Widmungen
16. October 2009 | notiert von: Eva
Ich mag Widmungen in Büchern, wenn sie außergewöhnlich sind. Wenn es nur heißt “Für ________ (beliebigen Namen einsetzen)” ist das natürlich wenig interessant, weil der Leser in den wenigsten Fällen weiß, wer diese geheimnisvolle Person ist (einen kurzen Artikel zum diesem Thema gibt es bei der Zeit Online).
Beim Durchsehen meiner Bücher kürzlich haben mich die Widmungen von Tad Williams an seinen Vater in seiner Otherland-Saga wieder mal zum Lachen gebracht:
Dieses Buch ist meinem Vater
Joseph Hill Evans
gewidmet, von Herzen.Eigentlich liest Vater keine Romane,
deshalb sollt ihm jemand Bescheid sagen,
sonst wird er es nie erfahren.
(Band 1)
Dieses Buch ist meinem Vater
Joseph Hill Evans
gewidmet, von Herzen.Aber wie schon gesagt,
Vater liest keine Romane. Er hat noch
gar nicht gemerkt, dass dieser Wälzer
ihm gewidmet ist. Das ist jetzt
der zweite Band – mal sehen, wie viele noch
kommen müssen, bis er es mitkriegt.
(Band 2)
Ihr wisst ja, wem dieses Buch gewidmet ist,
auch wenn er es immer noch nicht weiß.Mal sehen, mit ein bisschen Glück
können wir die Sache vielleicht
bis zum letzten Band geheimhalten.
(Band 3)
Die Antwort ist nein:
Mein Vater hat bis jetzt keines der Bücher
aufgeblättert und es folglich
immer noch nicht spitzgekriegt. Mir wird
wohl nichts übrigbleiben, als es
ihm irgendwann einfach zu sagen. Vielleicht
sollte ich es ihm schonend beibringen.“Alle Anwesenden, denen noch nie
jemand ein Buch gewidmet hat, drei Schritte
vor! Ups, Papa, Moment mal…”
(Band 4)
Und eine Widmung, die mich jedes Mal sehr berührt, ist in Forsters “Maurice” zu finden:
Begonnen 1913
Beendet 1914
Gewidmet einem glücklicheren Jahr
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Tagebuch meiner Nachgefühle
20. August 2009 | notiert von: Eva
Denn wenn ich selbst ein Tagebuch führe, so bestehen Zweifel daran, ob sich dieses Tagebuch auf Ereignisse im eigentlichen Sinn bezieht. Die Ereignisse des Liebeslebens sind derart belanglos, dass sie sich nur mit enormer Anstrengung auf die Ebene des Schreibens heben lassen: man verliert den Mut, wenn man, sich selbst beschreibend, festhält, was nur die eigene Plattheit zu erkennen gibt: “Ich habe heute X… in Gesellschaft von Y… getroffen”, “Heute hat X… mich nicht angerufen”, “X… war schlechter Laune” usw.: wer vermöchte darin eine Geschichte zu erkennen? Das geringfügige Ereignis existiert nur durch seinen gewaltigen Nachklang: Tagebuch meiner Nachgefühle (meiner Verletzungen, meiner Freuden, meiner Deutungen, meiner Gründe, meiner Anwandlungen): wer verstünde etwas davon?
- Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe
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Veronique Olmi – Meeresrand
20. August 2009 | notiert von: Eva

Ein Mutter macht sich mit ihren beiden Kindern auf eine Reise. Sie möchte, dass ihre Söhne einmal in ihrem Leben das Meer sehen. Aber was eine schöne, aufregende Zeit für die Familie werden soll, deren Alltag von den psychischen Problemen der Mutter geprägt ist, wird zu einem Versagen der Mutter an ihren Illusionen und ihrer Kraft.
Ein kurzes Buch (in meiner Ausgabe gerade mal 127 Seiten), aber in diesem Fall muss man wirklich sagen “Gott sei Dank ist es so kurz”. Nicht weil es so schlecht wäre, sondern weil es einem die Verzweiflung und Auswegslosigkeit der Protagonistin so nahe bringt, dass es schwer ist sich davon abzugrenzen. Die Geschichte wird in der ersten Person aus der Perspektive der namenlosen Mutter erzählt. Deren Gedanken, Ängste und Zweifel drängen sich dem Leser durch den Stil (sehr viel stream of consciousness) stark auf und man kann sich der wirklich unglaublich düsteren und tragischen Stimmung der Geschichte kaum entziehen.
Schon die Ankunft in der Stadt gestaltet sich als schwierig: Die Mutter ist überfordert, findet das Hotel nicht, es regnet. Die Unterkunft entpuppt sich dann als wenig einladend. Die Menschen in der Stadt werden als bedrohlich empfunden und auch das Meer zeigt, als sie es endlich mit ihren Kindern erreicht hat, nichts von seiner beruhigenden Schönheit, sondern wird zu einer weiteren Bedrohung. Auch ein Ausflug auf einen Vergnügungspark, ein letzter verzweifelter Versuch der Mutter so etwas wie Normalität herzustellen, wird zu einem deprimierenden Ereignis, so wie überhaupt jede Begegnung mit Menschen für sie eine Herausforderung ist, die nicht gemeistert werden kann.
Mich hat vor allem die Verzweiflung der Mutter sehr mitgenommen, ihre vielen Versuche, etwas Schönes für sich und ihre Kinder zu schaffen, Teil der “normalen” Welt zu werden und Dinge zu tun, die für andere selbstverständlich sind. Sie ist sich bewusst, dass sie als Mutter “versagt” hat, aber sie möchte es besser machen. Sie hat das Ideal einer perfekten Urlaubsreise vor sich – Sonne, Strand, blaues Meer, schönes Hotel, freundliche Menschen, Spaß etc. -, aber angefangen vom Wetter bis zu ihrem eigenen Unvermögen, sich von ihren Stimmungen und Gedanken zu befreien, stellt sich alles gegen sie. Ich habe mir mehrmals während des Lesens gedacht: Bitte mach dass zumindest etwas gut wird. Dass der Besuch im Café schön wird. Dass es zu regnen aufhört. Dass sie Spaß im Vergnügungspark haben. Einfach irgendwas, das diese Trostlosigkeit ein bisschen aufhebt.
“Meeresrand” ist ein wirklich erschütterndes Buch, dessen Ende man während des Lesens schon erahnt und trotzdem bis zum Schluss hofft, dass sich für die Protagonistin ein Ausweg finden lässt. Absolut empfehlenswert, aber vielleicht sollte man diese Geschichte nicht unbedingt an Tagen lesen, die sowieso schon düster oder traurig sind.
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Longlist Deutscher Buchpreis
20. August 2009 | notiert von: Eva
Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2009 hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wenig Bücher von zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren ich kenne (bzw. wie wenige Autoren überhaupt ich kenne – von der ganzen Liste sagen mir gerade mal 5 Namen was!). Die Anfänge der Romane werden bei Libreka als Leseproben angeboten.
Und ohne die Longlist hätte ich wohl auch erst wieder irgendwann in ferner Zukunft erfahren dass Thomas Glavinic und Wolf Haas, die ich beide sehr gerne lese, wieder neue Bücher herausgebracht haben bzw. bringen werden…
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Jodi Picoult – 19 Minuten
27. July 2009 | notiert von: Eva

19 Minuten braucht der 17-jährige Peter Houghton, um in einem Amoklauf 9 Mitschüler und einen Lehrer an seiner Schule zu töten. Aus der Sicht verschiedener Figuren, deren Leben unmittelbar mit dem Geschehen verknüpft ist, erzählt die Autorin von der Aufarbeitung dieser Tat und was ihr vorausgegangen ist.
Als großer Fan von Picoults “Beim Leben meiner Schwester” hatte ich mich schon sehr auf “19 Minuten” gefreut, weil mich die Thematik des Amoklaufs an Schulen schon bei “Wir müssen über Kevin reden” von Lionel Shriver sehr fasziniert hat und ich neugierig war, wie Jodi Picoult das Thema umsetzt. Leider fand ich die Umsetzung aber nicht so gelungen. Zum einen sind (was aber typisch ist für die Autorin) viele der Charaktere sehr klischeehaft. Die gerechte und hart arbeitende Richterin, die vernachlässigte Tochter derselben, der Freund der Tochter ein typischer Highschool-Star, der Prototyp eines auf der richtigen Seite des Gesetzes stehenden Polizisten (in den sich die Richterin dann auch noch verliebt)… irgendwie fehlte es fast allen Charakteren an Tiefe und Vielseitigkeit. Nur der Amokläufer selbst und seine Geschichte waren interessant gestaltet. Man ist zwischen Mitgefühl und Verständnis und gleichzeitigem Unverständnis seiner Tat gegenüber hin- und hergerissen.
Was mir gefehlt war einfach allgemein ein bisschen mehr Tiefe. Nachdem ich “Wir müssen über Kevin reden” gelesen hatte (ich kann einfach nicht anders als die beiden Bücher zu vergleichen), war ich sehr aufgewühlt und verstört, was nicht nur an dem überraschenden Ende lag, sondern einfach an der Eindringlichkeit der Geschichte. Das Buch hat mich damals sehr mitgenommen, und genau das hatte ich mir von “19 Minuten” auch erwartet: Dass es nicht eines der Bücher ist, die man liest und dann sofort wieder vergisst.
Um auch etwas Positives zu sagen (weil so schlecht fand ich das Buch dann auch wieder nicht): Es ist recht spannend, und vor allem die vielen Perspektiven, aus denen das Geschehen erzählt wird, machen das Lesen sehr abwechslungsreich. Vor allem gegen Ende hin wird es dann so richtig spannend, wenn man als Leser schon merkt dass hier noch etwas Unerwartetes kommt, obwohl ich sagen muss dass ich die “Überraschung” dann an sich nicht so gelungen und wenig nachvollziehbar fand.
Interessant fand ich auch die Verteidigungsstragie des Anwalts, Peter Houghton ebenso als Opfer darzustellen (jahrelanges Mobbing von den Mitschülern) und die Schuldfrage so in ein neues Licht zu rücken. Das hat mir schon ein paar Gedankenanstöße gegeben. Zusammenfassend kann ich sagen: Durchaus spannende und interessante Lektüre für zwischendurch, aber wenn man das Buch vor allem der Amoklauf-Thematik wegen lesen möchte, ist man mit “Wir müssen über Kevin reden” meiner Meinung nach besser bedient.
Und nachdem ich jetzt schon drei Bücher von Jodi Picoult gelesen habe muss ich noch sagen, dass es wirklich schade ist dass die Autorin ihre durchwegs interessanten Themen und Geschichten mit so stereotypen Charakteren besetzt. Wenn sie nur ein bisschen mehr Figurentiefe hätten, wären die Bücher nicht nur halbwegs gut bis gut, sondern vielleicht sogar mal “richtig gut”.
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Nachdruck alter Werke
25. July 2009 | notiert von: Eva
Amazon lässt in Zusammenarbeit mit der University of Michigan 400.000 alte, zum Teil nicht mehr im Handel erhältliche Werke digitalisieren. Die Bücher sollen dann nach dem Print-On-Demand-Prinzip erwerbbar sein. Näheres im taz-Artikel hier.
Schon faszinierend, die Vorstellung dass vielleicht irgendwann einmal, wenn diese Digitalisierungssache noch viel weiter fortgeschritten ist, jedes jemals erschienene Buch für jedermann erhältlich ist…
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Neues für die Galerie
25. July 2009 | notiert von: Eva
Gestern habe ich neues Spielzeug bekommen und bin schwer begeistert von meinen beiden neuen großen Lieben: Das Canon EF 85mm und das Tamron 17-55mm. Und hier die ersten gelungenen Testfotos:
Ich bin so begeistert von den neuen Objektiven dass ich befürchte dass ich jetzt noch weniger Zeit zum Lesen finden werde
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Leicht, das Leben aufzuzeichnen
17. July 2009 | notiert von: Eva
Der Leser hat leicht sagen: ‘Sie liebt eben den jungen Emerson.’ Säße der Leser an Lucys Stelle, würde ihm das keineswegs so selbstverständlich erscheinen. Es ist leicht, das Leben aufzuzeichnen, aber erschreckend zu leben, und wir heißen mit Freuden >die Nerven< oder jedwede andere Entschuldigung willkommen, die unser persönliches Verlangen verschleiert.
- E. M. Forster: Zimmer mit Aussicht
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Edward Morgan Forster
16. July 2009 | notiert von: Eva
“Maurice” von E. M. Forster ist eines der Bücher, das ich zu den besten zähle die ich in den letzten paar Jahren gelesen habe. Dementsprechend neugierig war ich auf seine anderen Werke, vor allem auf “Zimmer mit Aussicht” und “Wiedersehen in Howards End“, die auch durch ihre Verfilmungen bekannt sind (auch “Maurice” wurde sehr schön mit Hugh Grant in einer der Hauptrollen verfilmt). Letztes Wochenende habe ich dann “Wiedersehen in Howards End” gelesen und war ziemlich enttäuscht: Zwar war der Stil derselbe wie in “Maurice”, aber die Geschichte hat mich kaum angesprochen. Das lag vor allem an den beiden Protagonistinnen, die so oberflächlich und uninteressant waren, dass ich stellenweise wirklich nur noch genervt von dem Buch war.
Forster schreibt vor allem psychologisch sehr interessant. Bei “Maurice”, einer Geschichte um zwei homosexuelle Studenten in einer Zeit in der Homosexualität noch strafbar war, hat mich vor allem die wirklich intensive und prägnante Schilderung der Charaktere und die gute Ausarbeitung des psychologischen Hintergrundes der Problematik fasziniert. Und auch sprachlich hat es mich sehr angesprochen: Forster gelingt es immer wieder, bestimmte Gefühlszustände oder Ansichten so überzeugend in wenigen Worten oder kurzen Szenen auf den Punkt zu bringen, dass man nur neidisch werden kann.
Nachdem ich von Howards End so enttäuscht war habe ich mir gleich “Zimmer mit Aussicht” bestellt (die Hoffnung stirbt zuletzt
) und siehe da: Gestern habe ich begonnen es zu lesen und wollte gar nicht mehr aufhören. Da war es endlich wieder, das ersehnte “Maurice”-Feeling! Schon interessant, wie wichtig eine Identifikation mit den Figuren ist: Mit Lucy kann ich mich genauso wie mit Maurice sehr gut identifizieren und kann mit ihnen mitfühlen. Mit den beiden Schwestern aus Howards End hingegen konnte ich gar nichts anfangen und hatte deshalb nicht viel von der Geschichte. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann sind die Bücher die ich am liebsten habe auch die in denen deren Protagonisten mich an mich selbst erinnern (oder manchmal auch einfach so sind wie ich gerne wäre). Mich würde interessieren, ob meine Leser das an sich auch so beobachten können, also erzählt mal!
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Google & ich – Teil 3
16. July 2009 | notiert von: Eva
Ein paar lustige und seltsame Suchanfragen sind wieder zusammengekommen
Buch wie man sich ändert
Ob ein Buch da helfen kann?
zitate für den schlimmsten vater der welt
Da hatte wohl jemand dann keinen schönen Vatertag…
wikinger heiraten
Dürfte schwer sein heutzutage noch einen echten Wikinger zu finden!
die frau mit dem muttermal eigene meinung
Deine eigene Meinung wirst du aber nicht im Internet finden!
bibliomanie maren
Maren, da hat dich jemand gesucht!
nicht menschen!!!
Lieber Aliens?
gebackenes schaf
Nö, bei mir gibt’s nur gebackenes Kamel!
Fotograf wurde in höhle von untier
… was? Gefressen? Das wüsste ich jetzt schon gerne!
anton aus tirol akkorde
Bei aller Toleranz, aber das wird auf meinem Blog hier bestimmt niemals jemand finden!
wie brust berühren?
Immer schön vorsichtig, dann klappt das schon!
das Mondschaf war hier
Och, mich besucht es nie…
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