Pygmalion
notiert von: Eva
- ”Pygmalion und Galatea”, Jean-Léon Gérôme (um 1892) | Quelle: www.artrenewal.org
Durch die Fehle gekränkt, die dem weiblichen Sinne so häufig
Gab die Natur, verlebte Pygmalion ohne Genossin
Einsame Tag’, und entbehrt’ ehlos des geselligen Lagers.
Jetzt mit bewunderter Kunst voll Leichtigkeit schnitzet er helles
Elfenbein und gibt ihm Gestalt, wie nimmer noch aufwuchs
Irgendein Weib, und betrachtet sein Werk mit inniger Liebe.
So beginnt die Geschichte von Pygmalion in Ovids “Metamorphosen”. Pygmalion, der König von Zypern, hat sich von den Frauen abgewandt. Er schnitzt eine Statue aus Elfenbein, eine Frauenfigur, in die er sich verliebt. Er bringt ihr Geschenke, schmückt sie und behandelt sie wie einen echten Menschen:
Mit Gewand’ auch schmückt er die Glieder,
Gibt an die Finger Gestein, gibt hangende Schnüre dem Halse,
Und läßt Perlen am Ohr, um die Brust ihr schweben die Kettlein,
Alles geziemt; doch scheint sie auch nackt nicht weniger lieblich.
Diese legt er auf Decken, gefärbt in sidonischem Purpur,
Nennt sie trauteste Gattin und streckt dem gelehneten Nacken
Weich umwallenden Flaum, als ob sie fühlte, zum Lager.
Immer verzweifelter wird er in seiner Liebe zu seiner Schöpfung und bittet schließlich Venus, sie möge ihm eine Gefährtin schenken, die seiner Statue ähnlich ist. Venus aber erkennt seinen geheimen Wunsch und als Pygmalion zurückkehrt und die geliebte Statue küsst, wird sie in seinen Armen lebendig:
Endlich vereint er
Zum nicht täuschenden Munde den Mund: die gegebenen Küsse
Fühlt die Errötende, hebt zu dem Lichte die leuchtenden Augen
Schüchtern empor und schaut mit dem Himmel zugleich den Geliebten.
Der ganze Text ist hier zu finden.
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