Der Trost wäre nur: es geschieht ob Du willst oder nicht. Und was Du willst, hilft nur unmerklich wenig. Mehr als Trost ist: Auch Du hast Waffen.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 12.06.1923
Der Trost wäre nur: es geschieht ob Du willst oder nicht. Und was Du willst, hilft nur unmerklich wenig. Mehr als Trost ist: Auch Du hast Waffen.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 12.06.1923
Früher wenn ich einen Schmerz hatte und er verging, war ich glücklich, jetzt bin ich nur erleichtert, habe aber das bittere Gefühl: “wieder gesund, nicht mehr”.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 09.03.1922
Die abweisende Gestalt, die ich immer traf, war nicht die welche sagt: Ich liebe Dich nicht, sondern welche sagt: “Du kannst mich nicht lieben, so sehr Du es willst, Du liebst unglücklich die Liebe zu mir, die Liebe zu mir liebt Dich nicht.” Infolgedessen ist es unrichtig zu sagen, dass ich das Wort “Ich liebe Dich” erfahren habe, ich habe nur die wartende Stille erfahren, welche von meinem “Ich liebe Dich” hätte unterbrochen werden sollen, nur das habe ich erfahren, sonst nichts.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 12.02.1922
Zu sagen, dass Du mich verlassen hast, wäre sehr ungerecht, aber dass ich verlassen war, und zeitweise schrecklich, ist wahr.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 25.01.1922
Das Zögern vor der Geburt. Gibt es eine Seelenwanderung, dann bin ich noch nicht auf der untersten Stufe. Mein Leben ist das Zögern vor der Geburt.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 24.01.1922
Ohne Vorfahren, ohne Ehe, ohne Nachkommen, mit wilder Vorfahrens-, Ehe- und Nachkommens-lust. Alle reichen mir die Hand: Vorfahren, Ehe und Nachkommen, aber zu fern für mich.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 21.01.1922
Die Sehnsucht nach dem Land? Es ist nicht gewiss. Das Land schlägt die Sehnsucht an, die unendliche.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 20.01.1922
Ein Augenblick Denken: Gib Dich zufrieden, lerne (lerne 40jähriger) im Augenblick zu ruhn (doch, einmal konntest Du es). Ja im Augenblick, dem schrecklichen. Er ist nicht schrecklich, nur die Furcht vor der Zukunft macht ihn schrecklich. Und der Rückblick freilich auch. Was hast Du mit dem Geschenk des Geschlechtes getan? Es ist misslungen, wird man schließlich sagen, das wird alles sein. Aber es hätte leicht gelingen können. Freilich eine Kleinigkeit und nicht einmal erkennbar, so klein ist sie, hat es entschieden. Was findest Du daran? Bei den größten Schlachten der Weltgeschichte ist es so gewesen. Die Kleinigkeiten entscheiden über die Kleinigkeiten.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 18.01.1922
Unentrinnbare Verpflichtung zur Selbstbeobachtung: Werde ich von jemandem andern beobachtet, muss ich mich natürlich auch beobachten, werde ich von niemandem sonst beobachtet, muss ich mich umso genauer beobachten.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 07.11.1921
Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie. Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 18.10.1921
Er hat das Gefühl, dass er sich dadurch dass er lebt den Weg verstellt. Aus dieser Behinderung nimmt er dann wieder den Beweis dafür, dass er lebt.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 13.01.1920
Du hast soweit diese Möglichkeit überhaupt besteht, die Möglichkeit einen Anfang zu machen. Verschwende sie nicht. Du wirst den Schmutz, der aus Dir aufschwemmt, nicht vermeiden können, wenn Du eindringen willst. Wälze Dich aber nicht darin. Ist die Lungenwunde nur ein Sinnbild, wie Du behauptest, Sinnbild der Wunde, deren Entzündung Felice und deren Tiefe Rechtfertigung heißt, ist dies so, dann sind auch die ärztlichen Ratschläge (Licht Luft Sonne Ruhe) Sinnbild. Fasse dieses Sinnbild an.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 15.09.1917
Bin ich verurteilt, so bin ich nicht nur verurteilt zum Ende sondern auch verurteilt mich bis ins Ende hinein zu wehren.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 20.07.1916
Die Gegenwart ist gespenstisch, ich sitze nicht am Tisch, sondern umflattere ihn.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 03.05.1915
Die unendliche Anziehungskraft Russlands. Besser als die Troika Dost. erfasst es das Bild eines großen unübersehbaren Stromes mit gelblichem Wasser, das überall Wellen aber nicht allzuhohe Wellen wirft. Wüste zerzauste Heide an den Ufern, geknickte Gräser. Nichts erfasst das, verlöscht vielmehr alles.
› Franz Kafka: Die Tagebücher III | 14.02.1915