Stärker als der Tod

notiert von: Eva

Ich möchte von meiner tiefen Überzeugung sprechen, dass es etwas gibt, das stärker ist als der Tod, das den Tod überlebt und besiegt, aber die Liebe ist es gewiss nicht, mag sie auch noch so oft in Gedichten, Romanen, Theaterstücken, Opernarien und Todesanzeigen beschworen werden. Liebe und Tod gehen eine dunkle Verbindung ein, Eros und Thanatos sind rätselhaft miteinander verwoben, und die Geschichte der Gefühle erzählt immer auch die Geschichte des Verlustes. Eros, Liebe, ist nach Freud das Bedürfnis, enge Verbindungen einzugehen, Thanatos, Tod, löst alle Verbindungen auf. Sie sind Gegenspieler und doch untrennbar verbunden, und nun kommt etwas Drittes ins Spiel: die Kunst, vor allem die Musik, ihr Thema ist Pathos, das Leiden an dieser Verbindung.

Wir vergehen. Die Liebe erlischt. Der Tod räumt ab. Die Geschichten, die Bilder, die Musik bleiben, erzählen von uns, durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende, verändern sich, gewiss, aber: bleiben.

In den Opern und auch in den Theaterstücken, die Sie in den nächsten Tagen sehen werden – Schuld und Sühne, Jedermann, Die Räuber – ist alles da: Liebe und Tod sitzen immer mit am Tisch und sind nicht zu trennen. Gevatter Tod, sagen wir, Bruder Tod, Schlafes Bruder. Wenn der Tod aber unser Bruder ist, ist dann die Liebe die Schwester?
Und: Wer wären die Eltern?

Aus der Festrede von Elke Heidenreich, die sie anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele 2008, die unter dem Motto “Denn stärker als die Liebe ist der Tod” stehen, hielt. Die ganze Rede findet man hier.

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