Juli Zeh & Johann Pachelbel

notiert von: Eva

In Juli Zehs “Adler & Engel“, das ich vor ca. eineinhalb Jahren zum ersten Mal gelesen habe und jetzt gerade wieder lese, gibt es eine Szene, an die ich immer wieder denken muss und die für mich ihre wahre Schönheit dann entfaltet, wenn man die Musik kennt, die ihr zugrunde liegt:

Irgendwann stießen wir auf eine Sammlung von Barockmusik und fanden ein Stück, das wir alle mochten. Pachelbel. Es verwandelte mein Herz in eine Supernova, jedes Mal wenn die ersten Takte erklangen. Das Stück war etwa fünf Minuten lang. Wir stellten die Repeat-Funktion ein, und der CD-Spieler wiederholte es zwei Tage lang. Wenn jemand schlafen wollte, drehte er die Lautstärke ein bisschen herunter. Nach der fünfzigsten Wiederholung fing Jessie an zu weinen, ihr Gesicht kniff sich zusammen wie bei einem Säugling, der nachts erwacht und die Mutter nicht findet. Die Sonne fraß ihr die Tränen vom Gesicht, kaum dass sie das Auge verlassen hatten. Ich tat weiterhin so, als würde ich durch das Fernglas sehen, und sagte nichts. Es war ja nur wegen Pachelbel, wegen Cembalo und Geigenschluchzen. Nach einer halben Stunde hörte sie wieder auf.

Ich war natürlich neugierig, welches Stück damit gemeint sein könnte und bin auf den “Kanon und Gigue in D-Dur gestoßen”, Johann Pachelbels bekanntestes Werk. Natürlich kann ich nicht sicher wissen, ob Juli Zeh wirklich den Kanon meinte, aber jedes Mal, wenn ich ihn höre, bin ich fest davon überzeugt, dass es nur diese Melodie sein kann, die ein Herz in eine Supernova verwandeln und jemanden zum Weinen bringen kann:

 

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Kommentare

5 Kommentare zu “Juli Zeh & Johann Pachelbel”

  1. Lilly am 27. July 2008 20:17

    Herrlich! Ich liebe klassische Musik. Ganz besonders Beethovens “Moonlight Sonata”

    http://www.youtube.com/watch?v=vQVeaIHWWck

    *träum*

  2. Nina am 27. July 2008 21:12

    Wirklich ein sehr schönes Stück! Irgendwoher kenne ich es auch… *grübel*

    ‘Adler und Engel’ habe ich übrigens vor ein paar Jahren gelesen und war ziemlich angetan von dem Buch. Von ‘Spieltrieb’ war ich dann allerdings sehr enttäuscht. Es wirkte zu aufgesetzt und die Charaktere waren leider sehr künstlich.

  3. Eva am 28. July 2008 09:13

    @ Lilly: Ja, die Mondscheinsonate ist wirklich wunderschön!

    @ Nina: Vielleicht kennst du es von dieser Werbung?
    “Spieltrieb” mochte ich eigentlich sehr gerne, auch wenn ich wie du die Charaktere etwas künstlich empfand. Und ich bin schon sehr gespannt auf “Schilf”, da warte ich noch aufs Taschenbuch…

  4. Leserückblick August am 1. September 2008 18:35

    [...] Zeh: Adler und Engel Zum zweiten Mal gelesen. Über meine Lieblingsszene habe ich hier geschrieben. Ich mag Juli Zehs Stil und ihre Art, Geschichten zu erzählen, allerdings hat mich [...]

  5. Musik in Büchern am 18. July 2010 14:06

    [...] mag es, wenn in Büchern von bestimmten Musikstücken die Rede ist. Hier habe ich schon einmal ein Beispiel dazu gebracht. Jetzt höre ich gerade Bob Marleys “Coming [...]

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