Jede meiner Beziehungen ist eine Lawine…

notiert von: Eva

Marina ZwetajewaIch bin verliebt. In Marina Zwetajewa. Seit dem Wochenende lese ich einen Band mit ausgewählten Briefen, die sie unter anderem an Pasternak, Rilke & Achmatowa geschrieben hat, und ich war von den ersten Sätzen an gefesselt von ihrer Sprache & Persönlichkeit. So viel Leidenschaft und Intensität ist mir in der Literatur schon lange nicht mehr begegnet – sie scheint ihre Gedanken unzensiert niederzuschreiben, was dem Leser tiefe und authentische Einblicke in ihre Geistes- und Gefühlswelt gewährt. Auf jeden Fall wirken die Briefe durch ihre Intensität & den prägnanten Schreibstil der Verfasserin so lebendig, dass ich beim Lesen manchmal das Gefühl habe, sie wäre irgendwo im Raum anwesend. Für die Menschen, denen sie schrieb, war es natürlich nicht immer einfach, dieser Leidenschaftlichkeit im selben Ausmaß zu begegnen – Zwetajewa gab viel, verlangte aber auch viel. Die Herausgeberin dieses Bandes, Ilma Rakusa, schreibt in ihrem Vorwort:

Je ferner, je unerreichbarer der Adressat, desto leidenschaftlicher feierte sie die Abwesenheit. [...] Da Zwetajewas Grundimpuls die Verwandlung des Lebens in Literatur war, bei einem gleichzeitig starken Bedürfnis nach menschlichem Austausch. bot ihr der Briefverkehr ein ideales Betätigungsfeld. Hier bewegte sie sich in der dialektischen Sphäre von Hingabe und Verweigerung, von Passion und Protest, hier bezog sie den Partner wie selbstverständlich in ihre Mythenbildungen ein. Der Andere, der Abwesende “im Land der Seele”, nahm durch ihre Imagination Gestalt an; jenseits mütterlicher Vereinnahmung sah er sich als Geschöpf einer ebenso einsamen wie besessenen Einbildungskraft.

Und Zwetajewa selbst sagt in einem ihrer Briefe:

Jede meiner Beziehungen ist eine Lawine: ich komme nicht zur Besinnung, bis ich hinuntergerollt bin.

Ihre eigentlichen Werke kenne ich kaum: Ein paar wenige Gedichte, die mich zwar neugierig auf die Verfasserin gemacht, aber nicht außerordentlich beeindruckt haben. Vielleicht liegt mir ihre Prosa mehr; auf jeden Fall werde ich demnächst erst mal recherchieren, was von ihrem Briefverkehr veröffentlicht wurde (ich träume natürlich von einer kommentierten Gesamtausgabe der Briefe und habe nur deshalb noch nicht nachgesehen, ob es diese gibt, weil ich mir die sofort kaufen würde, egal wie teuer).

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