Days With My Father
12. August 2008 | notiert von: Eva
Nach dem Tod seiner Mutter dokumentiert der Fotograf Philip Toledano das Leben seines 98 Jahre alten Vaters. Ein bewegendes Portrait, sehr schön präsentiert. Weitere Arbeiten von Toledano findet man hier.
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Lesestipendium
11. August 2008 | notiert von: Eva
Das ist ja mal was Tolles, was sich die Grazer Literaturzeitschrift “Schreibkraft” da ausgedacht hat: Ein Lesestipendium. Es ist mit 1.100 Euro dotiert und beinhaltet einen dreiwöchigen Aufenthalt in einer Gästewohnung in Graz. Wie man sich bewirbt? Mit einer Literaturliste, bestehend aus 10 Büchern, die man während dieses Aufenthaltes lesen möchte und einer Begründung, warum es gerade diese Bücher sein sollen. Genauere Infos findet man hier.
Es wäre natürlich sehr reizvoll, sich da zu bewerben, allerdings möchte/kann ich keine drei Wochen Urlaub am Stück nehmen. Zudem verpflichtet die Teilnahme zu einem Gespräch über die Lektüre bei der 10-Jahres-Feier der Zeitschrift, und darauf habe ich nun wirklich keine Lust. Aber vielleicht möchte sich ja einer meiner Blogleser bewerben & mich in meiner Wochenends-Heimatstadt besuchen
Der Dank für den Hinweis auf dieses Stipendium geht an Connie, die in ihrem Blog darauf aufmerksam machte.
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Innenhöfe
10. August 2008 | notiert von: Eva
Wenn sie ein Buch beginnt, betritt sie durch Säuleneingänge große Innenhöfe. Parma und Paris und Indien breiten ihre Teppiche aus.
- Michael Ondaatje: Der englische Patient
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Thomas Lehr – 42
6. August 2008 | notiert von: Eva

Um 12:47:42 Uhr an einem Tag im August bleibt die Zeit stehen – nur nicht für 70 Besucher des Kernforschungszentrum CERN bei Genf. Alles ist erstarrt, sodass die 70 “Chronifizierten”, wie sie sich selbst nennen, in einem Schnappschuss der Welt gefangen sind, eingehüllt in Zeitblasen, innerhalb derer die Zeit normal weiterfließt. Nachdem keine Erklärung für diesen Zustand gefunden wird und es nicht so aussieht, als würde der normale Zeitfluss wieder in Gang kommen, zerstreut sich die Gruppe und der Münchner Journalist Adrian Haffner, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, macht sich auf die Reise nach Deutschland, um seine Frau zu finden. Fünf Jahre später geschieht das, was der Erzähler als “RUCK” bezeichnet: Für drei Sekunden läuft die Zeit wie gewohnt weiter. Dieses Ereignis bringt die noch lebenden Chronifizierten dazu, sich zurück an den Ort des Ursprungs zu begeben und sich im CERN für ein finales Experiment, dass sie aus ihrem zeitlichen Gefängnis befreien soll, zusammenzufinden.
Ein unglaublich faszinierendes Buch, nicht nur wegen des interessanten Gedankenexperiments, sondern auch des Erzählstils wegen, der dem Leser einiges an Konzentration (und immer wieder auch an Toleranz) abverlangt. Wer nur auf die spannende Geschichte um das Szenario eines Zeitstillstandes aus ist, sollte das Buch vorher probelesen – nicht umsonst sind die Meinungen dazu sehr gespalten, was an der Sprache liegt, die wirklich keine leichte Kost ist und für die man sich Zeit nehmen muss. Wer hingegen anspruchsvolle Sprache nicht scheut, wird mit einem packenden Roman belohnt, der viel Raum für philosophische und sozialkritische Überlegungen bietet und dem Leser fast durchgehend das Gefühl gibt, selbst in dieser zeitlosen Welt gefangen zu sein.
Es bietet sich bei dieser Geschichte natürlich sofort ein Vergleich zu Marlen Haushofers “Die Wand” an. Während bei Haushofer zwar die Welt hinter der Wand auch erstarrt ist, die Protagonistin aber keine Möglichkeit findet, diese Barriere zu durchbrechen, leben in “42″ die Chronifizierten inmitten der um sie herum in eine Art Dornröschenschlaf gefallenen Welt, können Menschen und Gegenstände bewegen und sie – und dass es so kommt, ist in seinen Details erschreckend, wenn auch nicht verwunderlich – für ihre Zwecke missbrauchen.
Auch Thomas Glavinics “Die Arbeit der Nacht” kam mir während des Lesens mehrmals in den Sinn. Mich reizen solche Bücher grundsätzlich sehr: Die von einer Welt erzählen, in denen alles Leben entweder verschwindet oder erstarrt, in denen der Mensch auf sich gestellt ist und sein Leben unter völlig neuen, niemals erwarteten Bedingungen gestalten muss. Wie geht man um mit erzwungener Einsamkeit? Welche moralischen Schranken verschwinden, wenn einem die Welt zu Füßen liegt, nicht mehr in der Lage, sich zu wehren?
Was dem Roman vorzuwerfen ist: Fehlende emotionale Tiefe. Obwohl aus der Sicht eines Betroffenen erzählt, ist die Beschreibung des Lebens nach dem Stillstand der Zeit nüchtern & distanziert. Die Figuren scheinen hauptsächlich Mittel zum Zweck zu sein und sind eher flach. Gut möglich, dass das genau so beabsichtigt war; vielleicht braucht so eine Geschichte auch eine gewisse Art von Distanz, vielleicht wären neben dieser alles an Aufmerksamkeit fordernden Sprache emotionale Anforderungen schlicht zu viel gewesen. Die Identifikation mit dem Geschehen ergibt sich daher größtenteils durch das, was man selbst empfindet, wenn man sich in ein derartiges Szenario hineindenkt, nicht durch ein Mitfühlen mit den Protagonisten.
Das Ende fand ich sehr rätselhaft – ich habe nicht verstanden, was wirklich passiert ist, und ich kann nicht sagen, ob es an mir liegt oder daran, dass in diesem Buch oft die Dinge nur angedeutet werden und viel von der Fantasie oder Intuition des Lesers abhängt. Es würde mich daher sehr interessieren, wie andere Leser die Auflösung verstehen, vielleicht kann mich ja jemand aufklären
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Sublimation, alles
4. August 2008 | notiert von: Eva
Wann hat sich der Körper eigentlich zum ersten Mal auf eigene Faust auf den Weg gemacht, fragt sich Schneemensch, wann hat er seinen alten Weggefährten den Laufpass gegeben, der Seele und dem Geist, die ihn einst bloß als fehlerhaftes Gefäß betrachtet hatten oder als Puppe, von der sie sich ihre Dramen hatten aufführen lassen, oder auch als schlechten Umgang, der die beiden anderen auf Abwege lockte. Irgendwann muss der Körper das Dauergenörgel der Seele und das Jammern und die angsterfüllten Hirngespinste des Geistes wohl leid geworden sein, die ihn jedes Mal ablenkten, wenn er die Zähne in etwas Saftigem, die Finger in etwas Gutem versenken wollte. Er hatte die beiden irgendwo sitzen lassen, in einer feuchtkalten Kirche oder einem stickigen Hörsaal, und schnurstracks die nächste Oben-ohne-Bar angesteuert; und mit den beiden war er auch den ganzen kulturellen Ballast losgeworden: Musik und Malerei und Dichtung und Theater. Sublimation, alles; nichts als Sublimation, fand der Körper. Wieso nicht einfach Reißaus nehmen?
Aber der Körper hatte seinen eigenen kulturellen Formen. Er hatte seine eigene Kunst. Hinrichtungen waren seine Tragödien, Pornografie seine Romantik.
- Margaret Atwood, Oryx und Crake
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Fotomitmachaktion von Maren
3. August 2008 | notiert von: Eva
Maren fragte in ihrem Bibliomanie-Blog nach Fotos von ihren Bloglesern beim Lesen – eine tolle Idee, und ich hoffe, dass sich noch viel mehr Leser daran beteiligen ![]()
Hier ist mein Beitrag dazu: ich mit “Rausch der Verwandlung”, das nicht nur meine aktuelle Lektüre, sondern auch mein absolutes Lieblingsbuch ist, beim Lesen auf dem Balkon.

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Einkaufsfreuden
2. August 2008 | notiert von: Eva
Heute war wieder mal Büchershoppen angesagt: Zuerst virtuell auf jokers.at, wo ich mich eine Stunde lang durch das Angebot geklickt und schließlich folgende Bücher bestellt habe:
• Gerhart Hauptmann: Tagebücher 1897-1905 (für 9,99 € statt 86,00 € Verlagspreis – da musste ich einfach zuschlagen, auch wenn ich von Hauptmann bisher nicht viel mehr wusste, als dass es ihn gibt)
• Nick Hornby: The Polysyllabic Spree
• The Library of Classic Poets, 4 Bände (Whitman, Dickinson, Longfellow & Browning)
• Richard Powers: Schattenflucht
Dann war ich noch bei Libro, wo mich ein Mängelexemplartisch unweigerlich in seinen Bann gezogen hat, dabei wollte ich mir eigentlich eine DVD kaufen. Verlassen habe ich den Laden dann ohne DVD, aber mit folgenden Büchern:
• Michel Faber: Die Unvollendete
• Thomas Lehr: 42
Besonders gespannt bin ich auf “Schattenflucht”, da mich Richard Powers mit “Galatea 2.2″ und “Der Klang der Zeit” sehr beeindruckt hat. Und über “42″ habe ich schon so viele kontroverse Meinungen gehört & gelesen, dass es wirklich an der Zeit wird, mir eine eigene zu bilden
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Untitled
2. August 2008 | notiert von: Eva

“Untitled” | ©Aron Wiesenfeld
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Leserückblick Juli
31. July 2008 | notiert von: Eva
Ich schaffe es nicht, zu jedem gelesenen Buch ausführlich etwas zu schreiben, aber ein paar Stichworte könnten sollten es doch sein. Hier der Leserückblick für den Juli:

Françoise Chandernagor: Das Kind im Turm
Rezension

Jane Austen: Emma
Mein zweiter Austen nach “Mansfield Park”, das ich sehr schätze. Äußerst amüsant, dieser feine, ironische Humor liegt mir sehr. Die Geschichte an sich: Nicht so meins – bin kein großer Fan von klassischen Liebesgeschichten. Am meisten mochte ich Emmas Vater – eine wunderbare, liebenswerte Figur, die mir bestimmt lange im Gedächtnis bleiben wird.

Tad Williams: Der Blumenkrieg
Nach der “Otherland”-Reihe, die zu den besten Leseerlebnissen des vorigen Jahres zählte, war ich sehr neugierig auf den “Blumenkrieg”. Leider hat es mich – im Vergleich zu “Otherland” – ein wenig enttäuscht. Die Geschichte ist zwar interessant & spannend, toller Humor, interessante Charaktere, aber etwas hat gefehlt. Es ist nicht ganz fair, das Buch nach “Otherland” zu beurteilen, aber es fällt mir schwer, es nicht zu tun. Insgesamt kann man vielleicht sagen, dass mir “Der Blumenkrieg” im Vergleich zu “Otherland” weniger “reif” vorkam.

Thomas Mann: Der Tod in Venedig
Zum zweiten Mal gelesen, beim ersten Mal einiges überlesen (da hatte ich anscheinend noch nicht die nötige Geduld für die etwas längeren Sätze), das mir jetzt sehr positiv aufgefallen ist (betrifft vor allem den Anfang des Buches). Die Geschichte an sich hat mich schon beim ersten Lesen fasziniert; beeindruckend, wie Mann die Obsession, die Gustav von Aschenbach Tadzio gegenüber entwickelt, langsam aufbaut.

H. G. Wells: Die Zeitmaschine
Dazu hier ein Beitrag.

Rosamunde Pilcher: September
Ein perfektes Buch für einen verregneten Tag, und von denen hatte ich in meinem Urlaub einige. Nicht viel Aufmerksamkeit verlangende und daher sehr entspannende Lektüre.

T. C. Boyle: Wassermusik
Liebe auf den ersten Satz, das Buch flacht gegen Ende hin allerdings ein wenig ab. Insgesamt aber eine absolut empfehlenswerte, spannende und vor allem sprachlich wirklich beeindruckende Geschichte. Hier habe ich etwas zu meinem ersten Eindruck geschrieben. Dass mein abschließender Eindruck von dem Buch weniger enthusiastisch klingt, liegt nicht unbedingt am Buch selbst, sondern daran, dass ich zu diesem Zeitpunkt so etwas wie eine “Leseüberdosis” hatte und die Lektüre deshalb nicht entsprechend würdigen konnte. Auf jeden Fall aber ein Buch, das ich noch einmal lesen werde – und das ist bei mir immer das beste Qualitätskriterium.

Patricia Cornwell: Die Dämonen ruhen nicht
Die Scarpetta-Reihe mag ich im Allgemeinen sehr gerne, auch wenn sie von Band zu Band immer schlechter wird (vor allem das Wiederauftauchen von Benton fand ich furchtbar – können die Toten nicht einfach tot bleiben?). “Die Dämonen ruhen nicht” gefällt mir vor allem wegen der Schilderung des Lebens von Jay Talley (ein Serientäter) im Mississippi-Delta – sehr atmosphärische Szenen.

Paul Auster: Die Kunst des Hungers
Interessante Essays (hier ein bisschen was zu einem Essay über Paul Celan) & Interviews. Paul Auster ist mir als Mensch und Schriftsteller durch dieses Buch sehr sympathisch geworden; gelesen habe ich noch keines seiner Werke, was sich aber bald ändern wird (”Mr. Vertigo” liegt schon auf dem SUB und “Im Land der letzten Dinge” werde ich dank Markus bei meinem nächsten Büchereinkauf in meinen Besitz bringen).

Marina Zwetajewa: Im Feuer geschrieben. Ein Leben in Briefen
Hier ein Beitrag, den ich kurz nach Beginn der Lektüre schrieb & der eigentlich alles Wesentliche sagt. An diesem Buch habe ich (vergleichsweise) lange gelesen; hauptsächlich deshalb, weil ich so lange wie möglich etwas davon haben wollte. Eine unvergessliche Reise durch Marina Zwetajewas Leben (die Briefe sind in chronologischer Reihenfolge, und decken alle wichtigen Stationen ihres Lebens ab), die mir die Verfasserin so nahe gebracht hat wie schon lange keinen Schriftsteller mehr.

Longos: Daphnis und Chloë
Eine bezaubernde Liebesgeschichte aus dem 3. Jahrhundert. Sehr schön die subtile Erotik, vor allem am Anfang der Geschichte, als Daphnis und Chloë erkennen, dass sie einander begehren. Das Buch hat mir Lust gemacht, mich endlich mal ausführlicher mit der griechischen Mythologie zu beschäftigen.

Margaret Atwood: Oryx und Crake
Zum zweiten Mal gelesen. M. Atwood zählt zu meinen liebsten Gegenwartsautorinnen; “Oryx und Crake” ist eine brillante Dystopie, sprachlich meisterhaft erzählt. Darauf gestoßen bin ich übrigens durch die beiden letzten Sätze, die in einem Forum mal jemand in seiner Signatur hatte und die mich so neugierig gemacht haben, dass ich mir das Buch sofort bestellen musste.

Stieg Larsson: Verblendung
Rezension
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Stieg Larsson – Verblendung
29. July 2008 | notiert von: Eva

Ich war schon lange nicht mehr so gespannt auf ein Buch wie auf “Verblendung”, den ersten Teil der Millenium-Trilogie des (leider) 2004 verstorbenen Schriftstellers Stieg Larsson. Es war diese Rezension von Lilly, die mich dazu gebracht hat, sofort in die Buchhandlung zu fahren und es zu bestellen, was sonst eher untypisch für mich ist. Und das, was mich so angesprochen hat, war Lillys Beschreibung der beiden Hauptcharaktere Mikael Blomqvist und Lisbeth Salander, zwei Figuren, deren Gegensätzlichkeit mich eine interessante Beziehungsdynamik erwarten ließ, und in dieser Erwartung wurde ich auch nicht enttäuscht.
Zum Inhalt: Mikael, ein wegen Verleumdung verurteilter Wirtschaftsjournalist, erhält von Henrik Vanger den Auftrag, ein altes Familiengeheimnis zu lösen: Das Verschwinden seiner Nichte Harriet, hinter dem er einen Mord vermutet. Mikael, der anfangs fest davon überzeugt ist, Henrik Vanger nicht helfen zu können, kommt schließlich zusammen mit der Privatermittlerin Lisbeth Salander hinter das schreckliche Geheimnis um Harriets Verschwinden und die Abgründe der Familie Vanger.
Der eigentliche Thrillerplot und die Aufklärung des Verbrechens sind zwar spannend, waren für mich aber nur zierendes Beiwerk. Die wahre Spannung ergibt sich aus dem Ermittlerduo Mikael & Lisbeth und ihrer Beziehung zueinander. Vor allem Lisbeth Salander ist eine der faszinierendsten Figuren, die mir seit langem untergekommen ist, auch wenn die Beschreibung ihrer Person erst mal wie ein klassisches Klischee klingt: Das des sozial inkompetenten Computergenies. Aber Larsson gelingt es, aus Lisbeth eine komplexe Figur zu machen – eine Figur mit Abgründen, die es manchen Lesern vielleicht nicht leicht macht, sie zu mögen. Mikael dagegen ist ein sympathischer, moralisch integrer Mann, der von den Frauen gemocht wird und anfangs nicht so recht weiß, was er von diesem schwierigen Mädchen halten soll. Doch die Zusammenarbeit an der Aufklärung des Verbrechens an Harriet Vanger lässt die beiden sich näher kommen, und die Darstellung dieser von Misstrauen und Unsicherheit geprägten Beziehung hat mich sehr bewegt.
Larsson nimmt sich viel Zeit um seine Charaktere einzuführen: Es dauert ca. 200 (oder sogar 300?) Seiten, bis die eigentliche Krimihandlung so richtig in Schwung kommt, und Mikael und Lisbeth treffen erst circa bei der Hälfte des Buches zum ersten Mal aufeinander. Gerade die Tatsache, dass er sich Zeit für die Figuren genommen hat, sehe ich allerdings als einen der großen Pluspunkte des Buches, weil die beiden dadurch sehr greifbar und dreidimensional werden.
Zu bemängeln sind: Ein paar logische Schwächen das Verschwinden der Nichte betreffend, die doch recht typische Auflösung dieses Verbrechens sowie die mit der Zeit etwas nervige Schleichwerbung (warum muss man unbedingt erwähnen, dass es eine Canon-Digitalkamera ist? Oder ein hab-vergessen-wie-die-Marke-heißt-Notebook?)
Der zweite Teil, “Verdammnis“, erscheint im September als Taschenbuch. Besonders freue ich mich darauf, mehr über Lisbeths Hintergrund zu erfahren, und natürlich darauf, wie es mit ihr und Mikael weitergeht. Und dann bleibt mir nur noch zu hoffen, dass die Taschenbuchausgabe des dritten Teils nicht allzu lange auf sich warten lässt – das HC kommt aus rein ästhetischen Gründen nicht in Frage, das würde im Bücherregal einfach nicht gut aussehen
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