Leserückblick Februar 2010
10. March 2010 | notiert von: Eva

Peter Hoeg: Das stille Mädchen
Eine ganz große Enttäuschung. Von diesem Buch hatte ich mir, nachdem ich von Hoeg vor langer Zeit mal “Der Plan von der Abschaffung der Dunkelheit” gelesen hatte, viel mehr erwartet. Das war definitiv eines der schlechtesten und nervigsten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Erstens ist die Hauptfigur einfach nur unsympathisch, zweitens ist die Handlung sehr verworren durch haufenweise geheimnisvolle Andeutungen und verwirrende Zeitsprünge, drittens sind die Dialoge einfach nur gräßlich: Möglichst viel Philosophie und pseudo-tiefe Lebensanschauungen verpackt in dadurch total unrealistische und künstliche Gespräche.
Ich war wirklich froh als ich die letzte Seite hinter mir hatte. Normalerweise breche ich Bücher die mir so gar nicht liegen ohne schlechtes Gewissen ab, aber ich war doch noch gespannt auf die Auflösung der ganzen Geschichte, allerdings war auch die nicht wirklich verständlich und verworren. Ein totaler Reinfall, leider. Trotzdem wäre ich neugierig auf seinen Erfolgsroman “Fräulein Smillas Gespür für Schnee” – schlimmer kann es ja nun nicht werden…

Alexander Solschenizyn: Krebsstation Teil I und II
Solschenizyn verarbeitet in diesen beiden Romanen seine Erfahrungen, die er auf der Krebsstation eines russichen Krankenhauses während seiner Verbannung machte. Er beschreibt die spezielle Atmosphäre dieser Station und die dadurch entstehenden Beziehungen zwischen den Patienten, aber auch die der Patienten mit dem Krankenhauspersonal, sehr anschaulich. Die Ängste vor der Erkrankung, die Hoffnungslosigkeit, die persönlichen Hintergründe jedes einzelnen seiner Protagonisten, die Schwierigkeiten die sich ergeben, wenn man aus der vertrauten Umgebung in eine Krankenanstalt kommt und sich mit den Mitpatienten und dem neuen Tagesrhythmus zurechtfinden muss, der Umgang des Pflegepersonals mit den Kranken… alles wirkt authentisch und ich war während des Lesens sehr in die Atmosphäre des Buches eingebunden.
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saprolat – selected photography
8. March 2010 | notiert von: Eva

Ein interessantes und noch junges Blog-Projekt ist “saprolat – selected photography“, das vor kurzem fast schon vor dem Aus stand und jetzt glücklicherweise doch weitergeführt wird.
In diesem Projekt stellen Fotografen ausgewählte Fotos anderer Fotografen vor. Das Besondere daran ist die intensive Beschäftigung mit einem bestimmten Foto, die den Betrachter dazu einladen soll, sich auf das Bild einzulassen und ihm Zeit zu widmen. Ich mag die Idee deshalb gerne, weil ich selbst auf vielen Fotoseiten unterwegs bin um mir Inspiration zu suchen oder einfach nur um schöne Bilder anzuschauen, aber durch die große Menge an Fotos ist das eine meist recht oberflächliche Angelegenheit. Sich in Ruhe mit einem Bild und allen seinen Details auseinanderzusetzen ist, wie ich festgestellt habe, sehr spannend (und für jemanden wie ich der meistens sehr hektisch und schnell unterwegs ist eine gute Therapie
).
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Neuzugänge Jokers
8. March 2010 | notiert von: Eva
Ich habe wieder mal bei Jokers zugeschlagen und meine Briefe/Tagebücher-Sammlung sowie meine Kunstbändesammlung fleißig erweitert:
• Eugène Delacroix: Mein Tagebuch
• Hans Albert/Karl Popper: Briefwechsel
• Oscar Wilde: Die Wahrheit der Lüge
• Eduard Mörike: Brautbriefe
• Calamity Jane: Briefe an meine Tochter (darauf bin ich schon besonders neugierig, bin gespannt was so eine Western-Lady alles zu erzählen hat
)
• Nicole Bröhan: Otto Dix
• Milena Jesenská: Ich hätte zu antworten tagelang und nächtelang
• Stewart O’Nan: Das Glück der anderen
• Gerry Souter: Amerikanischer Realismus
• Dietmar Elger: Expressionismus
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Leserückblick Jänner 2010
6. February 2010 | notiert von: Eva

Simon Beckett: Die Chemie des Todes
Von dem Buch habe ich mir zum Glück von vornherein nicht allzuviel erwartet, sonst wäre ich sehr enttäuscht worden. Ein typischer Thriller der mit seinen stereotypen Charakteren alle Klischees ausreizt. Am Schlimmsten war das Ende: Die wirklich schon ausgelutschte “die Freundin des Ermittlers gerät in die Fänge des Täters”-Story. Von Simon Beckett werde ich bestimmt kein Buch mehr lesen.

Henning Mankell: Der Chinese
Eine spannende Ausgangssituation: Fast alle Bewohner eines winziges Dorf werden brutal ermordert. Während die Polizei an der Aufklärung dieses ungewöhnlichen Verbrechens arbeitet, verfolgt die Richterin Birgitta Roslin eine eigene Spur. Anfangs fand ich das Buch noch sehr spannend und ansprechend, aber im letzten Drittel kam mir die Handlung zum Teil dann doch zu konstruiert vor und es passierten zu viele Zufälle, die einfach nicht mehr glaubwürdig waren. Vom Stil her ist es aber Mankell wie gewohnt, was einen über die Schwächen zum Teil hinwegsehen lässt.

Georges Simenon: Im Falle eines Unfalls
Von dem Buch ist mir eigentlich nicht viel in Erinnerung geblieben, weder positiv noch negativ.

Stephen King: Die Arena
Ich hatte mich schon sehr auf Kings neuestes Buch gefreut, aber leider muss ich sagen dass ich es recht schwach finde im Vergleich zu seinen anderen Büchern diesen Umfangs. Die Geschichte an sich (eine Kleinstadt wird plötzlich von einer undurchdringbaren durchsichtigen Kuppel umschlossen) ist sehr interessant und bietet viel Potenzial, aber die handelnden Figuren haben mich sehr enttäuscht, und gerade das mochte ich bei King immer so gerne: Die interessanten Charaktere. In “Die Arena” sind es leider nur Klischees: Der tapfere Held und die tapfere Heldin sind langweilig, die “Bösen” sind einfach nur böse und “Big Jim”, der Oberboss der gegnerischen Seite, erinnert sehr an Greg Stillman aus “Dead Zone”. Ich werde bald mal seinen vor einiger Zeit neu erschienen Kurzgeschichtenband erwerben und hoffen, dass der mich nicht auch enttäuscht.

Fernanda Eberstadt: Liebeswut
Als ich das Buch vor einigen Jahren zum ersten Mal gelesen hatte, war ich restlos begeistert und dachte “das ist die beste Liebesgeschichte die ich jemals gelesen habe”. Als ich es mir vor kurzem dann gekauft habe war ich natürlich neugierig ob meine Meinung immer noch die gleiche ist. Im Großen und Ganzen hat mir das Buch beim zweiten Lesen auch sehr gefallen, aber als “beste Liebesgeschichte aller Zeiten” würde ich es nicht mehr bezeichnen, dafür haben mich dann doch ein paar Sachen gestört (das Buch hätte zum Beispiel gut um ein Viertel gekürzt werden können). Erzählt wird die Geschichte von Gwen und Gideon, zwei sehr unterschiedliche Menschen, die sich tief in die Liebe zueinander stürzen. Von dem Anfang ihrer Beziehung über die Heirat, die Geburt ihrer Tochter, bis hin zum tragischen Ende durchleuchtet die Autorin die Veränderungen die die beiden durchmachen. Sehr ansprechend fand ich vor allem den Teil in dem Gwen, die nie Kinder wollte, schwanger wird. Eberstadt beschreibt hier sehr präzise und einfühlsam wie es ist, auf einmal ein Lebewesen in sich zu tragen und die Veränderung, die mit der Mutterschaft einhergeht. Auch die Beschreibungen der “Liebesgefühle” sind zum Teil sehr originell und wirklich schön.

Max Frisch: Homo Faber
Schon sehr oft und immer wieder gerne gelesen. Die Geschichte des Ingenieurs Walter Faber der sich unwissend in seine Tochter verliebt ist für mich einfach zeitlos. Ich mag auch Frischs Sprache in diesem Buch sehr gerne, die ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist aber einfach perfekt zum analytischen Denken des Protagonisten passt.

Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe
Eine klassische Schullektüre. Keller lässt hier das uralte “Romeo und Julia”-Motiv wieder auferstehen und erzählt die Geschichte von Sali und Vreni, zwei Bauernkinder, die durch einen Streit ihrer Väter voneinander getrennt , bis sie eine heimliche Liebschaft beginnen, die in ihrem gemeinsamen Freitod endet. Ich fand die Geschichte wirklich rührend erzählt, bin aber der Meinung dass das wirklich kein Buch ist mit dem man Jugendliche begeistern kann (bis vielleicht auf die Tatsache dass es sehr kurz ist
).

Jonathan Franzen: Die Korrekturen
Zum zweiten Mal gelesen. Eine amerikanische Familiengeschichte, die vor allem durch ihre präzise Sprache und die außerordentlichen Charakterisierungen der einzelnen Familienmitglieder heraussticht. Erzählt wird die Geschichte von Alfred und Enid und ihren drei Kindern, Chip, Denise und Gary. Die Beziehungen untereinander und die persönlichen Tragödien der einzelnen Familienmitglieder werden mit viel Verständnis für die menschlichen Schwächen und großem Einfühlungsvermögen in den Alltag durchschnittlicher Menschen erzählt. Ein paar Längen hat das Buch, vor allem die Erlebnisse von Chip in Litauen waren meiner Meinung nach zu ausführlich erzählt. Aber ansonsten ist “Die Korrekturen” ein sehr vielschichtiges, psychologisch intelligentes und melancholisches Buch, in dem aber auch der Humor, der ganz nach meinem Geschmack sehr trocken ist, nicht zu kurz kommt.
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Leserückblick 2009
5. January 2010 | notiert von: Eva
Ein mageres Lesejahr für meine Verhältnisse. 75 gelesene Bücher (im Vorjahr waren es 111), das sind 6,3 Bücher pro Monat. Die meisten Bücher habe ich, wie auch schon im Vorjahr, im Jänner und Dezember gelesen. Insgesamt waren es 25.509 Seiten, was 69,9 Seiten pro Tag ausmacht.
Genremäßig lag die Verteilung bei 52 % aus dem Bereich “Allgemeine Belletristik“, an zweiter Stelle folgen “Krimis & Thriller” mit 15 %. Der Rest verteilt sich relativ homogen auf Tagebücher, Kinderbücher, Klassiker, Erzählungen, Lyrik etc.
Interessant ist, dass ich letztes Jahr mehr Bücher deutschsprachiger (40 %) als englischsprachiger (37 %) Autoren gelesen habe, das hatte ich umgekehrt erwartet. Bei den anderen Sprachen machen wieder die skandinavischen Autoren den Großteil aus. Leider habe ich es wieder nur geschafft ein einziges Buch auf Englisch zu lesen, weshalb ich mir auch für das Lesejahr 2010 wieder ernsthaft vornehme, mehr englische Bücher zu lesen.
Erworben habe ich 2009 74 Bücher, davon waren 18 Bücher geschenkt. Für die 56 gekauften Bücher habe ich insgesamt 665 Euro ausgegeben, das sind 1,82 € die ich pro Tag für Bücher ausgegeben haben und durchschnittlich 11,87 € pro Buch. Die meisten erworbenen Bücher sind aus den Bereichen “Allgemeine Belletristik”, “Kunstbände” und “Lyrik”. 30 % der Bücher waren Wunschlistenkäufe, 70 % Spontankäufe. Geplant war es eigentlich genau umgekehrt
Highlights:
Das beste Buch des Jahres, das ich auch gleich zwei mal in diesem Jahr gelesen habe, war definitiv Pascal Merciers “Perlmanns Schweigen“.
Sehr gefallen haben mir auch:
• Veronique Olmi: Meeresrand
• Isaac Asimov: Die Foundation-Trilogie
• Die Brenner-Krimis von Wolf Haas
• E. M. Forster: Zimmer mit Aussicht
• Hakan Nesser: Das zweite Leben des Herrn Roos
• Thomas Bernhard: Erzählungen
• Margaret Atwood: Das Jahr der Flut
Flops:
• Agneta Pleijel: Der Weg des Windes (weil ich von “Lord Nevermore” so beeindruckt war und mir etwas ähnliches erhofft hatte)
• Paul Auster: Die New York-Trilogie (sehr vielversprechender Anfang, aber dann hat die Geschichte schnell nachgelassen)
• E. M. Forster: Wiedersehen in Howards End (kein Vergleich zu “Maurice” und “Zimmer mit Aussicht”)
• Jodi Picoult: 19 Minuten (leider haben die oberflächlichen Figuren die interessante Geschichte zunichte gemacht)
• Marya Hornbacher: Du hast nicht gesagt ich liebe dich (ihre Autobiographie “Wasted” fand ich soooo gut und war deshalb sehr gespannt auf ihren ersten Roman, der aber leider kitschig und langweilig war)
• Stewart O’Nan: alle, alle lieben dich (davon hatte ich mir viel mehr erwartet, ich fand es ein recht oberflächliches Buch, viel zu emotionslos)
Lesevorsätze für dieses Jahr:
• mehr englische Bücher lesen (gekauft hab ich eh schon einige, ich weiß auch nicht warum ich mich nie dazu überwinden kann)
• generell wieder mehr lesen (weniger Computerspielen!)
• mehr Tagebücher und Briefausgaben lesen (ich kaufe und kaufe die und habe schon eine recht schöne Sammlung, aber die meisten sind noch ungelesen)
• wieder öfter zur Bücherei gehen anstatt die Bücherstapel auf dem Boden noch höher werden zu lassen
• wieder zu jedem gelesenen Buch zumindest ein bisschen was schreiben
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Deinen Namen
19. December 2009 | notiert von: Eva
Ich lass deinen Namen auf meinen Rücken schreiben
Er soll bleiben
Mit dir im Rücken brauch ich nicht an Angst und Schrecken leiden
Xavier Naidoo, Ich brauche dich
Sag, in was schneide ich deinen Namen?
In mich und in mich und immer tiefer in mich.
Erich Fried, Inschrift
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Unfinished Story
19. December 2009 | notiert von: Eva

“Unfinished Story II” | ©Rafal Olbinski
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Moos auf seiner Haut
15. December 2009 | notiert von: Eva
Und Cyparis, der sein Gespann durch mehr Städte und durch die Hochmoore und Einöden tiefer in die Fremde geführt hatte, als sich ein Erzkocher in Tomi auch nur vorzustellen vermochte, sehnte sich dann nach der Tiefe der Erde und gleichzeitig nach der Höhe der Wolken, nach einem unverrückbaren Ort unter einem unverrückbaren Himmel. Manchmal schlief er während der Vorführung über solchen Sehnsüchten ein und träumte von Bäumen, von Zedern, Pappeln, Zypressen, träumte, dass er Moos auf seiner harten, rissigen Haut trug. Dann sprangen ihm an den Füßen die Nägel auf, und aus seinen krummen Beinen krochen Wurzeln, die rasch stark wurden und zäh und ihm tiefer und tiefer mit seinem Ort zu verbinden begannen. Schützend lebten sich die Ringe seiner Jahre um sein Herz. Er wuchs.
Und wenn Cyparis dann, vom Klingen einer leergelaufenen Spule oder vom Schlagen eines gerissenen Zelluloidstreifens geweckt, hochfuhr, spürte er in seinen Gliedern noch das feine Knirschen von Holz, die letzte, leichte Erschütterung eines Baumes, in dessen Krone sich ein Windstoß gefangen und besänftigt hatte. In diesen wirren Augenblicken des Erwachens, in denen er an seinen Füßen noch den Trost und die Kühle der Erde empfand und mit seinen Händen doch schon nach Spulen, Flügelmuttern und Lichtern griff, war Cyparis, der Liliputaner, glücklich.
- Christoph Ransmayr: Die letzte Welt
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Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt
13. December 2009 | notiert von: Eva
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.

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Thomas Bernhards Todesdruck
12. December 2009 | notiert von: Eva
Ein kurzes Video in dem Thomas Bernhard über den Tod und die Literatur spricht:
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