Stieg Larsson – Verblendung

notiert von: Eva

VerblendungIch war schon lange nicht mehr so gespannt auf ein Buch wie auf “Verblendung”, den ersten Teil der Millenium-Trilogie des (leider) 2004 verstorbenen Schriftstellers Stieg Larsson. Es war diese Rezension von Lilly, die mich dazu gebracht hat, sofort in die Buchhandlung zu fahren und es zu bestellen, was sonst eher untypisch für mich ist. Und das, was mich so angesprochen hat, war Lillys Beschreibung der beiden Hauptcharaktere Mikael Blomqvist und Lisbeth Salander, zwei Figuren, deren Gegensätzlichkeit mich eine interessante Beziehungsdynamik erwarten ließ, und in dieser Erwartung wurde ich auch nicht enttäuscht.

Zum Inhalt: Mikael, ein wegen Verleumdung verurteilter Wirtschaftsjournalist, erhält von Henrik Vanger den Auftrag, ein altes Familiengeheimnis zu lösen: Das Verschwinden seiner Nichte Harriet, hinter dem er einen Mord vermutet. Mikael, der anfangs fest davon überzeugt ist, Henrik Vanger nicht helfen zu können, kommt schließlich zusammen mit der Privatermittlerin Lisbeth Salander hinter das schreckliche Geheimnis um Harriets Verschwinden und die Abgründe der Familie Vanger.

Der eigentliche Thrillerplot und die Aufklärung des Verbrechens sind zwar spannend, waren für mich aber nur zierendes Beiwerk. Die wahre Spannung ergibt sich aus dem Ermittlerduo Mikael & Lisbeth und ihrer Beziehung zueinander. Vor allem Lisbeth Salander ist eine der faszinierendsten Figuren, die mir seit langem untergekommen ist, auch wenn die Beschreibung ihrer Person erst mal wie ein klassisches Klischee klingt: Das des sozial inkompetenten Computergenies. Aber Larsson gelingt es, aus Lisbeth eine komplexe Figur zu machen – eine Figur mit Abgründen, die es manchen Lesern vielleicht nicht leicht macht, sie zu mögen. Mikael dagegen ist ein sympathischer, moralisch integrer Mann, der von den Frauen gemocht wird und anfangs nicht so recht weiß, was er von diesem schwierigen Mädchen halten soll. Doch die Zusammenarbeit an der Aufklärung des Verbrechens an Harriet Vanger lässt die beiden sich näher kommen, und die Darstellung dieser von Misstrauen und Unsicherheit geprägten Beziehung hat mich sehr bewegt.

Larsson nimmt sich viel Zeit um seine Charaktere einzuführen: Es dauert ca. 200 (oder sogar 300?) Seiten, bis die eigentliche Krimihandlung so richtig in Schwung kommt, und Mikael und Lisbeth treffen erst circa bei der Hälfte des Buches zum ersten Mal aufeinander. Gerade die Tatsache, dass er sich Zeit für die Figuren genommen hat, sehe ich allerdings als einen der großen Pluspunkte des Buches, weil die beiden dadurch sehr greifbar und dreidimensional werden.

Zu bemängeln sind: Ein paar logische Schwächen das Verschwinden der Nichte betreffend, die doch recht typische Auflösung dieses Verbrechens sowie die mit der Zeit etwas nervige Schleichwerbung (warum muss man unbedingt erwähnen, dass es eine Canon-Digitalkamera ist? Oder ein hab-vergessen-wie-die-Marke-heißt-Notebook?)

Der zweite Teil, “Verdammnis“, erscheint im September als Taschenbuch. Besonders freue ich mich darauf, mehr über Lisbeths Hintergrund zu erfahren, und natürlich darauf, wie es mit ihr und Mikael weitergeht. Und dann bleibt mir nur noch zu hoffen, dass die Taschenbuchausgabe des dritten Teils nicht allzu lange auf sich warten lässt – das HC kommt aus rein ästhetischen Gründen nicht in Frage, das würde im Bücherregal einfach nicht gut aussehen ;)

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Kommentare

9 Kommentare zu “Stieg Larsson – Verblendung”

  1. Lilly am 30. July 2008 03:07

    Ich hab mich auch ständig gefragt- wenn Anita und Cecilia so ein gutes Verhältnis zu einander hatten- hat Anita dennoch dicht gehalten?
    (fänd ich unlogisch)
    Und wenn nicht- wie konnte Cecilia es zulassen, dass Henrik sich all die Jahre so quält?

    Ich werd in den nächsten 2-3 Wochen auf jeden Fall das nächste Buch lesen.
    Freu mich schon auf deine Meinung. :-)

  2. Eva am 30. July 2008 06:58

    Ja, genau. Und was ich auch nicht verstanden habe: Dass sie nicht damals schon auf das mit den Bibelzitaten gekommen sind, wo sie doch von Harriets plötzlicher Religiosität wussten? (Ich musste sofort an die Bibel denken, einfach weil sowas schon so oft in Krimis/Filmen vorgekommen ist.)
    Ich habe dann doch beschlossen, auf die Taschenbücher zu warten, deshalb wird es auch leider nichts mit der Leserunde im Forum. Ich mag das, wenn ich auf etwas warten muss, das erhöht die Vorfreude :)

  3. Lilly am 30. July 2008 17:33

    Jop, kann ich verstehen. Ging mir mit den Harry Potter-Teilen genauso.

    Ja, da waren noch ein paar mehr Dinge. Der stinkreiche Henrik, der angeblich über Jahre hinweg jeden Stein umgedreht hat- und dann ist er nichtmal darauf gekommen, dass sich in den Fotoarchiven noch mehr Bilder befinden könnten?
    Nicht er und auch die professionellen Ermittler nicht? Mmh.

    Aber sei’s drum. Ich fande, wie du, andere Aspekte des Romans spannender. :-)

  4. Maren am 30. July 2008 20:12

    Ich möchte das auch unbeidngt endlich mal lesen. Nur WANN…?! ;) Zwar kaufe ich ständig Bücher, aber irgendwie “vergesse” ich dieses dann immer oder andere sind mir wichtiger.

    Ich werd das mal im Hinterkopf behalten…

  5. Eva am 30. July 2008 20:47

    Wann? SOFORT ;)
    Denk einfach morgen wenn du zur Arbeit gehst und an der Buchhandlung vorbeikommst an meinen Befehl & nimm es gleich mit ;)

  6. Maren am 30. July 2008 21:00

    Neinneinnein!!
    Das geht doch nicht. Ich habe diesen Monat 11 Bpcher gekauft und 5 geliehen. Und nur 7 gelesen. Und zumindest die nächsten 2 Bücher sind schon “verplant” (also die nächsten, die ich lesen werde/möchte). Ich muss mich da doch mental draf einstellen ;)
    Aber erinner mich doch in ca 4 Wochen nochmal dran, ja? ;)

  7. Eva am 31. July 2008 13:15

    Verlass dich drauf, das mach ich bestimmt :D

  8. Maren am 31. July 2008 21:55

    Und wehe, du vergisst es! ;)

  9. Stieg Larsson - Verdammnis am 24. August 2008 11:44

    [...] hätte wirklich nicht gedacht, dass nach “Verblendung” noch etwas Besseres kommen kann, aber Stieg Larsson hat es geschafft und sich mit [...]

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