20. August 2009 - Kategorie: Zitat | Kommentieren
Denn wenn ich selbst ein Tagebuch führe, so bestehen Zweifel daran, ob sich dieses Tagebuch auf Ereignisse im eigentlichen Sinn bezieht. Die Ereignisse des Liebeslebens sind derart belanglos, dass sie sich nur mit enormer Anstrengung auf die Ebene des Schreibens heben lassen: man verliert den Mut, wenn man, sich selbst beschreibend, festhält, was nur die eigene Plattheit zu erkennen gibt: “Ich habe heute X… in Gesellschaft von Y… getroffen”, “Heute hat X… mich nicht angerufen”, “X… war schlechter Laune” usw.: wer vermöchte darin eine Geschichte zu erkennen? Das geringfügige Ereignis existiert nur durch seinen gewaltigen Nachklang: Tagebuch meiner Nachgefühle (meiner Verletzungen, meiner Freuden, meiner Deutungen, meiner Gründe, meiner Anwandlungen): wer verstünde etwas davon?
- Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe
Veronique Olmi – Meeresrand
20. August 2009 - Kategorie: Rezension | 2 Kommentare

Ein Mutter macht sich mit ihren beiden Kindern auf eine Reise. Sie möchte, dass ihre Söhne einmal in ihrem Leben das Meer sehen. Aber was eine schöne, aufregende Zeit für die Familie werden soll, deren Alltag von den psychischen Problemen der Mutter geprägt ist, wird zu einem Versagen der Mutter an ihren Illusionen und ihrer Kraft.
Ein kurzes Buch (in meiner Ausgabe gerade mal 127 Seiten), aber in diesem Fall muss man wirklich sagen “Gott sei Dank ist es so kurz”. Nicht weil es so schlecht wäre, sondern weil es einem die Verzweiflung und Auswegslosigkeit der Protagonistin so nahe bringt, dass es schwer ist sich davon abzugrenzen. Die Geschichte wird in der ersten Person aus der Perspektive der namenlosen Mutter erzählt. Deren Gedanken, Ängste und Zweifel drängen sich dem Leser durch den Stil (sehr viel stream of consciousness) stark auf und man kann sich der wirklich unglaublich düsteren und tragischen Stimmung der Geschichte kaum entziehen.
Schon die Ankunft in der Stadt gestaltet sich als schwierig: Die Mutter ist überfordert, findet das Hotel nicht, es regnet. Die Unterkunft entpuppt sich dann als wenig einladend. Die Menschen in der Stadt werden als bedrohlich empfunden und auch das Meer zeigt, als sie es endlich mit ihren Kindern erreicht hat, nichts von seiner beruhigenden Schönheit, sondern wird zu einer weiteren Bedrohung. Auch ein Ausflug auf einen Vergnügungspark, ein letzter verzweifelter Versuch der Mutter so etwas wie Normalität herzustellen, wird zu einem deprimierenden Ereignis, so wie überhaupt jede Begegnung mit Menschen für sie eine Herausforderung ist, die nicht gemeistert werden kann.
Mich hat vor allem die Verzweiflung der Mutter sehr mitgenommen, ihre vielen Versuche, etwas Schönes für sich und ihre Kinder zu schaffen, Teil der “normalen” Welt zu werden und Dinge zu tun, die für andere selbstverständlich sind. Sie ist sich bewusst, dass sie als Mutter “versagt” hat, aber sie möchte es besser machen. Sie hat das Ideal einer perfekten Urlaubsreise vor sich – Sonne, Strand, blaues Meer, schönes Hotel, freundliche Menschen, Spaß etc. -, aber angefangen vom Wetter bis zu ihrem eigenen Unvermögen, sich von ihren Stimmungen und Gedanken zu befreien, stellt sich alles gegen sie. Ich habe mir mehrmals während des Lesens gedacht: Bitte mach dass zumindest etwas gut wird. Dass der Besuch im Café schön wird. Dass es zu regnen aufhört. Dass sie Spaß im Vergnügungspark haben. Einfach irgendwas, das diese Trostlosigkeit ein bisschen aufhebt.
“Meeresrand” ist ein wirklich erschütterndes Buch, dessen Ende man während des Lesens schon erahnt und trotzdem bis zum Schluss hofft, dass sich für die Protagonistin ein Ausweg finden lässt. Absolut empfehlenswert, aber vielleicht sollte man diese Geschichte nicht unbedingt an Tagen lesen, die sowieso schon düster oder traurig sind.
Longlist Deutscher Buchpreis
20. August 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 1 Kommentar
Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wenig Bücher von zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren ich kenne (bzw. wie wenige Autoren überhaupt ich kenne – von der ganzen Liste sagen mir gerade mal 5 Namen was!). Die Anfänge der Romane werden bei Libreka als Leseproben angeboten.
Und ohne die Longlist hätte ich wohl auch erst wieder irgendwann in ferner Zukunft erfahren dass Thomas Glavinic und Wolf Haas, die ich beide sehr gerne lese, wieder neue Bücher herausgebracht haben bzw. bringen werden…
Jodi Picoult – 19 Minuten
27. July 2009 - Kategorie: Rezension | 2 Kommentare

19 Minuten braucht der 17-jährige Peter Houghton, um in einem Amoklauf 9 Mitschüler und einen Lehrer an seiner Schule zu töten. Aus der Sicht verschiedener Figuren, deren Leben unmittelbar mit dem Geschehen verknüpft ist, erzählt die Autorin von der Aufarbeitung dieser Tat und was ihr vorausgegangen ist.
Als großer Fan von Picoults “Beim Leben meiner Schwester” hatte ich mich schon sehr auf “19 Minuten” gefreut, weil mich die Thematik des Amoklaufs an Schulen schon bei “Wir müssen über Kevin reden” von Lionel Shriver sehr fasziniert hat und ich neugierig war, wie Jodi Picoult das Thema umsetzt. Leider fand ich die Umsetzung aber nicht so gelungen. Zum einen sind (was aber typisch ist für die Autorin) viele der Charaktere sehr klischeehaft. Die gerechte und hart arbeitende Richterin, die vernachlässigte Tochter derselben, der Freund der Tochter ein typischer Highschool-Star, der Prototyp eines auf der richtigen Seite des Gesetzes stehenden Polizisten (in den sich die Richterin dann auch noch verliebt)… irgendwie fehlte es fast allen Charakteren an Tiefe und Vielseitigkeit. Nur der Amokläufer selbst und seine Geschichte waren interessant gestaltet. Man ist zwischen Mitgefühl und Verständnis und gleichzeitigem Unverständnis seiner Tat gegenüber hin- und hergerissen.
Was mir gefehlt war einfach allgemein ein bisschen mehr Tiefe. Nachdem ich “Wir müssen über Kevin reden” gelesen hatte (ich kann einfach nicht anders als die beiden Bücher zu vergleichen), war ich sehr aufgewühlt und verstört, was nicht nur an dem überraschenden Ende lag, sondern einfach an der Eindringlichkeit der Geschichte. Das Buch hat mich damals sehr mitgenommen, und genau das hatte ich mir von “19 Minuten” auch erwartet: Dass es nicht eines der Bücher ist, die man liest und dann sofort wieder vergisst.
Um auch etwas Positives zu sagen (weil so schlecht fand ich das Buch dann auch wieder nicht): Es ist recht spannend, und vor allem die vielen Perspektiven, aus denen das Geschehen erzählt wird, machen das Lesen sehr abwechslungsreich. Vor allem gegen Ende hin wird es dann so richtig spannend, wenn man als Leser schon merkt dass hier noch etwas Unerwartetes kommt, obwohl ich sagen muss dass ich die “Überraschung” dann an sich nicht so gelungen und wenig nachvollziehbar fand.
Interessant fand ich auch die Verteidigungsstragie des Anwalts, Peter Houghton ebenso als Opfer darzustellen (jahrelanges Mobbing von den Mitschülern) und die Schuldfrage so in ein neues Licht zu rücken. Das hat mir schon ein paar Gedankenanstöße gegeben. Zusammenfassend kann ich sagen: Durchaus spannende und interessante Lektüre für zwischendurch, aber wenn man das Buch vor allem der Amoklauf-Thematik wegen lesen möchte, ist man mit “Wir müssen über Kevin reden” meiner Meinung nach besser bedient.
Und nachdem ich jetzt schon drei Bücher von Jodi Picoult gelesen habe muss ich noch sagen, dass es wirklich schade ist dass die Autorin ihre durchwegs interessanten Themen und Geschichten mit so stereotypen Charakteren besetzt. Wenn sie nur ein bisschen mehr Figurentiefe hätten, wären die Bücher nicht nur halbwegs gut bis gut, sondern vielleicht sogar mal “richtig gut”.

