Alberto Manguel – A Reading Diary
notiert von: Eva

Ein Jahr, zwölf Bücher: Jeden Monat, von Juni 2002 bis Mai 2003, liest Alberto Manguel eines seiner Lieblingsbücher wieder & führt über die Lektüre Tagebuch. Was dabei herauskommt, ist ein persönliches, wunderschönes Buch über die Liebe zur Literatur und die Verknüpfungen zwischen dem eigenen Leben und den Büchern, die es begleiten. Alles scheint miteinander verwoben zu sein: Weltpolitische und private Geschehnisse spiegeln sich in den Geschichten wieder (oder umgekehrt, je nach Betrachtungsweise); die Erfahrungen & Erkenntnisse der Figuren werden mit Betrachtungen über die eigene Person vernetzt. Manguel schreibt intelligent & mitreißend und hat mich auf viele Bücher, von denen er erzählt, neugierig gemacht, vor allem auf die Werke von H. G. Wells (”Die Insel des Dr. Moreau”, “Die Zeitmaschine” und “Der Unsichtbare” liegen schon im Amazon-Einkaufswagen) sowie auf Chateaubriands “Mémoires d’outre-tombe”, die online in einer englischen Übersetzung zu finden sind. Auf Deutsch wären sie mir allerdings lieber – ein so umfangreiches & anspruchsvolles Werk auf Englisch zu lesen würde mich wohl doch sehr überfordern.
Was mich an der Lektüre von Alberto Manguels “A Reading Diary” so begeistert, ist die Bestätigung, die ich durch sie erfahre: Es ist in Ordnung, das eigene Leben dem Lesen und den Büchern widmen zu wollen. In manchen Momenten frage ich mich nämlich: Ist das nicht zu wenig für ein Leben? Aber woran will ich das messen? Natürlich kann man nicht für die Zukunft sprechen, aber ich werde wohl nie etwas anderes sein als eine Leserin, eine Liebhaberin von Sprache, Literatur, Worten, Geschichten.
“A Reading Diary” hat mich auf jeden Fall den Vorsatz fassen lassen, reflektierter zu lesen. Nicht nur die Worte und Geschehnisse aus den Büchern aufzunehmen, sondern auch die Gedanken, die hinter ihnen stehen; mein Leben & die Welt um mich in Beziehung zu meiner Lektüre zu setzen. Vita brevis est, und es gibt noch so viel zu lesen, und ich möchte so viel davon haben wie nur möglich.
Am Ende des Vorwortes schreibt Manguel:
Scientists have imagined that, before the universe came into being, it existed in a state of potentiality, time and space held in abeyance – “in a fog of possibility”, as one commentator put it – until the Big Bang. This latent existence should surprise no reader, for whom every book exists in a dreamlike condition until the hands that open it and the eyes that peruse it stir the words into awareness. The following pages are my attempt to record a few such awakenings.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf diesen Versuch einzulassen.
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