Isaac Asimov: Die Foundation-Trilogie

notiert von: Eva

Foundation-TrilogieDie Psychohistorie ist die Quintessenz der Soziologie; sie ist die Wissenschaft vom menschlichen Verhalten, reduziert auf mathematische Gleichungen. … Das einzelne menschliche Wesen ist unberechenbar, aber auf die Reaktionen von Menschenmassen, so Seldon, lassen sich die Methoden der Statistik anwenden. Je größer die Masse, eine desto größere Genauigkeit kann erzielt werden.

Hari Seldon, der letzte große Wissenschaftler des Ersten Imperiums, sagt mit Hilfe der Psychohistorie den Zerfall des galaktischen Imperiums und eine dreißigtausend Jahre andauernde Zeit der Barbarei voraus. Er ersinnt aufgrund seiner Berechnungen einen Plan, der diese Zeit der Barbarei auf nur tausend Jahre verkürzen soll. Zu diesem Zweck gründet er zwei “Foundations”: Wissenschaftler-Kolonien, die seinen Plan zu Ende führen und später die Grundlage für das neue Imperium bilden sollen.

Es gibt viele Dinge, die an dieser Trilogie faszinierend sind: Da ist einmal die Tatsache, dass die Geschichte in einer Zeit spielt, die so fern in der Zukunft liegt, dass die Erde und die Tatsache, dass das menschliche Leben auf ihr entstanden ist, nur noch eine Legende ist. Unvorstellbar irgendwie, dass alles was wir jetzt haben – dieser Planet – irgendwann einmal so völlig unbedeutend sein wird. Und die Bedeutungslosigkeit zeigt sich auch darin, dass sich die Geschichte über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten erstreckt. Einzelne Charaktere tauchen auf, sind in ihrer Zeit wichtige Handlungsträger, aber im nächsten Kapitel schon sind wieder viele Jahre vergangen und diese einst so bedeutenden Menschen sind längst wieder Vergangenheit.

Diese Art des Erzählens führt auch dazu, dass man sich so gut wie gar nicht mit irgendwelchen Figuren identifizieren kann. Die gesamte eigentliche Handlung des Buches besteht zu einem großen Teil aus Dialogen, wichtige Ereignisse wie Kriege etc. werden quasi im Zeitraffer erzählt. Es geht in der Geschichte nicht um einzelne Menschen, sondern um eine Grundidee – die Idee der Voraussagbarkeit menschlichen Verhaltens, die Idee eines Plans und die Komplikationen, die trotz dieses sorgfältig ausgearbeiteten Plans auftreten. Und das ist der nächste faszinierende Punkt: Der Seldon-Plan.

Zwei Foundations. Die erste Foundation wird in der Peripherie der Galaxis gegründet, und nichts an dieser Gründung wird dem Zufall überlassen:

Wir haben den Planeten und den Zeitpunkt für Ihre Aussiedlung so ausgewählt, dass Sie in fünfzig Jahren an einen Punkt manövriert worden sind, von dem aus Sie keine Handlungsfreiheit mehr haben werden. Von jetzt an ist Ihnen der Weg für die nächsten Jahrhunderte vorgezeichnet.

Aber, fragt man sich beim Lesen, ist es denn wirklich möglich, das Verhalten einer so großen Masse vorauszuberechnen? Kann man wirklich alle Möglichkeiten, alle Faktoren berücksichtigen? Was ist mit dem Individuum – ist es wirklich nicht möglich, dass ein einzelner Mensch den Lauf der Geschichte verändern kann?
Laut Hari Seldon ist es nicht möglich, aber es zeigt sich, dass er sich getäuscht hat. Ein Wesen, “das Maultier” genannt, durchkreuzt den Seldon-Plan. Das Maultier ist ein Mutant mit besonderen Fähigkeiten, eine statistische Unwahrscheinlichkeit, die Seldon nicht voraussehen konnte. Während der erste Teil der Trilogie (”Foundation”) sich mit der ersten Foundation und den Krisen, die sie durchlebt, befasst, dreht sich im zweiten Teil (”Foundation und Imperium”) alles um das Maultier und sein Streben nach der Herrschaft über die Galaxis.

Im dritten Teil (”Zweite Foundation”) geht es schließlich um die Suche nach der zweiten Foundation, über die nichts bekannt ist, außer dass sie laut Seldon “am anderen Ende der Galaxis” gegründet wurde. Und hier jagt dann eine unerwartete Wendung die andere – man glaubt immer wieder, den Plan durchschaut zu haben und sieht sich dann doch wieder mit unerwarteten Ereignissen konfrontiert, bis sich am Ende dann alles so zuspitzt, dass man gar nicht mehr weiß, was man eigentlich glauben soll.

Wer einen typischen SF-Roman mit Weltraumschlachten & fremden Rassen & innovativer Technologie sucht, wird hier definitiv enttäuscht werden. Wer aber Interesse an einem interessanten Gedankenexperiment und an einem faszinierenden Ausblick in eine der vielen möglichen Entwicklungen der Zukunft der Menschheit hat, dem kann ich dieses Buch wirklich nur empfehlen!

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