Kafka lustig lesen

26. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 11 Kommentare

Dass man alles von Kafka, aber nichts über ihn lesen solle, wurde neulich auf der Homepage der Intellektuellenzeitschrift Merkur als “vernünftige Grundregel” bezeichnet. Das liegt zu nah an einem glatten Bonmot, um wirklich wahr zu sein. Außerdem: Kafka lesen ist oft beunruhigend genug; die Vorstellung, mit seinen funkelnden Dunkelheiten von der Sekundärliteratur gänzlich allein gelassen zu werden, hätte geradezu etwas Erschreckendes.

So beginnt ein interessanter Artikel, den Dirk Knipphals anlässlich des 125. Geburtstag von Kafka in der TAZ schrieb. Er macht neugierig auf Hans-Gerd Kochs “Kafka in Berlin” – Knipphals schreibt dazu:

Kochs Studie ist ein schönes Beispiel für einen Umgang mit Kafka, der ihn nicht wegdeutet, sondern der zu ihm hinführt.

Ich habe Kafka bis jetzt gänzlich ohne Sekundärliteratur gelesen (von ein paar Kommentaren in den Tagebüchern mal abgesehen) und das hatte nichts Erschreckendes an sich ;) . Mich interessieren generell die Menschen hinter den Büchern weniger – Kafka ist da eine Ausnahme, aber er hat sich mir durch seine Tagebücher und Briefe nahe genug gebracht. Trotzdem möchte ich einmal eine Biographie lesen; ich kann mich nur nicht entscheiden welche, wobei mich Max Brods “Über Franz Kafka” am meisten interessieren würde. Wer könnte besser über einen Menschen berichten als einer, der ihn wirklich gekannt hat?



Paul Celan: Ans Herzland vielleicht

21. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Lyrik | Kommentieren

Die Kunst des Hungers“, das ich gerade lese, versammelt Essays & Vorworte von sowie Interviews mit Paul Auster. Sehr schön ist der Essay über Paul Celan, der zu meinen liebsten Lyrikern zählt. Auster zitiert aus der Rede, die Celan anlässlich der Verleihung des Bremer Literaturpreises gehalten hat:

“In dieser Sprache”, sagt Celan – und er meint das Deutsche, die Sprache der Nazis und die Sprache seiner Gedichte – “habe ich … Gedichte zu schreiben versucht … um mir Wirklichkeit zu entwerfen.” Dann vergleicht er das Gedicht mit einer Flaschenpost – ins Meer geworfen in der Hoffnung, sie könnte eines Tages irgendwo an Land gespült werden, “ans Herzland vielleicht”. “Gedichte”, fährt er fort, “sind auch in dieser Weise unterwegs: Sie halten auf etwas zu. Worauf? Auf etwas Offenstehendes, Besetzbares, auf ein ansprechbares Du vielleicht, auf eine ansprechbare Wirklichkeit.”

Paul Celans Lyrik ist, vor allem seine späten Gedichte betreffend, oft schwer zugänglich. Sprachspielereien, Wortneuschöpfungen und eine sehr bildhafte, symbolische Sprache verlangen dem Leser viel Aufmerksamkeit ab, wenn dieser versucht, hinter die Worte zu schauen und die Symbolik zu entschlüsseln. Aber das Verständnis kann auch über die emotionale Ebene erfolgen, indem man die Bilder, die Celan entwirft, einfach auf sich wirken lässt, sich auf sie einlässt.

Beider entnarbte Leiber,
beider Todesblatt über der Blöße,
beider entwirklichtes Antlitz.

An Land gezogen von
der weißesten Wurzel
des weißesten
Baums.

Mehr als bei allen anderen Lyrikern gilt für mich bei Celan: Der Zeitpunkt muss passen. Ich kann eines seiner Gedichte lesen und den Kopf darüber schütteln, weil es mir völlig unzugänglich ist; ich lese es ein paar Jahre später und auf einmal begreife ich es – es ist angekommen, hat eine Leerstelle in meinen Gedanken & meinem Empfinden gefunden und sie besetzt. Das “Todesblatt über der Blöße” ist kein sinnleeres Bild mehr und die Symbolik der “weißesten Wurzel des weißesten Baums” hat sich mir – in einer rein subjektiven Weise – offenbart. Und auf einer objektiveren Ebene denke ich an Adam und Eva: das Feigenblatt, die Vertreibung, der Baum der Erkenntnis, die Farbe “Weiß”, die für Unschuld und Geburt steht, aber auch, in anderen Kulturen, die Farbe der Trauer ist. Ganz überraschend kommen diese Gedanken, und auf einmal scheint so viel in diesen sieben Zeilen zu liegen, zu denen ich vorher keinen Zugang finden konnte.

Celan ist vor allem durch sein Gedicht “Die Todesfuge” bekannt, das trotz Adornos Äußerung, es sei barbarisch, nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben*, geschrieben wurde und zu den bekanntesten schriftstellerischen Auseinandersetzungen mit dem Holocaust zählt (ein interessanter Artikel über die Beziehung zwischen Celan und Adorno findet sich hier). Auch in diesem Gedicht gibt es Bilder und Begriffe, deren Sinn sich nicht sofort erschließt: Die “schwarze Milch der Frühe”, die Schlangen, Margarete und Sulamith (ausführliche Erklärungen dazu beim Celan-Projekt); trotzdem ist es “ans Herzland” vieler Menschen gespült worden und hat für sie in Worte gefasst, was nur schwer in Worte zu fassen ist.

Paul Celan ist ein Dichter, den man immer wieder neu entdeckt, der auch auf den zweiten und dritten Blick noch Ungesehenes bietet; ein, wie Paul Auster in seinem Essay schreibt, “Dichter des Exils, ein Außenseiter selbst der Sprache seiner eigenen Gedichte gegenüber“, und es lohnt sich, sich auf ihn und sein Werk einzulassen.

 

*“Noch das äußerste Bewusstsein vom Verhängnis droht zum Geschwätz zu entarten. Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frißt auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.” (Theodor W. Adorno: Prismen. Kulturkritik und Gesellschaft.)



Housesitting-Freuden

17. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 2 Kommentare

Es ist schon toll: Man passt auf Haus & Hund von Freunden auf, während diese im Urlaub sind und entdeckt, nachdem man die mitgebrachten Bücher ausgelesen hat und an akutem Lektüre-Nachschub leidet, in ihrem Bücherregal Werke, die man immer schon mal lesen wollte. Zum Beispiel T. C. Boyles “Wassermusik“. Und das Buch scheint genau das Richtige zu sein für die letzten, höchstwahrscheinlich verregneten Urlaubstage. Der erste Eindruck nach 44 gelesenen Seiten: Üppig. Üppig an Bildern, Farben, Menschen – vor allem sprachlich begeistert es mich sehr. Sehr dicht, kein Satz ist überflüssig, unglaublich atmosphärisch & plastisch. Das Ganze gewürzt mit trockenem Humor, verspricht das Buch ein ganz besonderes Leseerlebnis zu werden und ich habe die Befürchtung, dass das eines der Bücher sein wird von denen man sich wünscht, man würde nie auf der letzten Seite ankommen müssen.



Leserausch

16. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 1 Kommentar

Gestern Abend hatte ich ein sehr intensives Leseerlebnis mit H. G. Wells’ “Die Zeitmaschine“. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, war komplett verloren in der Geschichte & den Erlebnissen des Zeitreisenden – alles Geschehen ist wie ein Film vor meinen Augen abgelaufen, was bei mir immer so ist beim Lesen, aber diesmal war es besonders intensiv. Es war, als wäre ich selbst dabei, mitten drin im Jahr 802701, in der Welt der Eloi. Das hatte ich schon lange nicht mehr, und als ich das Buch zugeklappt hatte, musste ich mich erst mal wieder in der Realität orientieren und mir bewusst machen, wo ich bin und wie spät es ist. Und irgendwie warte ich immer noch darauf, dass der Zeitreisende doch wieder zurückkehrt und weitere Berichte aus der Zukunft der Menschheit bringt.

Es liegt bestimmt auch an Wells’ Schreibstil, der zwar relativ nüchtern, aber sehr hypnotisierend ist. Er schafft es einfach, seine Visionen im Gehirn des Lesers real werden zu lassen – auch “Die Insel der Dr. Moreau” war ein sehr intensives Leseerlebnis. Auf jeden Fall bin ich jetzt süchtig nach H. G. Wells und werde mir wohl bald noch ein (oder zwei, oder drei) Bücher von ihm bestellen.



125 Jahre Kafka

3. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | Kommentieren

KafkaHeute vor 125 Jahren wurde in Prag Franz Kafka, der zu meinen liebsten Schriftstellern zählt, geboren. Dieses Jahr ist auch für mich ein besonderes Kafka-Jahr: Erstens lese ich zum ersten Mal seine Tagebücher (ich kannte bisher nur Teile daraus), zweitens werde ich mir demnächst die drei bisher erschienen Bände der kommentierten Ausgabe der Briefe kaufen (eins, zwei, drei), auf die ich mich schon unheimlich freue (und die zudem der wohl teuerste Bücherkauf meines Lebens werden *lach*, aber ich habe seit Weihnachten fleißig geschenkte und durch einen Nebenjob verdiente Büchergutscheine gesammelt und werde daher kaum eigenes Geld dafür ausgeben müssen). Den Jahrestag möchte ich zum Anlass nehmen, um meine kleine Kafka-Linksammlung vorzustellen:

The Kafka Project:
Meines Wissens die umfangreichste Kafka-Seite: unzählige Texte (Prosa, Tagebücher, Notizen) in der Fassung der Kritischen Ausgabe auf deutsch sowie Übersetzungen einiger Texte in verschiedene Sprachen; digitalisierte Manuskriptseiten aus „Der Prozess“; jede Menge Artikel & Zusatzinfos etc. Die beste Seite für stundenlanges Stöbern ;)

Bondageprojekt:
Lesung von „Nachts“

Die Tagebücher Franz Kafkas:
Ein Blog, das die Tagebücher chronologisch in deutscher und englischer Übersetzung bereitstellt. Bis dato sind die Eintragungen bis zum März 1911 vorhanden.

franzkafka.de:
Wunderschön gestaltete, informative Seite des Fischer Verlags. Besonders interessant: die Fundstücke des Monats.

Xlibris:
Interpretationen & Inhaltsangaben zu vielen Werken

Volkslesen.tv:
Lesung von „Ein Brudermord“ und „Eine kaiserliche Botschaft“

kafkaesk.de:
Schöne Seite mit vielen Infos vor allem über Kafkas Prag & einem Forum

 

Ein Geburtstags-Zitat habe ich auch gefunden, auch wenn es nicht seinen eigenen betrifft; an wen es gerichtet ist, weiß ich nicht. Es stammt aus einem Tagebucheintrag vom 26. März 1911:

Du hast heute Geburtstag, aber ich schicke Dir nicht einmal das gewöhnliche Buch, denn es wäre nur Schein; im Grunde bin ich doch nicht einmal im Stande Dir ein Buch zu schenken. Nur weil ich es so nötig habe, heute einen Augenblick und sei es nur mit dieser Karte in Deiner Nähe zu sein, schreibe ich und habe mit der Klage deshalb angefangen, damit Du mich gleich erkennst.



Halbjahresstatistik

2. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 6 Kommentare

Als großer Statistik- und Listenfan führe ich natürlich auch genauestens Buch über meine Lektüre:

 

Auswertung für das 1. Halbjahr 2008:

Allgemein:
Anzahl Bücher: 59
Seiten gesamt: 23.681

Genres:
Autobiographie, Tagebücher, Briefe: 5
Belletristik (das ist bei mir alles andere): 25
Erzählungen: 1
Fantasy & Phantastik: 3
Historischer Roman: 3
Horror & Mystery: 2
Kinder- und Jugendbuch: 3
Klassiker: 4
Krimi & Thriller: 8
Lyrik: 1
Science Fiction: 1
Sonstiges: 3

Originalsprache:
Deutsch: 11
Englisch: 35
Andere: 13

Lesesprache:
Deutsch: 58
Englisch: 1 (dabei hatte ich mir fest vorgenommen, mehr englische Lektüre zu lesen…)

Reread/Neu:
Neu: 45
Reread: 14

 

Außerdem habe ich 41 Bücher erworben, davon waren 11 geschenkt bzw. von Gutscheinen gekauft. Für die 30 selbst gekauften habe ich 223,14 € ausgegeben, das macht 7,44 € pro Buch. 51 % der Käufe waren Wunschlistenkäufe, 49 % Spontankäufe (auch da hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgenommen…)



Was gelernt

1. July 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei | 2 Kommentare

Jetzt weiß ich endlich, wie diese Bücher genau heißen, die ich so gerne lese: Dystopische Romane (Dystopie = “Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, die sich zum Negativen entwickelt hat”, siehe Wikipedia). Ich nannte sie für mich selbst immer einfach “utopische Bücher” oder habe sie zur Science Fiction gezählt, wobei ich nicht weiß, ob sie dort offiziell nicht sowieso hingehören; dank Wikipedia weiß ich jetzt aber, dass es hier die Unterscheidung zwischen “Eutopie” (positiv utopisch) und “Dystopie” (negativ utopisch) gibt, wobei Utopie und Eutopie aber oft gleichgesetzt werden. Und ich bevorzuge die negative Form (habe, denke ich, noch keinen eutopischen Roman gelesen, allerdings habe ich Thomas Morus‘ “Utopia” irgendwo zuhause herumstehen). Hier gibt es eine schöne Liste mit Romanen beider Gattungen.

Gelesene Dystopien (hässliches Wort eigentlich):

- Oryx und Crake (Margaret Atwood)
- Der Report der Magd (Margaret Atwood)
- Die Straße (Cormac McCarthy)
- Die Insel des Dr. Moreau (H. G. Wells)
- 1984 (George Orwell)
- Otherland I-IV (Tad Williams) (steht auf der Liste, wo es auch seine Berechtigung hat, aber für mich zählt das eigentlich eher zur Fantasy)
- Die Möglichkeit einer Insel (Michel Houellebecq)

Wer andere Bücher dieser Art kennt: Nur her mit Vorschlägen :) (eine Liste alleine ist so unpersönlich, ich hätte gerne individuelle Beratung ;) )



Und wieder Moreau

28. June 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Zitat | Kommentieren

Noch eine sehr eindringliche Szene aus “Die Insel des Dr. Moreau“, das ich gerade vorhin beendet habe: Moreau ist tot und Prendick begreift sofort, in welcher Gefahr er und Moreaus Assistent schweben, jetzt, wo der Herrscher tot ist und die Gesetze nicht mehr gelten. Er spricht zu den Tiermenschen:

“Kinder des Gesetzes”, sagte ich, “er ist nicht tot.”
M’ling wandte seine scharfen Augen auf mich.
“Er hat seine Gestalt gewechselt – er hat den Leib gewechselt”, fuhr ich fort. “Eine Zeitlang werdet ihr ihn nicht sehen. Er ist . . . dort” – ich zeigte nach oben – “wo er euch beobachten kann. Ihr könnt ihn nicht sehen. Aber er kann euch sehen. Fürchtet das Gesetz.”

Der Versuch, den Tiermenschen einen Gott zu erschaffen – ein nicht greifbares, aber richtendes Wesen, durch das er sie weiterhin kontrollieren kann… Prendicks Plan ist verständlich (und klug), aber ich hatte eine Gänsehaut beim Lesen dieser Szene und großes Mitleid mit den Geschöpfen, die selbst nach dem Tod ihres grausamen Schöpfers noch an seine Weisungen gebunden sein sollen.

Morgen werde ich mit “Die Zeitmaschine” anfangen, auf das ich jetzt, nachdem mir die Geschichte um Dr. Moreau so gut gefallen hat, noch gespannter bin.



Sind wir nicht Menschen?

28. June 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Zitat | Kommentieren

H. G. Wells’ “Die Insel des Dr. Moreau” begeistert mich sehr – abenteuerlich, aber mit viel Tiefgang. Besonders beeindruckend die Szene, in denen der auf der Insel gestrandete Edward Prendick auf der Flucht vor Dr. Moreau die Wohnstätte der “Tiere” erreicht und von ihnen als einer der ihren angesehen wird, weshalb sie ihn auch in ihre Gesetze einweihen:

Nicht auf allen vieren gehen; das ist das Gesetz. Sind wir nicht Menschen?
Nicht das Wasser schlürfen; das ist das Gesetz. Sind wir nicht Menschen?
Keine anderen Menschen jagen; das ist das Gesetz. Sind wir nicht Menschen?

Usw. Ich dachte ja zuerst, wie der Protagonist auch (und deshalb seine Flucht vor Moreau), dass diese Wesen Menschen sind, die zu Tieren gemacht wurden. Und deshalb fand ich es so beeindruckend (und auf schaurige Art rührend), wie sie mit aller Kraft versuchen, sich durch diese Gesetze ihr Menschsein zu bewahren.

Und später im Buch dann:

Vorher waren sie Tiere gewesen; ihre Instinkte waren ihrer Umgebung angepasst und sie selbst so glücklich, wie lebendige Wesen nur sein können. Jetzt stolperten sie in den Fesseln der Menschlichkeit dahin, lebten in einer Angst, die niemals schwand, von einem Gesetz gequält, das sie nicht verstanden.



Brief an R. M. Rilke

22. June 2008 - Kategorie: Literarisches Allerlei, Zitat | Kommentieren

Treffender kann man das, was die Größe und das Wesen Rainer Maria Rilkes ausmacht wohl nicht erfassen:

Was nach Ihnen ein Dichter thun kann? Einen Meister (wie Goethe z.B.) überwindet man, aber Sie überwinden – heißt (würde heißen) die Dichtung überwinden. Ein Dichter ist der, der das Leben überwindet (überwinden soll).
Sie sind eine unmögliche Aufgabe für künftige Dichter. Der Dichter, der nach Ihnen kommt, muss Sie sein, d. h. Sie müssen noch einmal geboren werden.
Sie geben den Worten ihren ersten Sinn, und den Dingen – ihre ersten Worte (Werte). Z.B. wenn Sie großartig sagen, sagen Sie von großer Art, so wie es gemeint war bei der der Entstehung.

Diese Worte schrieb M. Zwetajewa in ihrem ersten Brief an den Dichter am 9. Mai 1926. Leider war den beiden nur eine kurze Zeit des schriftlichen Austausches vergönnt: Rilke starb am 29. Dezember desselben Jahres. Ihre Korrespondenz umfasst neun Briefe und eine Ansichtskarte von Marina an Rilke und sechs Briefe sowie die “Elegie an Marina” von Rilke. Getroffen haben sie sich nie.

Marina schrieb an Rilke in deutscher Sprache und merkt dazu im ersten Brief an:

Russisch hätte ich Ihnen das alles klarer gesagt, aber ich will Ihnen nicht die Mühe geben sich hineinzulesen, ich will lieber die Mühe nehmen mich hineinzuschreiben.



Pages: Vorige 1 ...4 5 6 7 8 Nächste

« go backkeep looking »

  • Über

    Willkommen auf SEANNE.AT - einem Blog für Literatur & Kunst. Hier findet ihr Zitate aus Büchern und über Bücher, literarisches Allerlei, Rezensionen, meine Lieblingswerke aus Malerei & Fotografie sowie eine Galerie meiner eigenen Fotos.


Zufallsbild aus der Galerie

Zufallsbild

Suche