Thomas Bernhards Todesdruck
12. December 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Ein kurzes Video in dem Thomas Bernhard über den Tod und die Literatur spricht:
Neuentdeckung: Thomas Bernhard
10. December 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Thomas Bernhard stand bei mir bisher immer auf der selben Stufe wie Peter Handke: Schwer lesbare, nicht begreifbare und langweilige Autoren. Ein ziemlich pauschales Urteil, ich weiß, vor allem weil ich von Bernhard noch nicht mal eine Zeile gelesen hatte. An Handke habe ich mich vor langer Zeit mal versucht, und zwar an “In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus”. Das Buch hatte ich mir gekauft weil ich den Titel interessant fand, ich bin aber nie über die ersten paar Seiten hinausgekommen. Bernhard hingegen war mir immer irgendwie suspekt, so sehr dass ich ihn nicht mal ausprobieren wollte. Aber zum Glück gibt es ja Menschen deren Literaturgeschmack dem eigenen sehr nahe ist, und wenn so jemand begeistert von Thomas Bernhard erzählt wird man neugierig.
Ich habe mich also an seinen Erzählungen versucht und schon die erste, “Die Mütze”, hat mich sehr beeindruckt. Nicht leicht zu lesen wegen den langen Sätzen und den vielen Wiederholungen, aber gerade das macht dann irgendwie den Reiz aus. Auch die nächsten beiden Erzählungen (”An der Baumgrenze” und “Zwei Erzieher”) haben mir gefallen und schließlich habe ich das ganze Buch gelesen.
In allen Geschichten steckt etwas Zwanghaftes, auf zwei Ebenen, einmal die zwanghafte Beschäftigung mit einem Gegenstand oder einer Sache innerhalb der Geschichte und dann die Sprache in der die Geschichte erzählt wird, die durch ihre vielen Wiederholungen ebenso zwanghaft wirkt. Und, und das ist der Hauptgrund warum ich Bernhard jetzt doch so gerne mag, es gibt Parallelen zu Kafka. Erstens einmal die Symbolik, das Gefühl des “Großen Ungesagten”, und vor allem das Motiv der Bedrängnis bzw. des Unerreichbaren. Bei Kafka ist es meistens etwas das von Außen kommt: Das unerreichbare Schloss in “Das Schloss”, dessen Zutritt dem Protagonisten durch undurchschaubare bürokratische Prozesse verwehrt wird; die Verurteilung durch den Vater in “Das Urteil” usw., während bei Bernhard in den Erzählungen die ich bisher gelesen habe die Bedrängnis von innen kommt, zum Beispiel die Schlaflosigkeit des Erziehers in “Zwei Erzieher” oder die unerträglichen Zustände in “Die Mütze”, die den Ich-Erzähler jeden Abend aus dem Haus treiben.
Auch ähnlich ist die Ratlosigkeit, die sowohl Kafka als auch Bernhard in mir hinterlassen. Ich lese eine Erzählung und frage mich danach, was mir damit gesagt hat werden sollen und habe gleichzeitig das Gefühl, dass sehr viel gesagt wurde, es für mich aber nicht wirklich greifbar ist. Es ist aber eine interessante Ratlosigkeit, die keine wirklichen Lücken hinterlässt. Vor allem die Erzählung “Die Verbrechen eines Innsbrucker Kaufmannssohns” ist in dieser Hinsicht sehr interessant: Der Ich-Erzähler erzählt von der wirklich schrecklichen Kindheit seines Wohn- und Studienkollegen, von der Ablehnung seiner Eltern und Geschwister und den Grausamkeiten der Familienmitglieder ihm gegenüber. Am Ende der Geschichte wacht er in der Nacht auf:
Als ich wach wurde, kurz vor zwei durch ein Geräusch, denn Georg hatte sich völlig ruhig verhalten, wohl aus dem einen Grund schon, mich unter keinen Umständen aufzuwecken (und jetzt weiß ich, wie qualvoll das für ihn gewesen sein muß), habe ich die entsetzliche Entdeckung gemacht, die Georgs Eltern jetzt als Verbrechen ihres Sohnes gegen sich selbst und als Verbrechen an seiner Familie bezeichnen. Schon um zehn des nächsten Vormittags war Georgs Vater aus Innsbruck in Wien angekommen und hatte von mir Aufklärung über den Vorfall verlangt. Als ich aus der Klinik, in welche Georg gebracht worden war, zurückgekommen war, befand sich Georgs Vater schon in unserem Zimmer [...]
Man erfährt nicht was genau in dieser Nacht passiert ist, was das “Verbrechen” ist, das Georg begangen hat. Aber gerade die Tatsache dass dieser Sachverhalt nicht aufgeklärt wird, macht die Geschichte so reizvoll. Interessant an dieser Erzählung sind auch die Parallelen zu Kafkas “Das Urteil”: die Namensgleichheit des Sohnes, und eben die Verurteilung durch die Familie bzw. den Vater.
Ob ich mich in nächster Zeit auch an die Romane von Thomas Bernhard wagen werde weiß ich noch nicht, weil mir trotz aller Faszination das Lesen wegen der nicht einfachen Sprache schwer fällt und ich nicht weiß ob ich das einen ganzen Roman lang durchhalten kann. Aber die Erzählungen sind wirklich kleine Schätze, bei denen es sich lohnt sich auf sie einzulassen.
Kindheitsillustrationen
28. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 5 Kommentare
Ich präsentiere: Die nasenlose Anne und die etwas verschreckt wirkende Diana aus “Anne auf Green Gables“:
Und auch “Das letzte Einhorn“, das ich damals noch nicht gelesen sondern nur den Film gesehen hatte, habe ich illustriert:
Man merkt: An mir ist eine wahre Künstlerin verlorengegangen
Kaufen oder nicht kaufen?
25. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 1 Kommentar
Ich überlege schon seit zwei Tagen ob ich mir ein Buch um 68 € kaufen soll. Und zwar diesen Bildband des Gesamtwerks von Rene Magritte. So als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Weil ja eh bald das Weihnachtsgeld kommt. Magritte ist einfach mein großer Liebling. Und dann könnte ich noch viel mehr Bilder abfotografieren und meine Wohnung damit tapezieren. Und wer weiß wie lange das Buch noch erhältlich ist, Bildbände sind (kommt mir zumindest so vor) immer schnell mal weg. Hm…
Aber ich kenne mich ja: Wenn ich schon so zu überlegen anfange, kann ich nicht mehr lange widerstehen
Der feige Autor
25. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
“Feige” ist vielleicht ein bisschen hart ausgedrückt: was ich eigentlich meine, ist Inkonsequenz. Eine Geschichte nicht zu dem Ende hin zu erzählen, auf das sie automatisch zusteuert. Oder einzelne Handlungsstränge nicht dorthin zu führen, wo sie hingehören. Das ist natürlich alles sehr subjektiv, weil jeder andere Erwartungen an den Ausgang einer Geschichte hat, aber es gibt Bücher bei denen ich mir sicher bin, dass fast jeder Leser denken würde: Da hat es sich der Autor jetzt aber leicht gemacht / da hat ihn jetzt der Mut verlassen.
Aktuell ist das so beim neuen Roman von Hakan Nesser, “Das zweite Leben des Herrn Roos“. Ich mag Nesser sehr gerne und habe ihn bis jetzt in keinem seiner Bücher als “feige” erlebt, aber hier hat er mich ein bisschen enttäuscht. (ACHTUNG: War das Buch noch lesen möchte sollte nicht weiterlesen, Spoiler!)
(more…)
Ach…
25. November 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
…es gibt so schöne Aufbewahrungsmöglichkeiten für Bücher!
Allerdings auch zu einem stolzen Preis (618 $) ![]()
Falls es sich trotz dieses Preises jemand kaufen möchte: Hier bekommt man das gute Stück.
Google & ich – Teil 4
16. October 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Wieder mal haben sich ein paar lustige Suchanfragen zusammengesammelt…
buch ein beagle erzählt seine geschichte
Schafkrimis sind out, jetzt kommen die Beagles an die Reihe!
Ich möchte Bücher verschenken
Nur her damit!
Schweigen eines Schafes Lyrik
Christian Morgenstern hätte da bestimmt etwas Interessantes draus gemacht, nachdem er den Nachtgesang der Fische schon so schön veranschaulicht hat…
er drehte mich um
Und dann?
rückenansicht
Genau!
feinstrumpfhose für jungen
Söhne die sich für mutters brüste interessieren
Kann man nur hoffen dass diese beiden Anfragen nicht von der gleichen Person stammen…
schuhmode aus italien
Nein, Henning Mankells “Die italienischen Schuhe” ist kein Sachbuch über Schuhmode!
fetish feet and kamin
Ähm… was!?
Und zum Schluss noch zwei Titelverdreher:
die verleumdung stig larson (Verblendung, Verdammnis, Vergebung… wer soll sich da auch schon auskennen?)
17 Minuten Jodi Picoult (knapp daneben!)
Widmungen
16. October 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 1 Kommentar
Ich mag Widmungen in Büchern, wenn sie außergewöhnlich sind. Wenn es nur heißt “Für ________ (beliebigen Namen einsetzen)” ist das natürlich wenig interessant, weil der Leser in den wenigsten Fällen weiß, wer diese geheimnisvolle Person ist (einen kurzen Artikel zum diesem Thema gibt es bei der Zeit Online).
Beim Durchsehen meiner Bücher kürzlich haben mich die Widmungen von Tad Williams an seinen Vater in seiner Otherland-Saga wieder mal zum Lachen gebracht:
Dieses Buch ist meinem Vater
Joseph Hill Evans
gewidmet, von Herzen.Eigentlich liest Vater keine Romane,
deshalb sollt ihm jemand Bescheid sagen,
sonst wird er es nie erfahren.
(Band 1)
Dieses Buch ist meinem Vater
Joseph Hill Evans
gewidmet, von Herzen.Aber wie schon gesagt,
Vater liest keine Romane. Er hat noch
gar nicht gemerkt, dass dieser Wälzer
ihm gewidmet ist. Das ist jetzt
der zweite Band – mal sehen, wie viele noch
kommen müssen, bis er es mitkriegt.
(Band 2)
Ihr wisst ja, wem dieses Buch gewidmet ist,
auch wenn er es immer noch nicht weiß.Mal sehen, mit ein bisschen Glück
können wir die Sache vielleicht
bis zum letzten Band geheimhalten.
(Band 3)
Die Antwort ist nein:
Mein Vater hat bis jetzt keines der Bücher
aufgeblättert und es folglich
immer noch nicht spitzgekriegt. Mir wird
wohl nichts übrigbleiben, als es
ihm irgendwann einfach zu sagen. Vielleicht
sollte ich es ihm schonend beibringen.“Alle Anwesenden, denen noch nie
jemand ein Buch gewidmet hat, drei Schritte
vor! Ups, Papa, Moment mal…”
(Band 4)
Und eine Widmung, die mich jedes Mal sehr berührt, ist in Forsters “Maurice” zu finden:
Begonnen 1913
Beendet 1914
Gewidmet einem glücklicheren Jahr
Longlist Deutscher Buchpreis
20. August 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 1 Kommentar
Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wenig Bücher von zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren ich kenne (bzw. wie wenige Autoren überhaupt ich kenne – von der ganzen Liste sagen mir gerade mal 5 Namen was!). Die Anfänge der Romane werden bei Libreka als Leseproben angeboten.
Und ohne die Longlist hätte ich wohl auch erst wieder irgendwann in ferner Zukunft erfahren dass Thomas Glavinic und Wolf Haas, die ich beide sehr gerne lese, wieder neue Bücher herausgebracht haben bzw. bringen werden…
Nachdruck alter Werke
25. July 2009 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren
Amazon lässt in Zusammenarbeit mit der University of Michigan 400.000 alte, zum Teil nicht mehr im Handel erhältliche Werke digitalisieren. Die Bücher sollen dann nach dem Print-On-Demand-Prinzip erwerbbar sein. Näheres im taz-Artikel hier.
Schon faszinierend, die Vorstellung dass vielleicht irgendwann einmal, wenn diese Digitalisierungssache noch viel weiter fortgeschritten ist, jedes jemals erschienene Buch für jedermann erhältlich ist…



