Und doch kann ich mir einen Stil vorstellen: einen Stil, der schön wäre, den jemand eines Tages schreiben wird, in zehn Jahren oder zehn Jahrhunderten, und der rhythmisch wäre wie Verse, genau wie die Sprache der Wissenschaft, mit den Schwingungen und dem Brummen eines Cellos, mit sprühendem Feuer, ein Stil, der wie ein Dolchstoß in die Idee eindränge und bei dem unser Denken endlich über glatte Flächen glitte wie wenn man mit einem guten Rückenwind im Boot dahinfährt.
› Gustave Flaubert an Louise Colet, 24.4.1852
Der ganze Wert meines Buches, wenn es einen hat, wird darin bestehen, dass es mir gelungen ist, auf einem Haar zu gehen, das über dem doppelten Abgrund des Lyrismus und des Vulgären (die ich in einer erzählenden Analyse verschmelzen will) gespannt ist. Wenn ich daran denke, was das sein kann, bin ich davon geblendet. Wenn ich aber dann daran denke, dass mir so viel Schönheit anvertraut ist, überfallen mich Koliken des Schreckens, so dass ich fliehen möchte, um mich irgendwo zu verstecken.
› Gustave Flaubert an Louise Colet, 20./21.3.1852
Was mir schön erscheint und was ich machen möchte, ist ein Buch über nichts, ein Buch ohne äußere Bindung, das sich selbst durch die innere Kraft seines Stils trägt, so wie die Erde sich in der Luft hält, ohne gestützt zu werden, ein Buch, das fast kein Sujet hätte, oder bei dem das Sujet zumindest fast unsichtbar wäre, wenn das möglich ist. Die schönsten Werke sind jene, die die wenigste Materie enthalten; je mehr der Ausdruck sich dem Gedanken nähert, je enger das Wort daran haftet und verschwindet, um so schöner ist es. Ich glaube, dass die Zukunft der Kunst in dieser Richtung liegt. Ich sehe, dass sie je mehr sie wächst, soweit wie möglich immer ätherischer wird, von den ägyptischen Pylonen bis zu den gotischen Spitzbogen und von den Gedichten der Inder mit zwanzigtausend Versen bis zu den Aufschwüngen Byrons. Die Form verfeinert sich, während sie geschmeidiger wird. Sie gibt alle Liturgie, alle Regel, alles Maß auf; sie verlässt das Epische zugunsten des Romans, den Vers zugunsten der Prosa; sie kennt keine Orthodoxie mehr an und ist frei wie der Wille, der sie hervorbringt. Diese Befreiung vom Stofflichen findet sich in allem wieder, die Regierungen sind ihr gefolgt von den orientalischen Despotien bis zu den zukünftigen sozialistischen Regierungsformen.
Es gibt deshalb keine schönen oder hässlichen Themen, und mann könnte fast als Axiom aufstellen, wenn man sich auf den Standpunkt der reinen Kunst stellt, dass es überhaupt keines gibt, dass der Stil für sich allein eine absolute Art und Weise ist, die Dinge zu sehen.
› Gustave Flaubert an Louise Colet, 16.1.1852
Niemand auf der Welt bekommt soviel dummes Zeug zu hören wie die Bilder in einem Museum.
› Edmond Huot de Goncourt
…und unsere eigenen Traurigkeiten werden wir nicht mehr alleine ertragen müssen, in den Gefahren der Novembernachmittage, an einem Fenster. Stoßen wir an auf deine verfrühte Ankunft, Liebste; alles bewegt sich wieder.
› Hans-Eckardt Wenzel: Antrag auf Verlängerung des Monats August