Ex Libris

Er wird eines Tages sterben! dachte Carl Joseph. Sterben wird er und begraben werden. Ich werde bleiben.

Joseph Roth: Radetzkymarsch

Zum erstenmal fühlte Carl Joseph den dürren Arm des Vaters an der Brust. Die väterliche Hand im dunkelgrauen Glacéhandschuh lag in leicht gekrümmter Zutraulichkeit auf dem blauen Ärmel der Uniform. Es war dieselbe Hand, die, hager und zürnend, umscheppert von der steifen Manschette, mahnen konnte und warnen, mit leisen und spitzen Fingern in Papieren blättern; die Schubladen mit grimmen Ruck in ihre Fächer stieß, Schlüssel so entschieden abzog, dass man glauben konnte, die Schlösser seien für alle Ewigkeit versperrt. Es war die Hand, die mit lauernder Ungeduld auf die Tischkante trommelte, wenn es nicht nach dem Willen ihres Herrn ging, und an die Fensterscheibe, wenn im Zimmer irgendeine Verlegenheit entstanden war. Diese Hand hob den mageren Zeigefinger, wenn jemand im Haus etwas unterlassen hatte, ballte sich zur stummen, niemals aufschlagenden Faust, bettete sich zärtlich um die Stirn, nahm behutsam den Zwicker ab, bog sich leicht um das Weinglas, führte die schwarze Virginia liebkosend zum Mund. Es war die linke Hand des Vaters, dem Sohn seit langem vertraut. Und dennoch war es, als erführe er jetzt erst, dass es die Hand des Vaters war, die väterliche Hand. Carl Joseph verspürte das Verlangen, diese Hand an seine Brust zu drücken.

Joseph Roth: Radetzkymarsch

Ich denke: „Etwas ist mir förmlich in die Augen gesprungen, und doch kann ich es nicht sehen.“

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

Das Verbrechen, das wir in uns tragen, muss sich gegen uns selbst richten.

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

Aber meine Folterer waren nicht an Schmerzgraden interessiert. Sie waren nur daran interessiert, mir zu zeigen, was es hieß, in einem Körper zu leben, als Körper zu leben, ein Körper, der nur so lange Vorstellungen über Gerechtigkeit haben kann, wie er heil und gesund ist, der sie sehr bald vergisst, wenn man seinen Kopf festklammert und ein Schlauch gewaltsam in die Speiseröhre geschoben wird und literweise Salzwasser hindurchgegossen wird, bis er hustet und würgt und um sich schlägt und sich entleert.

Sie kamen nicht, um aus mir herauszupressen, was ich zu den Barbaren gesagt hatte und was die Barbaren zu mir gesagt hatten. Daher hatte ich keine Gelegenheit, ihnen die hochtrabenden Worte ins Gesicht zu schleudern, die ich mir zurechtgelegt hatte. Sie kamen in meine Zelle, um mir zu zeigen, was es bedeutet, menschlich zu sein, und im Verlauf einer Stunde haben sie mir sehr viel gezeigt.

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

Es scheint alles eins zu sein, ob ich mich neben sie lege und einschlafe oder ob ich sie in ein Laken wickele und im Schnee begrabe.

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

Aber bei dieser Frau kommt es mir so vor, als gäbe es kein Inneres, nur eine Oberfläche, über die ich hin und her jage und Einlass suche.

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

Ich wollte nie mehr als ein ruhiges Leben in ruhigen Zeiten.

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

Das Reich verlangt nicht, dass seine Diener sich lieben, nur dass sie ihre Pflicht tun.

John M. Coetzee: Warten auf die Barbaren

In einem Satz sollten nicht mehr als eine Million Ameisen vorkommen, es sei denn, es handelt sich um eine wissenschaftliches Werk über Ameisen.

Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher

Bei einem Dichter klauen ist Diebstahl, bei vielen Dichtern klauen ist Recherche.

Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher

Ich war so tief gesunken, dass ich, vor die Wahl gestellt, mich in eine Frau zu verlieben oder ein gutes Buch über die Liebe zu lesen, das Buch vorgezogen hätte!

Nikos Kazantzakis: Alexis Sorbas

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