Leserückblick Jänner 2010
6. February 2010 - Kategorie: Leserrückblick | 2 Kommentare

Simon Beckett: Die Chemie des Todes
Von dem Buch habe ich mir zum Glück von vornherein nicht allzuviel erwartet, sonst wäre ich sehr enttäuscht worden. Ein typischer Thriller der mit seinen stereotypen Charakteren alle Klischees ausreizt. Am Schlimmsten war das Ende: Die wirklich schon ausgelutschte “die Freundin des Ermittlers gerät in die Fänge des Täters”-Story. Von Simon Beckett werde ich bestimmt kein Buch mehr lesen.

Henning Mankell: Der Chinese
Eine spannende Ausgangssituation: Fast alle Bewohner eines winziges Dorf werden brutal ermordert. Während die Polizei an der Aufklärung dieses ungewöhnlichen Verbrechens arbeitet, verfolgt die Richterin Birgitta Roslin eine eigene Spur. Anfangs fand ich das Buch noch sehr spannend und ansprechend, aber im letzten Drittel kam mir die Handlung zum Teil dann doch zu konstruiert vor und es passierten zu viele Zufälle, die einfach nicht mehr glaubwürdig waren. Vom Stil her ist es aber Mankell wie gewohnt, was einen über die Schwächen zum Teil hinwegsehen lässt.

Georges Simenon: Im Falle eines Unfalls
Von dem Buch ist mir eigentlich nicht viel in Erinnerung geblieben, weder positiv noch negativ.

Stephen King: Die Arena
Ich hatte mich schon sehr auf Kings neuestes Buch gefreut, aber leider muss ich sagen dass ich es recht schwach finde im Vergleich zu seinen anderen Büchern diesen Umfangs. Die Geschichte an sich (eine Kleinstadt wird plötzlich von einer undurchdringbaren durchsichtigen Kuppel umschlossen) ist sehr interessant und bietet viel Potenzial, aber die handelnden Figuren haben mich sehr enttäuscht, und gerade das mochte ich bei King immer so gerne: Die interessanten Charaktere. In “Die Arena” sind es leider nur Klischees: Der tapfere Held und die tapfere Heldin sind langweilig, die “Bösen” sind einfach nur böse und “Big Jim”, der Oberboss der gegnerischen Seite, erinnert sehr an Greg Stillman aus “Dead Zone”. Ich werde bald mal seinen vor einiger Zeit neu erschienen Kurzgeschichtenband erwerben und hoffen, dass der mich nicht auch enttäuscht.

Fernanda Eberstadt: Liebeswut
Als ich das Buch vor einigen Jahren zum ersten Mal gelesen hatte, war ich restlos begeistert und dachte “das ist die beste Liebesgeschichte die ich jemals gelesen habe”. Als ich es mir vor kurzem dann gekauft habe war ich natürlich neugierig ob meine Meinung immer noch die gleiche ist. Im Großen und Ganzen hat mir das Buch beim zweiten Lesen auch sehr gefallen, aber als “beste Liebesgeschichte aller Zeiten” würde ich es nicht mehr bezeichnen, dafür haben mich dann doch ein paar Sachen gestört (das Buch hätte zum Beispiel gut um ein Viertel gekürzt werden können). Erzählt wird die Geschichte von Gwen und Gideon, zwei sehr unterschiedliche Menschen, die sich tief in die Liebe zueinander stürzen. Von dem Anfang ihrer Beziehung über die Heirat, die Geburt ihrer Tochter, bis hin zum tragischen Ende durchleuchtet die Autorin die Veränderungen die die beiden durchmachen. Sehr ansprechend fand ich vor allem den Teil in dem Gwen, die nie Kinder wollte, schwanger wird. Eberstadt beschreibt hier sehr präzise und einfühlsam wie es ist, auf einmal ein Lebewesen in sich zu tragen und die Veränderung, die mit der Mutterschaft einhergeht. Auch die Beschreibungen der “Liebesgefühle” sind zum Teil sehr originell und wirklich schön.

Max Frisch: Homo Faber
Schon sehr oft und immer wieder gerne gelesen. Die Geschichte des Ingenieurs Walter Faber der sich unwissend in seine Tochter verliebt ist für mich einfach zeitlos. Ich mag auch Frischs Sprache in diesem Buch sehr gerne, die ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist aber einfach perfekt zum analytischen Denken des Protagonisten passt.

Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe
Eine klassische Schullektüre. Keller lässt hier das uralte “Romeo und Julia”-Motiv wieder auferstehen und erzählt die Geschichte von Sali und Vreni, zwei Bauernkinder, die durch einen Streit ihrer Väter voneinander getrennt , bis sie eine heimliche Liebschaft beginnen, die in ihrem gemeinsamen Freitod endet. Ich fand die Geschichte wirklich rührend erzählt, bin aber der Meinung dass das wirklich kein Buch ist mit dem man Jugendliche begeistern kann (bis vielleicht auf die Tatsache dass es sehr kurz ist
).

Jonathan Franzen: Die Korrekturen
Zum zweiten Mal gelesen. Eine amerikanische Familiengeschichte, die vor allem durch ihre präzise Sprache und die außerordentlichen Charakterisierungen der einzelnen Familienmitglieder heraussticht. Erzählt wird die Geschichte von Alfred und Enid und ihren drei Kindern, Chip, Denise und Gary. Die Beziehungen untereinander und die persönlichen Tragödien der einzelnen Familienmitglieder werden mit viel Verständnis für die menschlichen Schwächen und großem Einfühlungsvermögen in den Alltag durchschnittlicher Menschen erzählt. Ein paar Längen hat das Buch, vor allem die Erlebnisse von Chip in Litauen waren meiner Meinung nach zu ausführlich erzählt. Aber ansonsten ist “Die Korrekturen” ein sehr vielschichtiges, psychologisch intelligentes und melancholisches Buch, in dem aber auch der Humor, der ganz nach meinem Geschmack sehr trocken ist, nicht zu kurz kommt.
